Angst im Alltag nimmt zu: Warum sich die queere Community in Rheinland-Pfalz zurückzieht
- Der CSD findet auch vielerorts in Rheinland-Pfalz statt - zum Beispiel wie auf dem Foto in Mainz (2025) oder jetzt im August in Koblenz. (Archivbild)
- Foto: Andreas Arnold/dpa
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Rheinland-Pfalz. Für queere Menschen im Land wächst die Sorge um die Sicherheit im Alltag: In Rheinland-Pfalz ist die Zahl queerfeindlicher Straftaten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Nach einer Auswertung des Landeskriminalamts wurden im Jahr 2025 insgesamt 118 Delikte gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt registriert. 2021 waren es noch 10 Fälle. Die Statistik zeigt damit einen fast durchgehenden Anstieg binnen weniger Jahre.
Im ersten Halbjahr wurden bereits 33 Straftaten in den Unterthemenfeldern „sexuelle Orientierung“ und „geschlechtsbezogene Diversität“ erfasst. Das teilte das Innenministerium mit. Erfasst werden diese Fälle im Oberthemenfeld „Hasskriminalität“.
Fast kontinuierlicher Anstieg seit 2021
Die Entwicklung in Rheinland-Pfalz verlief zuletzt deutlich nach oben. Laut Landeskriminalamt wurden registriert:
- 2021: 10 Delikte
- 2022: 21 Delikte
- 2023: 51 Delikte
- 2024: 80 Delikte
- 2025: 118 Delikte
Zu den Taten zählten nach LKA-Angaben unter anderem Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Bedrohungen. Im Auswertezeitraum wurden 36 Opfer queerfeindlicher Gewalttaten erfasst, darunter 32 Männer, 2 Frauen und 2 Personen mit dem Geschlechtseintrag „divers“.
Keine klare Zuordnung zu einem Milieu
Queerfeindliche Hasskriminalität gilt grundsätzlich als politisch motiviert, weil sie sich gegen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität richtet. Zugleich lasse sich ein großer Teil der Taten keiner eindeutigen extremistischen Ideologie zuordnen. Homo- und transfeindliche Einstellungen kämen in unterschiedlichen Milieus vor, hieß es.
Die Entwicklung erhält zusätzliche Brisanz nach dem jüngsten Anschlag am Rande des Berliner Christopher Street Day mit einer Toten und mindestens 31 Verletzten. In Koblenz ist von Mittwoch, 13. August, bis Samstag, 16. August, ein Christopher Street Day geplant.
Queere Gruppen berichten von mehr Angst
Nach Einschätzung des Netzwerks SCHMIT-Z fühlen sich queere Menschen zunehmend unsicher im öffentlichen Raum. Die Meldestelle für queerfeindliche Gewalt in Rheinland-Pfalz registriere mehr Vorfälle, vor allem Vandalismus sowie Beleidigungen und Beschimpfungen durch Fremde. Auch andere queere Gruppen und das Netzwerk Queernet Rheinland-Pfalz berichteten von einer Zunahme.
Nach Angaben des Vereins führt das bei vielen Betroffenen zu Rückzug. Gruppen veröffentlichten teils nicht mehr, wo sie sich treffen. Queere Menschen hielten sich mit öffentlichen Aktionen oder Bekenntnissen stärker zurück.
In Trier seien queere Themen dank demokratischer Netzwerke und der Zusammenarbeit mit Stadtgesellschaft, Stadtverwaltung und Bistum zwar sichtbar und verankert. Dennoch wachse auch dort die Sorge um die Sicherheit. Der Verein verweist auf öffentliche Angriffe, Vandalismus wie Hakenkreuze auf Pride-Plakaten sowie Hass und Drohungen im Internet gegen Veranstaltungen und Initiativen.
Harald Glööckler spricht von wachsender Ablehnung
Der in der Pfalz lebende Modedesigner Harald Glööckler sagte, die Aussage, heute müsse sich kein homosexueller Mensch mehr verstecken, sei leicht gesagt, wenn man es nicht selbst ausleben müsse. Er berichtete von Anfeindungen in Kindheit und Jugend. „Ich wurde angegriffen und beleidigt“, sagte Glööckler.
Es sei traurig, dass Menschen wieder darüber nachdächten, ob sie sich verstecken müssten. In einer Demokratie müsse der Staat seine Bürger schützen. „Man sollte in einer Demokratie frei leben können“, sagte Glööckler. Er beobachte mit Entsetzen und Bedauern eine wachsende Ablehnung queerer Menschen und ihrer Lebensweise, die zunehmend in Aggressionen und Gewalt ausufere. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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