Großrazzia in NRW: 14 Festnahmen bei Hells Angels
- Ein Mann aus dem Umfeld der «Hells Angels» wird in Duisburg abgeführt.
- Foto: Christoph Reichwein/dpa
- hochgeladen von dpa content
Duisburg. Für Anwohner im Duisburger Norden begann der Mittwoch, 30. September mit einem lauten Polizeieinsatz: Um 6 Uhr sprengten SEK-Kräfte den Zugang zu einem schwer gesicherten Einfamilienhaus, das einem einflussreichen Rocker der „Hells Angels“ gehören soll. Zeitgleich durchsuchten mehr als 1.000 Einsatzkräfte rund 100 Objekte in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Bulgarien.
Die Ermittler sprechen von einem der größten Verfahren gegen die „Hells Angels“. Nach Angaben der Polizei Duisburg gibt es 71 Beschuldigte. Am Mittwoch wurden 14 Menschen auf Grundlage von Haftbefehlen festgenommen. Außerdem sollen Vermögenswerte in Höhe von 48,6 Millionen Euro beschlagnahmt werden.
Vorwürfe reichen von Erpressung bis Geldwäsche
Im Mittelpunkt stehen nach Angaben der Polizei der Verdacht auf Bildung einer kriminellen Vereinigung, räuberische und gewerbsmäßige Erpressung, banden- und gewerbsmäßiger Betrug sowie gewerbsmäßige Geldwäsche. Dazu kommen Vorwürfe zu Waffendelikten, Körperverletzung und Steuerhinterziehung.
Die Ermittler sehen in dem Verfahren ein Beispiel dafür, wie Organisierte Kriminalität und internationale Wirtschaftskriminalität ineinandergreifen. Demnach sollen große Geldbeträge über Firmen und Immobilien in einen künstlichen Wirtschaftskreislauf gebracht worden sein. Nach Einschätzung der Behörden könnte das Geld aus Drogenhandel, Schutzgelderpressungen oder dem Rotlichtmilieu stammen.
NRW-Finanzermittler folgen der Spur des Geldes
Eine zentrale Rolle spielt das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität in NRW. In der noch jungen Behörde wurden rund 1.200 Steuerfahnder aus den Finanzämtern des Landes gebündelt. Bekannt wurde das Landesamt durch eine Taskforce für Influencer. In diesem Verfahren nahmen die Fachleute nach Behördenangaben im Geheimen die Geldflüsse im Umfeld der „Hells Angels“ in den Blick.
NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk sagte, Ermittlungen der Steuerfahndung seien oft der erste Ansatz, um das Dunkelfeld Organisierter Kriminalität zu erhellen und Strukturen zu zerschlagen. Innenminister Herbert Reul sagte: „Wer die Organisierte Kriminalität treffen will, muss ans Geld. Denn Geld ist ihr Antrieb und Geld ihre Achillesferse.“
Durchsuchungen auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz
Die Razzien liefen nicht nur in Nordrhein-Westfalen. Neben Duisburg waren Einsatzkräfte auch in Oberhausen, Mülheim an der Ruhr und Moers aktiv. Weitere Maßnahmen gab es in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Berlin sowie in Belgien, den Niederlanden und Bulgarien.
Für den Südwesten ist vor allem wichtig, dass Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Teil des Verfahrens sind. Konkrete Orte in diesen beiden Ländern nannten die Ermittler zunächst nicht. Die Durchsuchungen zeigen aber, dass die Behörden mögliche Finanzstrukturen nicht nur am mutmaßlichen Schwerpunkt in NRW prüfen.
Warum der Schlag für die Szene bedeutsam ist
In Nordrhein-Westfalen gelten die „Hells Angels“ laut Landeskriminalamt als größter Rockerclub. Im Frühjahr wurden dort 29 lokale Ableger mit 469 Mitgliedern gezählt. Nach dem Verbot der verfeindeten „Bandidos“ vor fünf Jahren sollen sich viele Rocker den „Hells Angels“ angeschlossen haben.
Reul sprach vom größten Schlag gegen die Organisierte Kriminalität seit mehreren Jahren. Nach seiner Darstellung gehe es nicht nur um sichtbare Rockerstrukturen, sondern um ein Geflecht aus Firmen und Immobilien, das mutmaßlich illegal erlangtes Geld sauber aussehen lassen sollte. Die Ermittlungen dauern an. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |