Döner-Video aus Koblenz geht viral: Kloster bricht mit Klischees
- Schwester Clarita ist mit 28 Jahren die Jüngste im Kloster
- Foto: Thomas Frey/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Koblenz. Ein virales Video aus einem Kloster sorgt derzeit für Millionen Klicks und ungewöhnliche Einblicke in den Alltag von Ordensschwestern. Im Kloster Arenberg in Koblenz zeigt ein kurzer Instagram Clip die 92 Jahre alte Schwester Irmingard beim Essen ihres ersten Döners. Innerhalb einer Nacht wurde das Video millionenfach aufgerufen.
Die Aufnahme verbreitete sich rasant in sozialen Netzwerken. Für Schwester Irmingard kam die Aufmerksamkeit überraschend. „Acht Millionen haben sich eingeklickt. Unglaublich“, sagt sie. Berühmt fühle sie sich deshalb aber nicht. Vielmehr habe sie überlegt, was sie für die vielen Menschen tun könne. Ihre Antwort ist schlicht. Sie will für sie beten.
Ein Video räumt mit Klischees auf
Gefilmt und veröffentlicht hat den Clip die 28 Jahre alte Schwester Clarita. Sie lebt seit etwas mehr als drei Jahren im Kloster und zeigt auf Instagram regelmäßig Szenen aus dem Alltag der Gemeinschaft. Ziel ist es, verbreitete Vorstellungen über Ordensleben zu korrigieren.
Viele Menschen glaubten etwa, Klosterschwestern müssten nicht arbeiten, weil sie Kirchensteuer bekämen. Das stimme nicht. Schwester Clarita arbeitet beim Deutschen Liturgischen Institut in Trier mit einem normalen Arbeitsvertrag. Gehalt und spätere Rente gehen in eine gemeinsame Kasse des Ordens.
Aus dieser Kasse werden Unterkunft, Verpflegung und ein monatliches Taschengeld von rund 120 Euro finanziert. Außerdem haben die Schwestern vier Wochen Urlaub im Jahr.
Zwischen Arbeit, Sport und Podcasts
Das Leben im Kloster unterscheidet sich in vielen Punkten weniger vom Alltag außerhalb der Mauern als oft gedacht. Die Schwestern eines apostolischen Ordens können das Kloster verlassen, arbeiten und pflegen Kontakte.
Schwester Clarita fährt Fahrrad, geht klettern und trifft Freunde. Unterwegs hört sie Podcasts und ist nach eigener Aussage auch Fan von „Aktenzeichen XY“. Solche Einblicke sollen zeigen, dass Ordensfrauen Menschen der Gegenwart sind.
Typisch für das Leben im Kloster bleiben dennoch bestimmte Regeln und Entscheidungen. Dazu gehören Gelübde für Armut, Gehorsam und Keuschheit. Gleichzeitig versuchen viele Schwestern bewusst Zeiten der Stille in ihren Alltag einzubauen.
Ordensleben und Social Media
Auch Schwester Ursula ist auf Instagram aktiv. Die 50 Jährige lebt seit rund 20 Jahren im Kloster Arenberg. Sie möchte ihren Glauben teilen und Menschen erreichen. „Ich möchte gerne Einfluss nehmen“, sagt sie.
Gleichzeitig beschreibt sie das Klosterleben als erfüllend. Langeweile kenne sie kaum. Manchmal fehle höchstens eine Couch für einen ruhigen Nachmittag.
Das Kloster Arenberg zählt derzeit 35 Ordensschwestern. Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 81 Jahren. Trotz dieser Realität zeigen die Social Media Beiträge eine Seite des Ordenslebens, die viele Menschen überrascht. Eine Gemeinschaft, die Tradition mit Alltag im 21. Jahrhundert verbindet. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |