Autonome E-Minibusse und U-Shift-Busse sollen ÖPNV ergänzen
- E-Minibusse waren bis 2023 auf dem Testfeld in Dammerstock (Karlsruhe) unterwegs. Das KIT Karlsruhe erforschte Technik und Akzeptanz interdisziplinär.
- Foto: Paul Gärtner/KVV
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Ludwigshafen/Rhein-Pfalz-Kreis. Laut der DLF-Studie "Vernetzte Mobilität für lebenswerte Orte" gelingt die Verkehrswende nur durch Zusammenspiel vieler Bausteine wie ÖPNV-Ausbau, Schnellradwege, 15-Minuten-Städte, Verkehrsmanagement-Apps und neue autonome Fahrzeuge. Leitender Verkehrsplaner Thomas Lappe sieht im autonomen Fahren Chancen, aber auch Risiken.
Von Julia Glöckner
Deutschlands TUs erproben seit Jahren im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLF) die neuen autonomen Fahrzeuge. Dabei wurde etwa das Quartier Dammerstock zum Testfeld für E-Minibusse. Diese sollen Ergänzung auf der letzten Meile werden: Von der Haustür zur Stadtbahnhaltestelle also. Sie sollen künftig aber auch als Rufbusse verkehren, zum nächsten Geschäft sowie auf Rundtouren durch Quartiere oder um längere Strecken vom Land in die Stadt zurückzulegen.
Volle Busse und Bahnen und fehlende Fahrer sind die Hauptgründe für das Ausbleiben der Verkehrswende durch Ausbau des ÖPNV. Emissionen im Verkehrssektor sanken in den vergangenen Jahren nur um wenige Zehntelprozent, weshalb Deutschland derzeit Strafzahlungen in Milliardenhöhe seitens der EU drohen.
E-Minibusse sollen künftig den Nahverkehr ergänzen und die Fläche besser nutzen. Mit den Fahrzeugen will man die Stadt-Land-ÖPNV-Verkehrslücke schließen sowie den ÖPNV innerstädtisch ausbauen. Auch die Taktung könnte verbessert werden.
- E-Minibusse waren bis 2023 auf dem Testfeld in Dammerstock (Karlsruhe) unterwegs. Das KIT Karlsruhe erforschte Technik und Akzeptanz interdisziplinär.
- Foto: Paul Gärtner/KVV
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U-Shift sind dagegen autonome Fahrzeuge, in die sich Module sowohl für Cargo als auch Personen einkoppeln lassen, um längere Strecken zurückzulegen. So wird U-Shift abrufbar als Bus mit Personenkapsel sowie etwa auch mit Post- oder Müllkapsel. Erforscht werden derzeit auch Leicht-Schienentaxis, die Nebenstrecken beleben und reaktivieren können. Der DLF-Studie zufolge haben die Fahrzeuge großes Potenzial bei der Einsparung von CO2.
- Das modulare Fahrzeug Cargo hat die Personenkapsel eingekoppelt.
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- Leicht-Schienentaxis sollen auf stillgelegten Strecken und Nebenstrecken fahren.
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„Entscheidend wird regulierte Nutzung durch politischen Rahmen sein“
Autonomes Fahren kann die Verkehrswende durchaus beschleunigen, sofern es richtig eingesetzt wird, erklärt der leitende Verkehrsplaner Thomas Lappe auf Anfrage des Wochenblatts: „Sharing-Angebote im Rahmen der geteilten Mobilität bringen mit sich, dass einige Personen auf ein eigenes Auto verzichten könnten.“ Das gelte jedoch grundsätzlich auch für Fahrgemeinschaften, also für Sharing-Fahrzeuge, die nicht autonom fahren.
Der Planer sieht vor allem Chancen für „ländliche Räume, die nur ein ausgedünntes ÖPNV-Angebot haben.“ Die E-Minibusse und U-Shift können zudem „stetiger“ fahren, was den Verkehrsfluss verbessert. Sie verursachen weniger Unfälle, weil der Faktor Mensch entfalle.
Verkehr könnte zunehmen: Nutzungskonzept wesentlich
Allerdings sieht der Verkehrsplaner auch mögliche negative Effekte. „Wird das Fahren mit autonomen Fahrzeugen günstiger und bequemer, könnte das sogar zusätzliche Fahrten verursachen, die vorher mit anderen Verkehrsmitteln gemacht wurden. Das ist der Fall, wenn irgendwann private Autos autonom fahren“, erklärt er. Damit würde es noch mehr Verkehr auf den Straßen geben.
Entscheidend sei, dass die neuen Verkehrsmittel keine Selbstläufer bleiben, sondern dass die Politik durch ein Nutzungskonzept einen klaren Rahmen setzt. Werden E-Minibusse eingesetzt, um den ÖPNV zu ergänzen, auf der letzten Meile, als Shuttlebusse zu ÖPNV-Drehkreuzen oder für ein flexibles Angebot im Rufverkehr in ländlichen Gebieten, kann es die gewünschten Effekte erzielen. Großer Vorteil ist dabei laut dem Verkehrsplaner, dass ohne Fahrpersonal flexiblere Verbindungen wirtschaftlicher angeboten werden können. Leerfahrten gelte es unbedingt zu vermeiden und Konkurrenz zu anderen ÖPNV-Angeboten sollte nicht entstehen.
Mit Weiterentwicklung von Technik und Infrastruktur könnten die neuen Fahrzeuge auch viele Bedürfnisse der Bürger erfüllen, sagt Lappe. So kämen Menschen mit Behinderung und Ältere selbstständiger ans Ziel, wenn die Fahrzeuge entsprechend technisch ausgestattet sind. Es könnte weniger Staus, mehr Komfort und kürzere Reisezeiten für Pendler geben. Polizei und Rettungsdienste legten Wert auf ein sicheres Zusammenspiel zwischen autonomen und nicht-autonomen Fahrzeugen auf der Straße. Komplexe Situationen mit schnell fahrenden Polizeiautos stellten jedoch weiterhin Anforderungen an verbesserte Technik.
Autonome Fahrzeuge sind bereits auf Testfeldern in Deutschland und international schon in einzelnen Städten im Alltagsverkehr unterwegs. Der flächendeckende ist laut Lappe noch Jahre bis Jahrzehnte entfernt. Bis dahin brauche es noch fehlerfreie Technik, die haftungsrechtlichen und datenschutzrechtlichen Fragen müssen geklärt sein, so Lappe. Auch der Ausbau der Infrastruktur durch digitale Karten, Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Ampeln muss vielerorts noch ausgebaut werden.
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Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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