Mikroaggressionen im Job kontern: Satz hilft sofort

Nur ein doofer Spruch? Auch vermeintliche harmlose Bemerkungen können mit der Zeit den Selbstwert beeinflussen | Foto: dpa
  • Nur ein doofer Spruch? Auch vermeintliche harmlose Bemerkungen können mit der Zeit den Selbstwert beeinflussen
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Mikroaggressionen im Job kontern. Ein kurzer Satz kann helfen, abwertende Bemerkungen im Arbeitsalltag direkt sichtbar zu machen. Statt sich zu rechtfertigen, lässt sich die Situation oft drehen, indem die Aussage ruhig hinterfragt wird. Fachleute empfehlen dafür eine einfache Gegenfrage.

Im Meeting bringt eine Mitarbeiterin eine fundierte Gegenposition ein und hört als Reaktion: "Das ist ja wie mit meiner Tochter." Oder eine Kollegin macht einen Vorschlag und bekommt scheinbar Lob: "Für eine Frau kennst du dich aber echt gut aus in der Technik."

Solche Bemerkungen wirken auf den ersten Blick harmlos oder sogar freundlich. Tatsächlich handelt es sich häufig um sogenannte Mikroaggressionen. Gemeint sind subtile Kommentare, Gesten oder Verhaltensweisen, die keine offene Aggression zeigen, aber eine abwertende Botschaft transportieren.

"Implizit steckt dahinter die Erwartungshaltung: Eigentlich kannst du das doch nicht, weil du eine Frau bist", sagt Kyra Dohrin, Business-Coachin und Autorin ("Sackgasse weibliche Führungskraft"). Sie kennt das Thema aus ihrer Arbeit mit Führungskräften und aus eigener Erfahrung in einer Männerdomäne.

Stereotype und Hierarchien begünstigen solche Situationen

Der Begriff Mikroaggression beschreibt keine kleine Aggression. Er bezieht sich auf Situationen im Alltag zwischen einzelnen Menschen. Grund dafür ist laut Dohrin oft Stereotypisierung. Das Gehirn nutzt solche Denkmuster, um komplexe Informationen schneller einzuordnen.

"Sobald ein Mensch von einem stereotypen Rollenbild abweicht, ist das irritierend für das Gegenüber – und das kann schnell zu Mikroaggressionen führen, also zur Abwertung der Person, die von der Norm abweicht." Das zeigt sich etwa, wenn Frauen besonders karriereorientiert oder durchsetzungsstark auftreten.

Gerade im Berufsleben treten solche Situationen häufiger auf. Es geht um Macht, Positionierung und Sichtbarkeit in Organisationen. "In Situationen, in denen es darum geht, sich in der hierarchischen Ordnung zu positionieren, werden Mikroaggressionen gerne eingesetzt – bewusst und auch unbewusst", so die Coachin.

Viele kleine Bemerkungen können das Selbstvertrauen schwächen

Eine einzelne Bemerkung lässt sich meist noch gut übergehen. Problematisch wird es laut Dohrin, wenn sich solche Situationen wiederholen.

"Diese Mikroaggressionen summieren sich auf und wirken dann wie kleine Nadelstiche", sagt sie. Mit der Zeit beginne die betroffene Person, an sich selbst zu zweifeln. Daraus könnten Gedanken entstehen wie: Ich muss noch mehr leisten, ich muss mich stärker anpassen oder ich bin nicht gut genug.

Eine Gegenfrage verschiebt die Situation

Als direkte Reaktion empfiehlt Dohrin, die Situation auf eine Metaebene zu heben. Eine einfache Formulierung könne in vielen Fällen helfen: "Was genau meinen Sie damit?"

Damit verschiebt sich die Situation. "Nicht ich muss mich rechtfertigen, sondern mein Gegenüber muss erklären, warum er das gesagt hat", erklärt die Coachin.

Langfristig könne außerdem ein strategisch aufgebautes Netzwerk im Unternehmen unterstützen. "Das mächtigste Instrument, das man in einer Organisation haben kann, ist ein starker Sponsor – ein Verbündeter, der hierarchisch über einem steht", sagt Dohrin. "Wenn ich ihn dabei unterstütze, seine Ziele zu erreichen, unterstützt er mich automatisch dabei, meine Ziele zu erreichen."

Kritik an Vorgesetzten besser im Vieraugengespräch

Geht eine abwertende Bemerkung von einer Führungskraft aus, empfiehlt sich Zurückhaltung in großen Runden. Ein offenes Ansprechen im Meeting könne schnell zu Gegenreaktionen führen.

"Gesichtsverlust führt eher zur Gegenreaktion, zum Gegenangriff, aber nicht zur Lösung des Problems", so Dohrin.

Hilfreicher sei häufig ein ruhiges Vieraugengespräch. Dabei lassen sich Situation und Wirkung beschreiben und mit Ich-Botschaften formulieren, welche Veränderung künftig erwartet wird. Eine klare Reaktion kann so helfen, Grenzen im Arbeitsalltag sichtbar zu machen. dpa/red

Autor:

Sarah Isele aus Mannheim-Nord

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