Wiederaufbau im Ahrtal: Landrätin drängt auf mehr Schutz

Die heutige Landrätin hat bei der Flut ihr Haus verloren. (Symbolbild) | Foto: Thomas Frey/dpa
  • Die heutige Landrätin hat bei der Flut ihr Haus verloren. (Symbolbild)
  • Foto: Thomas Frey/dpa
  • hochgeladen von Cornelia Bauer

Ahrweiler. Für Menschen im Ahrtal bleibt der Wiederaufbau nach der Flut eine Alltagsfrage bei Wohnen, Sicherheit und Infrastruktur. Fünf Jahre nach der Katastrophe beschreibt Landrätin Cornelia Weigand, wo der Kreis Ahrweiler vorangekommen ist und wo weiter große Lücken bestehen.

Weigand, heute 55 Jahre alt und parteilose Landrätin, war in der Flutnacht im Juli 2021 Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr. Sie verlor wie viele andere Betroffene ihr Zuhause. In den ersten Stunden nach der Katastrophe habe es keine verlässlichen Prognosen gegeben, sagte sie. Hilfe aus der Luft habe in der Nacht gefehlt. Am Morgen danach seien im Ort erste Tote geborgen worden.

Flutnacht im Ahrtal: „Hinschmeißen war keine Option“

Weigand erklärt, sie habe sich damals früh öffentlich zu Wort gemeldet, weil sofort umfangreiche Hilfe nötig gewesen sei. Eine Aufgabe ihres Amtes sei für sie nicht infrage gekommen. Viele Menschen hätten Nachbarn, Freunde und ihr Zuhause verloren.

Mit Blick auf die politische Aufarbeitung sagt die Landrätin, viele Menschen im Tal hätten sich von der Landesregierung eine Entschuldigung gewünscht. Eine solche Geste könne Verluste nicht ungeschehen machen, aber beim Heilen von Wunden helfen.

Katastrophenschutz wurde nach der Flut ausgebaut

Nach Angaben Weigands ist im Katastrophenschutz inzwischen vieles verändert worden. In der Kreisverwaltung wurde eine Stabsstelle eingerichtet. Zudem sei in Material, Fahrzeuge und Ausrüstung investiert worden. Ehrenamtliche Kräfte seien intensiver geschult und Alarm sowie Einsatzpläne grundlegend überarbeitet worden.

Auch auf Landesebene habe sich etwas getan. Das Landesamt mit einer Erreichbarkeit rund um die Uhr unterstütze inzwischen auch kleinere wichtige Lagen. Weigand sieht den Katastrophenschutz deshalb heute deutlich besser aufgestellt als vor der Flut.

  • Fortschritte: Viele Privathäuser sind wieder bewohnt, Unternehmen arbeiten wieder, touristische Betriebe haben geöffnet.
  • Wichtige Projekte: Die Ahrtalbahn fährt wieder. Große Vorhaben wie kommunale Brücken, Schulen und Feuerwehrhäuser stehen aber noch an.
  • Belastung: Der Wiederaufbau läuft nach Weigands Worten auf „der größten Baustelle Deutschlands“.

Warum der Wiederaufbau weiter Zeit braucht

Dass der Wiederaufbau lange dauert, ist nach Weigands Darstellung auch Folge der Größe der Aufgabe. Im Ahrtal werde mehr gebaut und mehr Geld verbaut als anderswo in Deutschland. Zugleich gehe es nicht nur darum, Zerstörtes eins zu eins zu ersetzen. Bei Schulen würden etwa neue pädagogische Konzepte mitgedacht und teils zusätzliche Gebäudeteile geplant.

Die Landrätin sagt auch, dass die Angst vor neuen extremen Wetterlagen geblieben sei. Gewitter würden heute von vielen Menschen anders erlebt als vor 2021. Mit dem Klimawandel könnten extreme Ereignisse häufiger und stärker werden.

Hochwasserschutz an der Ahr: Rückhaltebecken im Fokus

Beim Hochwasserschutz setzt der Kreis auf Gewässerwiederherstellung und auf zusätzliche Rückhaltebecken. Nach Weigands Angaben umfasst die Wiederherstellung 100 Flusskilometer an der Ahr und ihren Zuflüssen. In Kreuzberg sei ein großer Teil bereits geschafft, an anderen Orten liefen die Arbeiten.

Für extreme Ereignisse reiche das aber nicht aus, sagt Weigand. Im überörtlichen Maßnahmenplan seien 17 mögliche Beckenstandorte im Einzugsgebiet der Ahr sowie ein weiterer Standort im Kreis für ein anderes Gewässer ermittelt worden. Die geschätzten Kosten lägen bei rund 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Drei Standorte seien priorisiert worden. Dafür habe die damalige Landesregierung eine Anschubfinanzierung für die Planung zugesagt.

Erinnern an die Flut: Angebote statt Vorgaben

Beim Umgang mit Trauer und Jahrestagen wirbt Weigand für unterschiedliche Formen des Gedenkens. Menschen reagierten sehr verschieden auf Erinnerungen an die Flut. Deshalb brauche es Orte für Begegnung, Austausch und Gedenken, ohne Betroffene zu etwas zu drängen. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

Cornelia Bauer auf Facebook

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

78 folgen diesem Profil
Kommentare sind deaktiviert.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.