Feldhasen erkennen: Woran sie zu Ostern gut zu beobachten sind
- Beim Spaziergang an Feldern und Wiesen lassen sich Feldhasen rund um Ostern oft besser entdecken, wenn typische Merkmale wie Tarnung, Ohrenbewegung und Fluchtverhalten bekannt sind.
- Foto: jonnysek/stock.adobe.com
- hochgeladen von Thorsten Kornmann
Feldhasen beobachten. Wer auf Feldern und Wiesen einen Feldhasen entdeckt, kann seine wichtigsten Merkmale schnell einordnen, wenn klar ist, wie das Tier Gefahren wahrnimmt und warum es oft erst im letzten Moment losrennt.
Gerade rund um Ostern sind Feldhasen mit etwas Glück gut zu sehen. Die Deutsche Wildtier Stiftung beschreibt sie als Fluchttiere, die fast ständig aufmerksam sind und dabei mehrere „Tricks“ nutzen, um Fressfeinde früh zu bemerken oder gar nicht erst aufzufallen. Auffällig sind vor allem die Ohren. Sie lassen sich unabhängig voneinander wie Antennen drehen. So nimmt der Feldhase Geräusche aus verschiedenen Richtungen wahr, noch bevor eine Gefahr sichtbar ist.
So schützt sich der Feldhase: Tempo, Tarnung und Rundumblick
Wenn es ernst wird, ist Geschwindigkeit der Plan B. Laut Deutscher Wildtier Stiftung erreicht der Feldhase bis zu 80 km/h. Mit kräftigen Hinterbeinen schafft er Sprünge von knapp drei Metern weit und drei Metern hoch. Sein flexibles Rückgrat hilft außerdem, abrupt auszuweichen und schnelle Haken zu schlagen.
Meistens setzt der Feldhase aber zuerst auf Tarnung. Er drückt sich mit flach angelegten Ohren auf den Boden und verschmilzt durch sein braun-graues Haarkleid optisch mit der Umgebung. Ein weiterer Effekt reduziert das Risiko, über Geruch entdeckt zu werden. Feldhasen haben an den Pfoten keine Duftdrüsen und hinterlassen dadurch nur eine schwache Geruchsspur.
Auch die Augen spielen eine Rolle. Seitlich stehende Augen bedeuten zwar, dass Feldhasen nicht besonders scharf sehen. Dafür liefern sie einen 360-Grad-Rundumblick. Verdächtige Bewegungen fallen so schon aus größerer Distanz auf. Zur Alarmbereitschaft passt auch das Ruheverhalten. Feldhasen dösen häufig nur und das oft mit offenen oder halb geschlossenen Augen. Das Gehirn registriert laut Deutscher Wildtier Stiftung selbst im Dämmerzustand kleinste Bewegungen und Geräusche.
Neben den Fähigkeiten beschreibt die Stiftung auch Belastungen für die Art. Professor Dr. Klaus Hackländer, Wildtierbiologe und Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung, nennt vor allem die intensive Landwirtschaft als Problem. In ausgeräumten Agrarlandschaften fehlen Verstecke. Zudem sind landwirtschaftliche Maschinen für neugeborene Junghasen, die sich bei Gefahr in ihre Sassen drücken, ein hohes Risiko. Auch Kräuter wie Hirtentäschelkraut oder Ackerstiefmütterchen sind in vielen Flächen seltener, was die Nahrungssuche erschwert.
Als Orientierung nennt Hackländer eine Flächenmaßnahme. Wenn zumindest sieben Prozent der Ackerfläche brach liegen, helfe das dem Feldhasen. Dafür brauche es Agrarförderprogramme, die Landwirte finanziell unterstützen. Zusätzlich bedroht seit 2023 die Viruserkrankung Myxomatose auch Feldhasen. Hackländer ordnet ein, dass die Krankheit die Sterblichkeit erheblich erhöhen kann und kleine Bestände sogar vollständig ausgelöscht werden können.
Wie sich wildtierfreundliche Nutzung auswirken kann, zeigt laut Deutscher Wildtier Stiftung das Stiftungsgut Klepelshagen in Mecklenburg-Vorpommern. Dort werden über gesetzliche Vorgaben hinaus Brachflächen angelegt und die Landschaft unter anderem mit Hecken, Streuobstwiesen und Blühstreifen gestaltet. Mäharbeiten auf Grünland finden erst nach dem 20. Juni statt. Die Mähbalken werden hoch eingestellt, um hockende Junghasen zu schonen.
Die Stiftung lässt zweimal jährlich nachts zählen, um Bestand und Zuwachs zu erfassen. Im Frühjahr 2026 wurden in Klepelshagen rund 20 Hasen pro Quadratkilometer gezählt. Im Nordostdeutschen Tiefland liegt die Hasendichte im Durchschnitt bei sechs Tieren. Die Ergebnisse werden als Hinweis gewertet, dass wildtierfreundliche Landnutzung messbare Effekte haben kann.
Unterm Strich lässt sich ein Feldhase im Alltag am besten über Verhalten und Umgebung einordnen: aufmerksam, gut getarnt, schnell und besonders dann sichtbar, wenn offene Feldlandschaften kurze Beobachtungsfenster erlauben.
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |