Rückendeckung von Harald Schmidt: Merz soll bleiben
- Harald Schmidt, Moderator, Musiker und Schauspieler, spricht bei einem Interview der dpa Deutsche Presse-Agentur.
- Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Harald Schmidt. Der Entertainer stellt sich überraschend klar hinter Bundeskanzler Friedrich Merz und hält Rücktrittsforderungen für verfehlt. In Köln sagte der neunundsechzigjährige frühere Late-Night-Star: «Ich hoffe, dass er die Legislaturperiode durchsteht».
Schmidt, lange als «Chef-Zyniker» des deutschen Fernsehens bekannt, sieht Merz nicht als Sonderfall, sondern als Teil eines größeren politischen Klimas. Sein trockener Befund: «Nennen Sie einen Regierungschef, der nicht zu Hause Probleme bis unters Dach hat.» Auch international stellt sich Schmidt die Lage mit gewohnt spitzer Pointe vor. Beim Arktis-Gipfel in Finnland sei vermutlich bei jeder Gelegenheit gesagt worden: «Du wirst auch gleich abgewählt, gehen wir einen trinken!»
Harald Schmidt sieht eine festgefahrene Erzählung über Merz
Nach Schmidts Eindruck hätten sich die Medien auf die Linie festgelegt, dass Merz es nicht könne. Für einen Politiker werde es in so einer Situation besonders schwer, weil jede Handlung sofort gegen ihn ausgelegt werden könne. Als Beispiel nennt er den Sommerurlaub des Kanzlers. «Das ist so kleinkariert. Geht er in Urlaub, heißt es, er war zu lange in Urlaub. Geht er nicht in Urlaub, heißt es, er braucht mal Urlaub.»
Wäre Schmidt Berater von Merz, würde er ihm einen offensiveren Ton empfehlen. «Ich würde den Kanzler viel mehr sagen lassen: «Ihr könnt froh sein, dass ich den Job mache. Ich ziehe das jetzt alles durch.»» Vielleicht könne genau daraus sogar eine Wende zum Besseren entstehen.
Für Schmidt lenkt die Debatte vom Weltgeschehen ab
Die Fixierung auf eine angebliche Kanzlerkrise sagt für Schmidt viel über Deutschland aus. «Das sind süße, kleine Themen, die wir uns hier leisten. Das kann nur jemanden beschäftigen, der schon lange keine Nachrichten mehr gesehen hat. Egal auf welchem Endgerät.» Als Kontrast verweist er auf das Treffen der Brics-Staaten in Neu-Delhi. «Wenn ich sehe, mit welch guter Laune sich Putin, Modi, und Xi Jinping da die Hand reichen. Und gleichzeitig warnen die KI-Bosse: «Ihr Lieben, es könnte früher Schluss sein als gedacht.» Während wir hier also die Schnuckiputzi-Tour fahren, ist ein Großteil der Welt bereits dabei, sich für die Zukunft zu rüsten.»
Damit liefert Schmidt weniger eine klassische Politik-Analyse als einen typischen Schmidt-Moment: scharf formuliert, medienkritisch und mit Blick auf die großen Verschiebungen hinter der deutschen Tagesaufregung. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |