Nord-Stream-Prozess in Hamburg: Auftakt im Sabotagefall
- Immer wieder sorgen Sabotageaktionen für Schlagzeilen.
- Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa
- hochgeladen von dpa content
Hamburg. Die Sicherheit kritischer Infrastruktur rückt am Mittwoch, 14. Oktober, mit dem Auftakt des Nord-Stream-Prozesses in den Fokus. Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht muss sich ein mutmaßlicher Drahtzieher aus der Ukraine wegen der Explosionen an den Pipelines im September 2022 verantworten.
Die Anklage wirft dem Mann ein Kriegsverbrechen vor. Konkret geht es um den Einsatz verbotener Methoden der Kriegsführung durch einen Angriff auf zivile Objekte. Ein zweiter Verdächtiger wurde im August in Kroatien festgenommen.
Festnahmen nach mutmaßlichem Anschlag in Polen
Zwei türkische Staatsangehörige sind am Dienstag in Nürtingen festgenommen worden. Der Verdacht lautet auf einen Brandanschlag gegen eine Bodenstation des Satellitennetzes Starlink in Polen. Die Regierung in Warschau vermutet russische Geheimdienste als Auftraggeber. Starlink ist für die Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte von Bedeutung.
Sabotageverdacht: Fälle in Deutschland
Auch in Deutschland beschäftigen Sabotagevorwürfe und Verfahren die Behörden:
- Stromnetz: Nach Angriffen in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen wurde am 8. September nahe Weisweiler bei Aachen ein 48-Jähriger festgenommen. Er soll mit selbstgebauten Raketen Drähte über Hochspannungsleitungen geschossen und dadurch teils Kurzschlüsse verursacht haben. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.
- Marineschiffe: Gegen zwei Werftarbeiter war wegen möglicher Sabotage an Korvetten der Deutschen Marine auf der Hamburger Werft Blohm+Voss ermittelt worden. Die Verfahren wurden im August eingestellt, weil sich nicht eindeutig klären ließ, wer die mutmaßlichen Taten begangen haben soll.
- Beschädigte Autos: Drei junge Menschen verurteilte das Amtsgericht Ulm am 5. Oktober wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung. Ihnen wurde vorgeworfen, im Dezember 2024 in mehreren Bundesländern Autos mit Bauschaum beschädigt zu haben. Nach den Ermittlungen sollen sie 100 Euro pro beschädigtem Wagen erhalten haben. Mögliche Hintermänner sind weiterhin unbekannt.
Urteile nach Spionage und Anschlag auf ICE-Strecke
Das Oberlandesgericht München verurteilte im Oktober 2025 drei Männer wegen geheimdienstlicher Tätigkeit für Russland. Sie sollen Sabotage gegen die militärische Unterstützung der Ukraine geplant und Einrichtungen der US-Streitkräfte ausgekundschaftet haben. Der mutmaßliche Kopf erhielt sechs Jahre Haft, zwei Mitangeklagte Bewährungsstrafen. Gegen die Urteile wurde Revision eingelegt.
Bereits im März 2021 verurteilte das Landgericht Wiesbaden einen Mann zu neun Jahren und zehn Monaten Haft. Er hatte im März 2020 bei Niedernhausen mehr als 250 Schrauben an der ICE-Strecke Frankfurt–Köln gelöst. Das Gericht sah übersteigerte Geltungssucht als Tatmotiv an. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |