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Fast 40 Prozent aus der Fabrik: Was in Deutschland wirklich auf dem Teller liegt

Foto: Van Dongen Online/Pexels
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Kuchen, Wurst und Fertiggerichte führen die Statistik an. Eine Initiative aus England setzt dagegen auf eine sehr bescheidene Regel: eine Mahlzeit pro Woche mehr selbst kochen.

Wer im Herbst in der Pfalz Zwiebelkuchen zum Federweißen isst, macht vermutlich mehr richtig, als er denkt. Zumindest dann, wenn der Kuchen vom eigenen Blech kommt. Das eigentliche Problem liegt woanders, und es ist größer, als viele annehmen.

Deutschland im oberen Feld

Eine Vergleichsstudie im Fachblatt European Journal of Nutrition hat für 22 europäische Länder ausgewertet, wie viel der täglichen Energie aus hochverarbeiteten Lebensmitteln und Getränken stammt. Grundlage war die Verzehrsdatenbank der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Für Deutschland kamen die Forscher auf 38,0 Prozent bei Männern und 38,9 Prozent bei Frauen. Der europäische Durchschnitt liegt bei gut 26 beziehungsweise knapp 28 Prozent. Deutlich höher lagen nur Großbritannien und Schweden. Am unteren Ende steht Italien mit rund 13 Prozent.

Die deutschen Werte beruhen auf der Nationalen Verzehrsstudie II, die schon einige Jahre alt ist. Dass sich die Lage seither grundlegend verbessert hätte, legt der Blick ins Supermarktregal allerdings nicht nahe.

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Kuchen vorn, Wurst dahinter

Aufschlussreicher als der Gesamtwert ist die Zusammensetzung. Bei Frauen stammen 27 Prozent der Kalorien aus hochverarbeiteten Produkten von feinen Backwaren, also abgepackten Kuchen, Keksen und süßem Gebäck. Es folgen Fertiggerichte mit 15 und Soßen mit 12 Prozent. Bei Männern liegen die Backwaren ebenfalls vorn (23 Prozent), gefolgt von Wurstwaren mit 15 und Fertiggerichten mit 13 Prozent.

Zur Einordnung: Nicht jede Wurst und nicht jeder Kuchen ist gemeint. Die Studie folgt der sogenannten NOVA-Einteilung. Ein Brot vom Bäcker aus Mehl, Wasser, Sauerteig und Salz gilt als verarbeitet, aber nicht als hochverarbeitet. Das abgepackte Toastbrot mit Emulgatoren, Konservierungsstoffen und zwanzig Zutaten dagegen schon.

Was die Forschung sagt

Im November 2025 veröffentlichte die Fachzeitschrift The Lancet eine dreiteilige Serie zum Thema, erarbeitet von 43 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Leitung des brasilianischen Epidemiologen Carlos Monteiro, der den Begriff geprägt hat. Ausgewertet wurden 104 Langzeitstudien. 92 davon zeigten ein erhöhtes Risiko für chronische Erkrankungen. Die Metaanalysen brachten eine solche Ernährung mit zwölf Krankheitsbildern in Verbindung, darunter Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Lebensmittelindustrie hält den Begriff für zu unscharf. Ganz falsch ist das nicht, denn auch Käse, Sauerkraut und Dosentomaten sind verarbeitet. Die Lancet-Autoren meinen etwas Engeres: industrielle Rezepturen aus billigen Grundstoffen und Zusatzstoffen, die das ersetzen, was früher zu Hause gekocht wurde.

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Fünf Faustregeln aus Kent

In Großbritannien, wo der Anteil noch höher ist als bei uns, hat der Bio-Händler Whole Food Earth aus Ramsgate eine kostenlose Initiative gestartet: The Whole Plate. Der Grundsatz lautet, dass der größte Teil des Tellers die meiste Zeit aus unverarbeiteten oder wenig verarbeiteten Lebensmitteln bestehen soll. Dazu kommen fünf Regeln:

  1. Was Ihre Großmutter nicht als Essen erkennen würde, verdient einen zweiten Blick.
  2. Fünf Zutaten oder weniger, fast immer.
  3. Kochen Sie pro Woche eine Mahlzeit mehr selbst als in der Woche davor.
  4. Die Hälfte des Tellers pflanzlich. Tiefkühlware, Konserven und Getrocknetes zählen mit.
  5. Süßes bleibt erlaubt, wenn es aus echten Zutaten besteht und bewusst gegessen wird.

Der Zwiebelkuchen vom Anfang hat übrigens mehr als fünf Zutaten. Deshalb steht in der zweiten Regel das Wort „fast“.

So setzen Sie es im Alltag um

Drehen Sie die Packung um. Stehen dort Zutaten, die Sie in keiner Küche finden würden, etwa modifizierte Stärke, Aromen oder Emulgatoren, ist das Produkt mit großer Wahrscheinlichkeit hochverarbeitet.

Fangen Sie beim Frühstück an. Gezuckerte Frühstücksflocken lassen sich leicht durch Haferflocken mit Obst ersetzen. Das ist günstiger und dauert kaum länger.

Backen Sie am Wochenende selbst. Wenn Backwaren der größte Posten sind, liegt dort auch der größte Hebel. Ein Obstkuchen aus Mehl, Butter, Eiern, Zucker und Äpfeln hält sich zwar nur ein paar Tage, braucht aber auch keine Konservierungsstoffe.

Planen Sie eine Mahlzeit, nicht sieben. Die dritte Regel funktioniert, weil sie klein ist. Wer sich für den Herbst eine komplette Ernährungsumstellung vornimmt, ist meist im November wieder beim Alten.

Wer mitmachen möchte, kann sich für ein 30-tägiges Programm anmelden und erhält dann jeden Tag eine kurze E-Mail mit einem Tauschvorschlag, einem Rezept oder einer Idee. Die E-Mails sind auf Englisch. Das Programm ist kostenlos, und niemand muss etwas kaufen.

Dass hinter der Initiative ein Unternehmen steht, das Bio-Lebensmittel verkauft, sollte man im Hinterkopf behalten. Die Regeln funktionieren aber genauso mit Zutaten aus dem Supermarkt oder vom Wochenmarkt.

Die Regeln und die Anmeldung finden Sie auf wholefoodearth.com.

Foto: Van Dongen Online/Pexels
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