Wilke-Wurst-Skandal vor Gericht: Prozess um elf Todesfälle hat begonnen
- Den Angeklagten wird unter anderem elffache fahrlässige Tötung vorgeworfen.
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Kassel. Die juristische Aufarbeitung eines der schwersten Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre rückt näher. Vor dem Landgericht Kassel hat am heutigen Montag, 6. Juli, der Prozess zum Wilke-Wurst-Skandal aus dem nordhessischen Twistetal begonnen.
Auf der Anklagebank sitzen zwei Männer im Alter von 57 und 58 Jahren sowie eine 55 Jahre alte Frau. Angeklagt sind der frühere Geschäftsführer, seine Stellvertreterin und der damalige Produktionsleiter des Betriebs Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren. Ihnen werden unter anderem fahrlässige Tötung in elf Fällen und fahrlässige Körperverletzung in sieben Fällen vorgeworfen.
Schwere Vorwürfe zum Prozessauftakt
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft sollen die drei Angeklagten von 2015 bis 2019 unter „katastrophalen hygienischen Bedingungen“ keimbelastete Wurst produziert und in den Handel gebracht haben. Sie sollen gewusst haben, dass die Lebensmittel gesundheitsschädlich gewesen seien. Trotzdem sollen sie Behörden nicht informiert und keinen Rückruf veranlasst haben.
Zudem wirft die Staatsanwaltschaft den Beschuldigten vor, teilweise verdorbene Ware aufbereitet oder überlagerte Produkte mit einem gefälschten Mindesthaltbarkeitsdatum versehen zu haben. So sollten nach Anklageangaben Einnahmen des Unternehmens gesichert werden.
Listerien sollen Tod von elf Menschen mitverursacht haben
Der Betrieb in Twistetal im Landkreis Waldeck-Frankenberg war im Oktober 2019 geschlossen worden, nachdem in Wurstwaren Listerien nachgewiesen worden waren. Diese Bakterien können sich auch in kühler Umgebung vermehren. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem können sie lebensgefährlich sein.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft entwickelten 37 Menschen nach dem Verzehr der verunreinigten Produkte eine Listeriose. Bei elf Menschen soll die Infektion zumindest mitursächlich für den Tod gewesen sein. Sieben weitere Betroffene sollen erhebliche Krankheitssymptome entwickelt haben.
Die elf Todesopfer waren demnach zwischen 47 und 86 Jahre alt und kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Berlin und dem Saarland. Viele von ihnen hatten sich zuvor in Pflegeeinrichtungen oder Kliniken aufgehalten, die von Wilke beliefert wurden.
Weitere Anklagepunkte und geplanter Prozessverlauf
Neben den Vorwürfen der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung geht es auch um die Beibringung gesundheitsgefährdender Stoffe in vier Fällen, Betrug in 17 Fällen sowie gesundheitsgefährdendes Inverkehrbringen von Lebensmitteln in 18 Fällen. Der frühere Geschäftsführer und seine Stellvertreterin müssen sich zusätzlich wegen vierfacher versuchter Körperverletzung durch Unterlassen verantworten.
Vor der 2. Wirtschafts-Strafkammer des Landgerichts Kassel sind derzeit 14 weitere Verhandlungstage geplant. Mit einem Urteil wird am Dienstag, 12. August, gerechnet. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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