Elementarschutz in Deutschland: Warum eine eigene Lösung nötig ist
- Naturgefahren nehmen zu, aber nur 57 Prozent der Wohngebäude sind laut GDV gegen Elementarschäden wie Hochwasser oder Starkregen versichert. Warum einfache Vergleiche mit Frankreich oft irreführen und was für eine Lösung in Deutschland zählt.
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Elementarschutz Deutschland Klimafolgen. In vielen Wohngegenden reicht die normale Wohngebäudeversicherung, bis Starkregen den Keller flutet oder Hochwasser das Erdgeschoss beschädigt. Dann zeigt sich schnell, ob Elementarschäden mitversichert sind. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind in Deutschland nur 57 Prozent der Wohngebäude gegen Naturgefahren wie Überschwemmung oder Starkregen zusätzlich abgesichert.
Wenn Elementarschutz fehlt, wird nach größeren Ereignissen häufig über staatliche Hilfen diskutiert. Der GDV ordnet das als dauerhaft nicht verlässliche Lösung ein, weil staatliche Unterstützung weder planbar noch auf Dauer tragfähig sei.
Warum der Blick nach Frankreich oft zu kurz greift
In der politischen Debatte wird häufig das französische CatNat-System genannt. Der GDV weist darauf hin, dass Frankreich anders organisiert ist als der deutsche Versicherungsmarkt. Dort gibt es keinen vergleichbaren, konsequent risikobasierten Ansatz, sondern einen gesetzlich festgelegten Zuschlag auf bestehende Versicherungsverträge. Zusätzlich stützt ein staatlich gestützter Rückversicherer, die Caisse Centrale de Réassurance (CCR), das System mit staatlicher Garantie.
Wichtig für den Vergleich ist laut GDV auch der Leistungsumfang. In Frankreich steht im Grundsatz die Wiederherstellung des Zustands vor dem Schaden im Vordergrund. In Deutschland ist in vielen Verträgen der Wiederaufbau nach aktuellen Baustandards abgesichert, über die sogenannte gleitende Neuwertversicherung. Ein reiner Beitragsvergleich zwischen Ländern kann deshalb ein verzerrtes Bild liefern.
Was am französischen Modell als problematisch gilt
Der GDV verweist auf strukturelle Schwächen, die in Frankreich besonders bei steigenden Klimaschäden sichtbar werden. Als zentrale Punkte nennt der Verband unter anderem:
- staatlich festgelegte Selbstbehalte und damit begrenzte Spielräume für individuelle Risikosteuerung
- nur begrenzte Anreize für Prävention, wenn Risiken stark kollektiv getragen werden
- eine hohe Abhängigkeit vom staatlich gestützten Rückversicherer CCR und der staatlichen Garantie als letztem Risikoträger
Als Grundlage werden Kernaussagen des sogenannten Langreney-Berichts für das französische Ministerium für Wirtschaft und Finanzen genannt, der im April 2024 veröffentlicht wurde. Der Bericht empfahl zur Stabilisierung unter anderem eine Anhebung der CatNat-Zusatzprämie um rund 1,3 Milliarden Euro pro Jahr, eine klimabedingte Indexierung, höhere Selbstbehalte sowie zusätzliche Schutzmechanismen für CCR und Staat, etwa durch mehr Prävention, größere Reserven und die Einbindung privater Rückversicherer. Viele dieser Empfehlungen seien nach Darstellung des GDV bislang nicht umgesetzt.
Welche Punkte für eine Lösung in Deutschland entscheidend sind
Aus Sicht des GDV ist nicht die Kopie eines ausländischen Modells der zentrale Hebel. Entscheidend sei eine Lösung, die zu den rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen in Deutschland passt und dabei mehrere Ziele gleichzeitig erreicht:
- mehr Versicherungsdichte
- Absicherung auch hoher Risiken
- Bezahlbarkeit
- stärkere Prävention und Klimafolgenanpassung
- Einbindung des Staates für Extremereignisse, die ein System überfordern
Der GDV nennt dafür seinen Vorschlag „Elementar Re“ als Sicherungssystem, das privatwirtschaftlichen Elementarschutz flächendeckend ermöglichen und Prävention stärken soll, während der Staat bei Extremereignissen als Stütze vorgesehen ist.
Am Ende bleibt als praktische Einordnung: Entscheidend ist weniger, wie ein Modell im Ausland heißt, sondern ob es in Deutschland verlässlich mehr Gebäude gegen Hochwasser, Starkregen und ähnliche Naturgefahren absichert und dabei langfristig finanzierbar bleibt.
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |