Prozess in Kassel zum Wilke-Skandal: Elf Tote im Fokus
- Die Wurstfabrik Wilke in Twistetal musste im Oktober 2019 wegen massiver Hygienemängel und gefährlicher Listerienkeime geschlossen werden. (Archivbild)
- Foto: Uwe Zucchi/dpa
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Kassel. AMontag, 6. Juli, rückt in Kassel die juristische Aufarbeitung des Wilke-Wurst-Skandals in den Mittelpunkt. Vor dem Landgericht beginnt um 9.30 Uhr der Prozess gegen drei frühere Verantwortliche des nordhessischen Unternehmens Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren aus Twistetal.
Angeklagt sind der frühere Geschäftsführer, seine damalige Stellvertreterin und der damalige Produktionsleiter. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern im Alter von 57 und 58 Jahren sowie der 55 Jahre alten Frau unter anderem fahrlässige Tötung in elf Fällen vor.
Elf Todesfälle stehen im Raum
Das Unternehmen im Landkreis Waldeck-Frankenberg war im Oktober 2019 geschlossen worden, nachdem in Wurstwaren Listerien nachgewiesen worden waren. Nach Angaben der Behörden wurden später insgesamt 37 Krankheitsfälle mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht. Bei elf Menschen soll eine Listeriose zumindest mitursächlich für den Tod gewesen sein. Sieben weitere Betroffene sollen erhebliche Krankheitssymptome entwickelt haben.
Listerien können vor allem für ältere Menschen, Schwangere und Personen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden. Viele der später Verstorbenen hielten sich laut Staatsanwaltschaft zuvor in Pflegeeinrichtungen oder Kliniken auf, die von Wilke beliefert wurden.
Vorwürfe gegen die drei Angeklagten
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Beschuldigten über schlechte hygienische Zustände in der Produktion und über den regelwidrigen Umgang mit überlagerter oder verdorbener Ware informiert waren. Trotzdem sollen kontaminierte Produkte in den Handel gelangt sein.
Außerdem besteht nach Angaben der Anklage der Verdacht, dass teilweise verdorbene Ware aufbereitet und überlagerte Produkte mit einem falschen Mindesthaltbarkeitsdatum versehen worden sein sollen.
- fahrlässige Tötung in elf Fällen
- fahrlässige Körperverletzung in sieben Fällen
- Beibringung gesundheitsgefährdender Stoffe in vier Fällen
- Betrug in 17 Fällen
- gesundheitsgefährdendes Inverkehrbringen von Lebensmitteln in 18 Fällen
Gegen den damaligen Geschäftsführer und seine Stellvertreterin steht zusätzlich der Vorwurf der vierfachen versuchten Körperverletzung durch Unterlassen im Raum.
Verfahren bis August geplant
Der Prozess läuft vor der 2. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kassel. Bislang sind 15 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte am Mittwoch, 12. August, fallen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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