Rassistische Gesänge in Stuttgart: Schule zeigt sich bestürzt
- Ein Skandal um rassistische Parolen auf einem Sommerfest beschäftigt die Schule.
- Foto: Jennifer Kramer/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Stuttgart. Nach rassistischen Gesängen auf einem Sommerfest arbeitet eine Schule in Stuttgart den Vorfall auf und positioniert sich klar gegen Ausgrenzung.
Nach Angaben des Schulleiters der Merz Schule, Frederik Merz, wurden in der Schlussphase der Feier auf Wunsch noch einige Lieder gespielt. Bei einem Song kam es demnach zu den Rufen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“. Der DJ habe die Musik und die Parolen sofort unterbunden. Dennoch sei kurz eine Dynamik entstanden.
Schulleitung und Schüler deutlich betroffen
Ein Beteiligter sei direkt angesprochen worden. Der frisch gebackene Abiturient musste das Fest verlassen. In den Tagen danach habe er laut Schulleiter Reue gezeigt. Ihm sei der Vorfall sehr peinlich gewesen.
Besonders betroffen sei die Schulgemeinschaft, weil die Merz Schule einen internationalen Hintergrund habe. In jeder Klasse gebe es Kinder mit Migrationshintergrund. Auch Schüler mit Migrationshintergrund hätten laut Schulleiter mitgesungen. Er habe sich darüber maximal erstaunt gezeigt. Aus seiner Sicht fehle teils das Bewusstsein dafür, was solche Aussagen anrichten können. Die Schule habe gegenüber den Schülerinnen und Schülern klar gemacht, dass solche Rufe nicht zu ihr passten.
Polizei sieht bislang keine Straftat
Der Schulleiter zeigte sich überrascht, dass die Rufe nach bisherigem Stand nicht strafrechtlich relevant sind. Er wünscht sich nach eigenen Worten eine Debatte darüber, wo Meinungsfreiheit endet und wo Volksverhetzung beginnt. Die Polizei teilte mit, nach den bisherigen Erkenntnissen liege keine strafrechtliche Relevanz vor. Ein Sprecher nannte den Vorfall zugleich massiv geschmacklos.
Privatschulverband distanziert sich
Auch der Verband deutscher Privatschulen Baden Württemberg distanzierte sich von dem Vorfall. Die Merz Schule ist eine Privatschule. Der Landesverband erklärte, für Diskriminierung und extremistisches Gedankengut sei an seinen Schulen kein Platz. Wenn Schülerinnen und Schüler rassistische Parolen oder Lieder anstimmten, verlange das eine sofortige und konsequente Reaktion.
Der Verband zeigte sich überzeugt, dass der Schulträger in Stuttgart die Vorgänge lückenlos aufklärt. Zugleich verwies er auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die auch vor Schulen nicht haltmache.
Erinnerung an den Fall auf Sylt
Der Vorfall erinnert an den Fall auf Sylt aus dem Jahr 2024. Damals hatten Partygäste zu dem Lied „L'amour toujours“ rassistische Parolen gerufen. Die anschließenden Verfahren wurden überwiegend eingestellt. dpa/red
Autor:Eva Bender aus Neustadt/Weinstraße |