Abschied in Speyer: Bischof Wiesemann geht nach fast 20 Jahren

Wiesemann gehörte zu jenen Oberhirten der katholischen Kirche, die Veränderung als notwendige Antwort auf eine sich wandelnde Gesellschaft verstehen. (Archivbild) | Foto: Uwe Anspach/dpa
  • Wiesemann gehörte zu jenen Oberhirten der katholischen Kirche, die Veränderung als notwendige Antwort auf eine sich wandelnde Gesellschaft verstehen. (Archivbild)
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Speyer. Für Katholikinnen und Katholiken in der Pfalz und im Saarpfalz-Kreis beginnt nach dem Rücktritt von Bischof Karl-Heinz Wiesemann eine Übergangszeit. Der bisherige Bischof von Speyer will Rheinland-Pfalz nach seinem Abschied verlassen und seinem noch zu bestimmenden Nachfolger bewusst Raum geben.

Der 66-Jährige betont, sein Schritt habe nichts mit Verbitterung oder Enttäuschung zu tun. „Der Neue wird Freiraum brauchen", sagt Wiesemann im Bischöflichen Ordinariat in Speyer. Er war am 2. März 2008 in sein Amt eingeführt worden und prägte das Bistum damit fast zwei Jahrzehnte lang.

Warum Wiesemann sein Amt aufgibt

Wiesemann sagt, er habe realistisch auf seine Kräfte geschaut. Die Aufgabe eines Bischofs sei umfassend. Er könne sie nicht mehr über mehrere Jahre hinweg verantwortungsvoll ausfüllen. Besonders das 1000-jährige Jubiläum des Speyerer Doms in vier Jahren brauche nach seiner Einschätzung einen „vollumfänglichen Bischof".

Der Dom ist Unesco-Welterbe und zählt für Wiesemann zu den bedeutendsten Kirchenbauten Deutschlands. Das Jubiläum werde alle Kräfte brauchen. Auch deshalb habe er nach Ostern intensiv über seine Zukunft nachgedacht.

Missbrauchsaufarbeitung und Reformen belasten das Bistum

Eine wichtige Rolle spielte nach seinen Worten auch die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. Wiesemann spricht von einem großen Lernprozess. Zu Beginn habe er die institutionelle Dimension nicht vollständig gesehen. Das Bistum Speyer hat im Rahmen der Aufarbeitung bislang etwa 3,9 Millionen Euro an Entschädigungen und Hilfen gezahlt.

Der zweite Teil einer Studie zur Missbrauchsaufarbeitung soll im kommenden Jahr erscheinen. Die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum bedauert den Rücktritt. Wiesemann sei ein wichtiger Wegbereiter für eine schonungslose Aufklärung gewesen.

Zugleich steht der Diözese ein weiterer Reformprozess bevor. Die Zahl der Pfarreien soll deutlich reduziert werden. Dieses Vorhaben werde Kraft brauchen, nach Wiesemanns Einschätzung sogar mehr als frühere Reformen.

Was sich für die Region ändert

Das Bistum Speyer umfasst die Pfalz und den Saarpfalz-Kreis. In dem Gebiet leben rund 1,57 Millionen Menschen, darunter etwa 423.000 Katholikinnen und Katholiken. Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt.

Für Gemeinden und Beschäftigte bedeutet der Rücktritt zunächst eine Phase des Übergangs. Der Nachfolger muss noch bestimmt werden. Wiesemann selbst will nach seinem Abschied nicht im Bundesland bleiben. Er begründet das damit, dem künftigen Bischof nicht „im Nacken" sitzen zu wollen.

Wiesemann will Priester und Seelsorger bleiben

Ein Abschied von der Kirche sei sein Rücktritt nicht, betont Wiesemann. „Ich bleibe Priester und Seelsorger." Er könne sich vorstellen, weiter für die Kirche zu arbeiten und möglicherweise ein Buch zu schreiben. Dabei gehe es ihm nicht um eine klassische Biografie, sondern um die Frage, was von der Botschaft Christi heute im Mittelpunkt stehen sollte.

Wiesemann beschreibt die Gegenwart als „verwundete Welt". Angesichts von Klimakrise, sozialer Ungerechtigkeit, Künstlicher Intelligenz und gesellschaftlichem Rechtsruck sieht er weiterhin eine wichtige Aufgabe für das Christentum. Mit der evangelischen Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hatte er vor zwei Jahren die Aktion „Aufstehen für Menschenwürde und Demokratie" ins Leben gerufen.

Festmesse am Sonntag, 13. September

Offizieller Abschluss seiner Amtszeit ist eine Festmesse am Sonntag, 13. September. Danach will Wiesemann zunächst klären, wohin er zieht. Sein Heimatbistum Paderborn schließt der aus Ostwestfalen stammende Geistliche aus. Er wolle „mit mir und meinem Umfeld sortieren". Damit endet in Speyer ein fast zwei Jahrzehnte langes Bischofsamt, während die Diözese vor der Suche nach einem Nachfolger steht. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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