Medienfrauen fordern mehr Vielfalt im Journalismus
- Kongress der Medienfrauen: Die Tagung beim Hessischen Rundfunk widmete sich Diversität und zukunftsfähigem Journalismus.
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Rund 350 Medienschaffende haben beim 48. Kongress der Medienfrauen in Frankfurt über die Zukunft des Journalismus diskutiert. Unter dem Motto „Keine Demokratie ohne Diversität“ ging es am 25. und 26. September um mehr Vielfalt, Nähe und Einordnung in den öffentlich-rechtlichen Medien.
Der Hessische Rundfunk hatte zum Kongress eingeladen, an dem Journalistinnen, Medienschaffende und Mitarbeiterinnen verschiedener Bereiche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnahmen. In 24 Workshops und mehreren Podiumsrunden berieten sie darüber, wie Medien Vertrauen zurückgewinnen und die Demokratie stärken können.
Die Journalistin Marieke Reimann, bis 2024 stellvertretende SWR-Chefredakteurin und damit die jüngste sowie erste ostdeutsche Chefredakteurin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, stellte eine zentrale Frage: „Wie können wir als Medienschaffende mit unserer Berichterstattung am Erhalt der Demokratie mitwirken?“
Warum Neutralität zum Diskussionsthema wurde
Die Publizistin Marina Weisband sprach im Eröffnungspanel über die Rolle der Medien in demokratiegefährdenden Zeiten. Dabei verwies sie auf die Konkurrenz durch Content-Creator, Influencer, Streamer und Plattform-Algorithmen sowie auf eine Aufmerksamkeitsökonomie, die häufig Empörung und negative Ereignisse belohnt.
„Die Wahrheit ist keine politische Partei", sagte Weisband und wandte sich damit gegen ein Verständnis von Neutralität, das Demokratie und Radikalismus gleich behandelt. Ihrer Einschätzung nach erschwert die Konzentration auf einzelne Ereignisse statt auf länger laufende Entwicklungen den Blick auf Sachzusammenhänge und die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen.
Reimann kritisierte außerdem stereotype und unzureichende Darstellungen gesellschaftlicher Gruppen. „Verantwortung hat auch mit Repräsentation zu tun", sagte die Journalistin und forderte öffentlich-rechtliche Medien auf, Menschen, die sie gezielt erreichen wollen, in ihren Programmen stärker abzubilden.
Vielfalt soll sich in den Strukturen zeigen
Elena Kountidou aus dem Verein Neue deutsche Medienmacher ordnete Diversität als Zukunftsfrage für Medienunternehmen ein. „Wenn wir diesen Menschen keine Angebote machen, ihre Ängste, ihre Sorgen, ihre Lebensrealität nicht darstellen, verlieren wir nicht nur an Publikum, an Vertrauen, sondern auch an Relevanz", sagte sie.
Saraya Gomis vom Migrationsrat Berlin richtete den Blick auf Verwaltungen und ihre Bedeutung für Entscheidungen zur Diversität. „Die Verwaltung ist unser Maschinenraum", erklärte Gomis; anschließend reflektierten hr-Programmdirektorin Julia Krittian und hr-Chefredakteurin Sandra Tzschaschel die Analysen.
Als Voraussetzung für eine demokratische und vielfältige Öffentlichkeit nannten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer strukturelle Veränderungen, mehr Mut zu neuen Wegen und eine offene Fehlerkultur. Zugleich wurde davor gewarnt, Diversität auf einzelne symbolische Maßnahmen zu reduzieren.
Mehr Kontext gegen Desinformation und rechte Narrative
Im zweiten Panel diskutierten die Medienwissenschaftlerin Anna von Garmissen, die Journalistin Alisa Schellenberg, die Podcasterin und Newsletter-Autorin Sham Jaff sowie die Newsletter-Autorin Maria Timtschenko über neue journalistische Formate. Im Mittelpunkt standen Perspektivenvielfalt, Vertrauen und die Frage, wie Redaktionen relevant bleiben können.
„Die Ressourcen nehmen ab, aber die Anforderungen nehmen zu", sagte von Garmissen. Die Runde sprach sich für mehr Nähe zu den Lebenswelten der Menschen, zusätzliche Einordnung und verbindende Zugänge aus; Timtschenko betonte außerdem, Redaktionen benötigten Wissen über Strategien, Narrative und Kommunikationsweisen der extremen Rechten, um diese besser zu entlarven.
Zum Abschluss verabschiedeten die Gleichstellungskonferenz und der Kongress der Medienfrauen eine Resolution zum Schutz von Medienschaffenden, besonders von Journalistinnen. Die Intendantinnen und Intendanten der Medienhäuser sollen dem Schutzkodex für Journalistinnen und Journalisten beitreten und ihn umsetzen; der nächste Kongress findet am 24. und 25. September 2027 in Köln statt. [red]
Autor:Film und Fernsehen: Shows, Serien und Stars aus Ludwigshafen |