Wahl in Baden-Württemberg: Cem Özdemir wird Ministerpräsident
- Özdemir ist der erste deutsche Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln.
- Foto: Bernd Weißbrod/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Stuttgart. Baden-Württemberg hat einen neuen Regierungschef. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir ist im Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt worden und führt damit künftig die Regierung im Südwesten.
Mit der Wahl schreibt der 60-Jährige Geschichte. Özdemir ist nach Winfried Kretschmann erst der zweite Ministerpräsident der Grünen in Deutschland. Zugleich ist er der erste deutsche Regierungschef eines Bundeslandes mit türkischen Wurzeln.
Der Politiker stammt aus Bad Urach am Rand der Schwäbischen Alb. Seine Eltern waren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Die Mutter arbeitete als Schneiderin in einer Änderungsschneiderei. Der Vater verdiente seinen Lebensunterhalt in verschiedenen Fabriken.
Schwieriger Start in der Schule
In der Schule hatte Özdemir zunächst Probleme. Unterstützung bekam er von Nachbarn und Freunden, die ihm bei den Hausaufgaben halfen. Eine frühere Nachhilfelehrerin verfolgt seinen Weg bis heute. Bei der Wahl im Landtag saß sie auf der Ehrentribüne und sagte über ihren früheren Schüler. „Ich habe immer an ihn geglaubt.“
Özdemir holte später auf dem zweiten Bildungsweg die Fachhochschulreife nach und studierte Sozialpädagogik. Schon früh engagierte er sich politisch. Seit 1981 ist er Mitglied der Grünen.
Politischer Aufstieg mit Rückschlag
1994 zog Özdemir erstmals in den Bundestag ein. Auch das war ein historischer Schritt. Er wurde der erste Abgeordnete mit türkischen Wurzeln im deutschen Parlament.
Der schnelle Aufstieg wurde später von einer Affäre gebremst. Wegen privat genutzter Bonusmeilen und eines umstrittenen Kredits legte er sein Mandat nieder. Danach folgte eine politische Auszeit in den USA. Über das Europaparlament und später erneut den Bundestag kehrte er in die Bundespolitik zurück.
Von 2008 bis 2018 führte Özdemir seine Partei als Bundesvorsitzender. In der Bundesregierung von Kanzler Olaf Scholz übernahm er später das Amt des Bundeslandwirtschaftsministers. Nach dem Ende der Ampel-Koalition kam zusätzlich das Bildungsressort hinzu.
Wahlkampf ganz auf Özdemir zugeschnitten
Im Landtagswahlkampf setzten die Grünen stark auf ihre bekannte Spitzenfigur. Plakate und Auftritte stellten Özdemir in den Mittelpunkt. Häufig war er dabei mit dem Fahrrad unterwegs oder zeigte sich bei Besuchen in Betrieben und Vereinen im Land.
Politisch setzte er auf Distanz zur Bundespartei. Immer wieder sprach er von der „Schwesterpartei“ in Berlin und betonte eigene Positionen etwa in der Migrationspolitik oder bei wirtschaftlichen Fragen.
Privates Leben
Im Frühjahr heiratete Özdemir seine Partnerin Flavia Zaka. Die Juristin stammt aus Kanada. Zuvor war er rund 20 Jahre mit der Journalistin Pia Castro verheiratet. Aus dieser Ehe stammen eine Tochter und ein Sohn.
Mit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten erreicht Özdemir nach eigenen Worten den „absoluten Höhepunkt“ seiner politischen Laufbahn. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |