Kursdebatte in Rheinland-Pfalz: CDU fordert neue Antworten
- Die CDU brauche neue Antworten und Lösungswege, sagte CDU-Fraktionschef Gensch mit Blick auf die Landtagswahlergebnisse. (Archivfoto)
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Rheinland-Pfalz. Nach den Landtagswahlen vom 20. September wächst auch im Südwesten der Druck auf die Parteien, ihren Kurs im Bund zu überprüfen. Politikerinnen und Politiker aus Rheinland-Pfalz sehen in den Ergebnissen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ein deutliches Warnsignal für die Demokratie und für die Arbeit der Bundesregierung.
Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag, Christoph Gensch, forderte neue Antworten und Lösungswege. Die CDU müsse bereit sein, „größere politische Risiken in Kauf zu nehmen“. Die Wahlergebnisse seien nicht überraschend gekommen. Die Entwicklung sei seit längerer Zeit erkennbar gewesen.
CDU-Fraktionschef Gensch verlangt Selbstkritik
Gensch sagte, die CDU müsse sich fragen, warum es ihr nicht gelungen sei, mehr Menschen von ihrem politischen Angebot zu überzeugen. Es reiche nicht, die Ursachen allein bei anderen Parteien oder in der zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft zu suchen.
Die Union trage selbst Verantwortung dafür, ob Menschen wüssten, wofür sie stehe, welche Ziele sie verfolge und welchen konkreten Unterschied eine Regierungsverantwortung von Christdemokraten mache, sagte Gensch.
In Mecklenburg-Vorpommern holte die AfD bei der Landtagswahl die meisten Stimmen vor der SPD. Die CDU fiel dort auf 4,9 Prozent und verpasste den Einzug in den Landtag in Schwerin. In Berlin siegte die Linke vor CDU und AfD. Die SPD erzielte dort ein historisch schlechtes Ergebnis.
Schnieder sieht tiefen Schlag für die CDU
Ministerpräsident Gordon Schnieder, zugleich CDU-Landeschef in Rheinland-Pfalz, sprach von schmerzhaften Ergebnissen. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er: „Der Schlag sitzt tief.“ Ein Riss gehe durch die Gesellschaft und werde größer. Extremistische Kräfte trieben die Menschen auseinander.
Schnieder sagte, die Aufgabe demokratischer Politik sei es, die Menschen wieder zusammenzubringen. Dafür brauche es Veränderungen, Vertrauen und Mut. Nachhaltige Verbesserungen für das Land seien entscheidend. Nur eine Politik, die gemeinsam Probleme löse, könne Vertrauen zurückgewinnen.
Nach dpa-Informationen kam Schnieder am Wahlabend mit anderen CDU-Ministerpräsidenten und einzelnen Landesvorsitzenden zu Beratungen in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin zusammen. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz war demnach nicht dabei.
Was die Debatte für Bürger bedeuten kann
Die Reaktionen aus Rheinland-Pfalz richten den Blick auf Themen, die viele Menschen im Alltag betreffen. Im Mittelpunkt stehen nach den Äußerungen der Landespolitiker vor allem diese Punkte:
- Vertrauen in Politik: Parteien wollen stärker erklären, welche konkreten Lösungen sie anbieten.
- Soziale Sicherheit: SPD und Grüne betonen Entlastungen und Respekt für die tägliche Arbeit der Menschen.
- Umgang mit Extremismus: Mehrere Politiker warnen vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft.
- Kurs der Bundesregierung: Vertreter von SPD, Grünen und CDU sehen Prüfbedarf nach den Wahlergebnissen.
SPD und Grüne fordern Kursprüfung im Bund
Der kommissarische SPD-Landeschef und SPD-Bundesvize Alexander Schweitzer sagte, die Bundesregierung müsse ihren Kurs überprüfen und rasch konkrete Verbesserungen für die Menschen erreichen. Die CDU müsse ihr schwaches Ergebnis sehr ernst nehmen und Konsequenzen ziehen. Das gelte aber auch für die SPD.
Schweitzer sagte, Menschen erwarteten Respekt für ihre tägliche Arbeit und eine Politik, die ihnen nicht das Gefühl gebe, selbst für die Schwierigkeiten des Landes verantwortlich zu sein. Das starke Abschneiden der AfD nannte er verheerend.
Die Co-Vorsitzende der rheinland-pfälzischen Grünen, Christin Sauer, sagte, das Abschneiden der AfD dürfe niemanden gleichgültig lassen. Vertrauen in demokratische Politik entstehe dort, wo Menschen erlebten, dass Politik ihr Leben konkret verbessere. Ein „Weiter so“ von Kanzler Merz wäre aus ihrer Sicht das falsche Signal.
Der rheinland-pfälzische AfD-Chef Sebastian Münzenmaier sieht seine Partei dagegen auf dem Weg zur Volkspartei. Die Ergebnisse zeigten aus seiner Sicht eine bundesweite Abrechnung mit der Politik der Union. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |