Tod in Heidelberg: Körperwelten-Gründer Gunther von Hagens ist tot
- Gunther von Hagens ist im Alter von 81 Jahren gestorben. (Archivbild)
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Heidelberg. Der Tod des Plastinations-Erfinders Gunther von Hagens betrifft auch viele Menschen im Südwesten, weil seine Lebensarbeit in Heidelberg entstand und von dort weltweit bekannt wurde. Der Mediziner und Schöpfer der Ausstellung „Körperwelten“ ist nach Angaben seiner Familie am Freitag im Alter von 81 Jahren gestorben.
Wie die Familie in Heidelberg mitteilte, soll sein Körper auf eigenen Wunsch nach dem Tod selbst plastiniert werden. Mehrere Medien hatten zuvor über seinen Tod berichtet. In einer Mitteilung hieß es, seine Angehörigen würden diesen Wunsch respektieren und umsetzen.
Prägende Arbeit begann in Heidelberg
Von Hagens entwickelte die Plastinationstechnik in den 1970er Jahren in Heidelberg. Dort gründete er 1993 auch das Institut für Plastination. Seine „Körperwelten“ verstand er als Anatomieausstellung, die Menschen Wissen über den eigenen Körper vermitteln sollte.
Zu seinem Leben gehörten aber nicht nur weltweite Aufmerksamkeit und Millionen Besucher, sondern auch eine anhaltende moralische Debatte. Vor allem die Kirchen kritisierten die öffentliche Zurschaustellung präparierter menschlicher Körper. Die evangelische Kirche sprach von einem würdelosen Umgang mit Verstorbenen. Die Städte Augsburg und Köln untersagten ihm, eine Sexszene mit Leichen darzustellen.
Krankheit rückte den Tod näher
Der Tod war auch persönlich ein zentrales Thema in seinem Leben. Nach Angaben der dpa hatte von Hagens 2008 die Diagnose Parkinson erhalten. Kurz vor seinem 70. Geburtstag sagte er damals, er habe sich zunächst noch fünf Jahre gegeben. Später zeigte er sich zuversichtlicher und verwies auf seinen Vater als Vorbild.
Im Januar 2025 sagte der Mediziner, mit zunehmendem Alter empfinde er das Leben als große Ausnahme und den Tod als das Normale. Die Vergänglichkeit verleihe dem Leben überhaupt erst Bedeutung, war seine Überzeugung.
Wegen seiner Krankheit hatte er sich zuletzt weitgehend aus dem Geschäft zurückgezogen. Seine Frau Angelina Whalley übersetzte ihn seit längerer Zeit, weil sein Sprachzentrum stark beeinträchtigt war. Sein Sohn Rurik und Whalley führen seine Arbeit nach seinen Angaben weiter.
Produktion in Guben, Wirkung weit über die Region hinaus
Bekannt wurde die Technik vor allem durch die „Körperwelten“. Die meisten Präparate werden nach früheren Angaben aus der Werkstatt jedoch für Universitäten weltweit hergestellt. Seit 2006 werden Plastinate in einer großen Werkstatt im brandenburgischen Guben produziert. Dort werden auch Tierkörper präpariert.
Von Hagens betonte immer wieder, seine Arbeit solle nicht schockieren, sondern Wissen vermitteln und Diskussionen anstoßen. Seine Frau erklärte nach seinem Tod, er habe Menschen den Blick unter die Haut ermöglichen wollen. Es sei ihm nicht um Sensationslust gegangen, sondern um die Überzeugung, dass Wissen über den eigenen Körper zu einem bewussteren und verantwortungsvolleren Leben beitragen könne.
Eigenes Vermächtnis soll zum Präparat werden
Nach früheren dpa-Angaben wollte von Hagens konsequenterweise auch seinen eigenen Körper dem Verfahren unterziehen lassen. Kurz vor seinem 80. Geburtstag sagte er, damit könne er seine Überzeugung und Lebensarbeit über den Tod hinaus fortführen.
Seine Frau hatte dazu erklärt, sie habe diese Vorstellung zunächst schrecklich gefunden. Später habe sie sie aber auch als Liebesbeweis gesehen. Nach dem Willen von Hagens soll sie bei der Plastination selbst mitwirken. Der 1945 bei Posen im heutigen Polen geborene Mediziner galt mit seinem Hut seit Jahrzehnten als unverwechselbare Figur. Seine Frau beschrieb den Hut einmal als Symbol für seinen Anspruch, anders zu sein. dpa/red
Autor:Eva Bender aus Neustadt/Weinstraße |