Gedenken im Ahrtal: Steinmeier spricht von "Auftrag an uns alle"
- Steinmeier würdigt die Solidarität im und für das Ahrtal.
- Foto: Hannes P. Albert/dpa
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Ahrtal. Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe steht im Ahrtal erneut die Frage im Mittelpunkt, wie Menschen und Orte künftig besser vor Hochwasser geschützt werden können. Bei Gedenkveranstaltungen in Altenahr und Ahrweiler erinnerte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die Opfer und sprach von einem „Auftrag an uns alle“, solche Katastrophen mit besseren Vorkehrungen möglichst zu verhindern.
Bei der Eröffnung der Fotoausstellung „We Ahr Strong. Fünf Jahre, ein neuer Blick“ in Altenahr sagte Steinmeier, ein solcher Jahrestag sei kein einfacher Tag. Viele Betroffene wollten nach vorn schauen und spürten zugleich weiterhin den Schmerz. Anschließend legte er in der Kapelle des Friedhofs in Ahrweiler einen Kranz nieder.
Schicksale aus der Region bleiben präsent
Die Ausstellung zeigt Porträts von Menschen aus dem Ahrtal und erzählt, was ihnen nach der Flut geholfen hat, worauf sie stolz sind und welche Zukunftsbilder sie haben. Steinmeier sprach dort auch mit Betroffenen.
Zu ihnen gehört der 89-jährige Eberhard aus Ahrweiler. Er berichtete, dass in der Flutnacht alles verloren gegangen sei, was ihm wichtig war. Seine Frau sei ihm von einer Flutwelle aus den Armen gerissen worden. Heute blickt er nach eigenen Worten wieder mit Zuversicht nach vorn und sagt, ihm sei das Leben noch einmal geschenkt worden.
Auch Laura schilderte ihre Erinnerungen an die Nacht vom 14. auf den 15. Juli. Sie war damals 13 Jahre alt und wurde von der Flut überrascht. Erst in den frühen Morgenstunden, als das Wasser zurückging, konnte sie kurz schlafen. Danach sei sofort klar gewesen, dass geholfen und angepackt werden müsse.
Wiederaufbau dauert weiter an
Nach den Worten Steinmeiers ist das Leid auch fünf Jahre später nicht vergessen. Zugleich sei das Ahrtal ein Ort, an dem ein beeindruckendes Maß an Solidarität sichtbar geworden sei.
Darauf verwiesen auch weitere Redner aus Rheinland-Pfalz. Ministerpräsident Gordon Schnieder betonte, hinter jeder Opferzahl stehe das Schicksal eines Menschen und einer Familie. Landrätin Cornelia Weigand sagte, die Ausstellung zeige, dass von der Flut mehr geblieben sei als Zerstörung. Zugleich seien manche Verluste unersetzlich.
Weigand machte zudem auf ein Problem aufmerksam, das für viele Menschen in der Region weiter wichtig bleibt: Selbst mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen lasse sich ein neues extremes Hochwasser nicht vollständig beherrschen. Sie forderte deshalb vom Bund, die Aufbauhilfefonds auch für Hochwasserrückhaltebecken zu öffnen. Steinmeier sagte dazu, diese Debatte müsse vor Ort und im Land geführt werden.
Mehr als 180 Tote und Reformen im Katastrophenschutz
Die Flut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli gehört zu den schwersten Naturkatastrophen der jüngeren deutschen Geschichte. Nach tagelangem Starkregen wurde vor allem die Ahr in ihrem engen Tal zu einer zerstörerischen Sturzflut.
- Mindestens 136 Menschen starben in Rheinland-Pfalz
- 49 Menschen kamen in Nordrhein-Westfalen ums Leben
- Mehrere hundert Menschen wurden verletzt
- Eine Person aus der Ahr-Region gilt bis heute als vermisst
Viele Überlebende kämpfen weiterhin mit psychischen Folgen. Außerdem ist der Wiederaufbau noch immer nicht abgeschlossen. An Brücken, Schulen, Krankenhäusern und weiterer kommunaler Infrastruktur laufen weiterhin Projekte. Die Bahn fährt nach Angaben aus der Region inzwischen seit einigen Monaten wieder regulär auf allen Strecken.
Was sich seit der Flut verändert hat
Die Katastrophe hat auch Reformen im Katastrophenschutz ausgelöst. Dazu gehören ein Sirenen-Förderprogramm und Cell Broadcast als Warnsystem. Warnmeldungen können damit direkt an Mobiltelefone in einem betroffenen Gebiet gesendet werden.
In Rheinland-Pfalz wurde zudem ein neues Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz aufgebaut. Der frühere Ministerpräsident Alexander Schweitzer erklärte, es gehe nicht nur um den Wiederaufbau von Häusern, Straßen und Brücken. Das Tal brauche auch eine sichere und lebenswerte Zukunft. Sichtbare Fortschritte machten dabei Mut. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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