Fünfter Toter nach Grubenunfall in Runkel: Ermittlungen laufen
- Nach dem tödlichen Arbeitsunfall am 16. April in Runkel sind auch Leichenwagen gekommen. (Archivbild)
- Foto: Sascha Ditscher/dpa
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Runkel. Nach dem schweren Arbeitsunfall in einer Lederfabrik in Runkel ist ein fünfter Mann gestorben. Der 60 Jahre alte Mitarbeiter einer Rohrreinigungsfirma erlag am Donnerstag, 30. April, in einem Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.
Damit sind nach Angaben der Polizei alle fünf Männer tot, die am Mittwoch, 16. April, aus einer Grube auf dem Gelände der Gerberei gerettet worden waren. Drei Arbeiter im Alter von 38, 58 und 59 Jahren starben noch am Unglücksort. Zwei weitere wurden zunächst mit lebensgefährlichen Verletzungen in Kliniken gebracht. Einer von ihnen starb bereits einige Tage später.
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung
Die Staatsanwaltschaft Limburg und das Polizeipräsidium Westhessen ermitteln wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen Unbekannt. Der genaue Ablauf des Unglücks ist weiterhin unklar.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen mehrere Fragen:
- Trugen die Arbeiter beim Einstieg in die Grube Atemschutz und Schutzkleidung
- Wurden zuvor Gasmessungen durchgeführt
- Wie konnte sich das gefährliche Gas in der Grube ansammeln
Giftiges Gas als mögliche Ursache
Nach ersten Obduktionen starben die drei Männer am Unglücksort vermutlich an einer Vergiftung durch Schwefelwasserstoff. Das Gas riecht zwar nach faulen Eiern. Bei höheren Konzentrationen setzt jedoch die Geruchswahrnehmung aus.
Schwefelwasserstoff gilt als hochgiftig und kann schwere Schäden am Nerven- und Herz Kreislauf System verursachen. Auch die Atemwege werden stark angegriffen.
Große Trauer in der Stadt
Hessens Innenminister Roman Poseck sprach von einer Tragödie für die Region. Viele Menschen hätten in den vergangenen Tagen gehofft, dass der zuletzt schwer verletzte Mann überlebt.
Auch Runkels Bürgermeisterin Antje Hachmann zeigte sich erschüttert. In der Stadt mit rund 9500 Einwohnern sei die Anteilnahme groß. Für die Familien der Opfer und für Einsatzkräfte wurden Spendenkonten eingerichtet. Bis Donnerstag, 30. April, gingen nach Angaben der Stadt rund 17000 Euro für die Angehörigen ein. Weitere mehr als 6000 Euro sind für Helfer wie Feuerwehrleute bestimmt.
Die kleine Lederfabrik ist weiterhin geschlossen. Auf der Internetseite des Betriebs steht weiterhin der Hinweis „Wegen Trauerfall geschlossen“. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |