Schummeln mit System: Doppelgänger bestehen Führerschein-Prüfungen
- Zunehmend decken Ermittler und Gerichte ein weit verzweigtes System der organisierten Kriminalität auf. (Symboldbild)
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Heilbronn. Wer den Führerschein macht, muss sich auf strengere Kontrollen einstellen. Hintergrund sind immer raffiniertere Betrugsversuche bei der theoretischen Prüfung. In Heilbronn rückt nun ein mutmaßlich organisiertes Netzwerk in den Fokus der Justiz.
Ab Donnerstag, 9. April, verhandelt das Landgericht gegen fünf Beschuldigte. Darunter sind laut Staatsanwaltschaft auch zwei Fahrschulinhaber. Sie sollen ein System mit sogenannten Stellvertreter Prüfungen aufgebaut haben und damit mehr als 179000 Euro verdient haben.
Organisierte Täuschung bei Prüfungen
Nach Angaben des TÜV Verbands steckt hinter vielen Fällen inzwischen organisierte Kriminalität. Mehr als jeder zweite entdeckte Betrugsversuch soll professionell organisiert sein. Netzwerke bieten demnach komplette Pakete an, um die Theorieprüfung zu bestehen.
Im Zentrum stehen dabei sogenannte Doppelgänger. Sie treten anstelle des eigentlichen Fahrschülers zur Prüfung an. Dafür werden Personen gesucht, die dem Kunden möglichst ähnlich sehen. Laut Ermittlern absolvieren manche Stellvertreter mehrere Prüfungen pro Tag an unterschiedlichen Orten in Deutschland.
So funktioniert der Betrug mit Doppelgängern
Die mutmaßlichen Organisatoren sollen Ausweisdokumente der Kunden genutzt haben, um passende Stellvertreter zu finden. Vermittler brachten Interessenten an die Fahrschulen. In einem Fall soll auch eine Fahrschule in Göppingen von dem System profitiert haben.
Die Stellvertreter legen die Theorieprüfung ab. Bestehen sie den Test, erhält der eigentliche Kunde später den Führerschein. Bezahlt wird laut Experten erst nach erfolgreicher Prüfung.
High Tech Schummeln mit Kamera und Ohrknopf
Neben Stellvertretern setzen Betrüger häufig auf technische Hilfsmittel. Der TÜV berichtet von immer aufwendigeren Methoden.
- Mini Kameras in Brillen, Krawatten oder Haarspangen
- versteckte Funkkopfhörer im Ohr
- Komplizen im Auto vor der Prüfstelle
- Übertragung der Fragen per Kamera an einen Helfer
Der Helfer liest die Fragen am Laptop mit und gibt die Antworten über Funk oder über vibrierende Signale weiter.
Hohe Dunkelziffer bei Täuschungsversuchen
Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 4239 Täuschungsversuche bei Theorieprüfungen registriert. Das entspricht etwa dem Rekordniveau des Vorjahres. In Baden Württemberg wurden 392 Fälle entdeckt. In den beiden Jahren zuvor waren es jeweils mehr als 500.
Experten gehen jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Viele Täuschungen würden vermutlich nicht entdeckt.
Illegale Führerscheine können sehr teuer werden
Nach Angaben von Fachleuten verlangen organisierte Anbieter teilweise sehr hohe Summen. Für einen erschlichenen Führerschein können Preise von rund 15000 Euro oder mehr verlangt werden. Der Preis hängt auch davon ab, ob nur bei der Theorie oder zusätzlich bei der Praxisprüfung betrogen wird.
Der TÜV Verband fordert deshalb strengere Regeln. Organisierte Täuschungsversuche sollten aus Sicht des Verbands konsequent als Straftat verfolgt werden. Auch Auftraggeber müssten stärker belangt werden. Diskutiert werden unter anderem Sperrfristen oder verpflichtende medizinisch psychologische Untersuchungen nach entdecktem Betrug. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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