Starlink-Brand in Polen: Warum der Fall auch Deutschland beschäftigt
- In Nürtingen erfolgte der Zugriff der Einsatzkräfte.
- Foto: Enrique Kaczor/dpa
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Nürtingen. Die Festnahmen in Nürtingen lenken den Blick auf die Sicherheit kritischer Infrastruktur auch in der Region Stuttgart. Zwei türkische Staatsangehörige stehen im Verdacht, einen Brandanschlag auf eine Starlink-Bodenstation in Polen verübt zu haben. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg bestätigte die Festnahmen auf Ersuchen Polens.
Der Zugriff erfolgte in der Bahnhofstraße durch Spezialkräfte des Mobilen Einsatzkommandos. Zu den Hintergründen der Vorwürfe machte das LKA zunächst keine weiteren Angaben.
Brand an Starlink-Station bei Warschau
Am 23. September war in einem Starlink-Terminal in Wola Krobowska, rund 50 Kilometer südlich von Warschau, ein Feuer ausgebrochen. Nach Angaben der polnischen Regierung waren eine Stromversorgungsstation und ein Generator betroffen. Warschau wertete den Brand kurz danach als wahrscheinlichen Sabotageakt.
Die „Schwäbische Zeitung“ berichtet, die beiden Männer seien zu der Anlage gefahren worden und hätten Brandbeschleuniger auf einen Schaltschrank gegossen. Sie hätten sich nur wenige Minuten auf dem Gelände aufgehalten. Diese Angaben wurden von den Ermittlungsbehörden zunächst nicht bestätigt.
Polen sieht russische Geheimdienste hinter der Tat
Polens Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, die Männer seien auf Antrag polnischer Geheimdienste in Deutschland festgenommen worden. Sie sollten sich vor der polnischen Justiz verantworten.
Polens Innenminister Marcin Kierwinski kündigte an, den Verdächtigen nach einer Überstellung Sabotage sowie eine Tätigkeit im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes vorzuwerfen. Der für die Geheimdienste zuständige Minister Tomasz Siemoniak sagte, es gebe aus Sicht Polens keinen Zweifel an einer Beteiligung russischer Geheimdienste. Russland äußerte sich dazu zunächst nicht.
Der polnische Polizeichef Marek Boron sagte, die Ermittler hätten den Ablauf der Tat und die Flucht rekonstruiert. Es gebe demnach Aufzeichnungen, Fingerabdrücke, DNA-Spuren sowie Erkenntnisse zu Ein- und Ausreisen der Verdächtigen.
Warum Starlink für die Ukraine wichtig ist
Starlink gehört zum Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk. Das Satellitennetz ermöglicht Internetzugang auch dort, wo Leitungen oder Mobilfunkmasten fehlen oder zerstört wurden. Für die Ukraine ist das Netz im Krieg gegen Russland von großer Bedeutung, weil es Kommunikation im Kriegsgebiet und den Austausch von Informationen durch die Streitkräfte unterstützt.
Die beiden Männer sollten noch am Dienstag einem Haftrichter am Amtsgericht Nürtingen vorgeführt werden. Bei einem europäischen Haftbefehl entscheidet zunächst das Amtsgericht. Falls ein Auslieferungsverfahren eingeleitet wird, befasst sich anschließend das Oberlandesgericht mit dem Fall. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |