Zurück ins alte Rom: In Trier kämpfen Hobby-Gladiatoren in echter Arena
- Mehr als 50 Schüler zählt die Gladiatorenschule Trier. (Archivbild)
- Foto: Birgit Reichert/dpa
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Trier. Kämpfen wie in der Antike ist in Trier bis heute möglich. In der römischen Arena trainiert jeden Samstag eine moderne Gladiatorenschule. Mehr als 50 Teilnehmer ziehen dort Helm, Schild und Schwert an und üben Zweikämpfe nach historischem Vorbild.
Staub wirbelt durch das Oval des Amphitheaters. Holzschwerter schlagen gegeneinander. Trainer rufen lateinische Kommandos wie „Movete“ für Bewegung oder „State“ für Stopp. Die Kämpfer tragen zwar Turnschuhe statt Sandalen. Die Grundidee orientiert sich jedoch an den historischen Gladiatoren, die hier vor rund 2000 Jahren gegeneinander antraten.
Geleitet wird die 2011 gegründete Schule von Uli Wagner. Der Psychologe steht als sogenannter „Lanista“ an der Spitze der Gruppe. Seit 2019 organisiert er das Training in der antiken Arena.
„Wir haben mehr als 50 Schüler“, sagt Wagner. Anfänger trainieren gemeinsam mit Fortgeschrittenen. Manche interessieren sich vor allem für Geschichte. Andere reizt der direkte körperliche Kampfsport.
Kampfsport trifft Geschichte
Trainer Sebastian Thomas erklärt während des Trainings, wie Angriffe zwischen Schild und Helm gesetzt werden können. Der 30 Jahre alte Rechtsanwalt aus Koblenz trainiert seit acht Jahren. Beim Kampf könne er gut abschalten.
„Man muss irgendwann aufhören zu denken, um schnell genug reagieren zu können“, sagt er. Gerade die Mischung aus Sport und historischem Experiment mache den Reiz aus.
Viele Teilnehmer nennen ähnliche Gründe für ihr ungewöhnliches Hobby
- Interesse an römischer Geschichte
- Körperlicher Kampfsport mit direktem Kontakt
- Training an einem authentischen historischen Ort
- Experimentelle Archäologie ohne festes Regelwerk
Teilnehmer aus vielen Berufen
Die Gruppe ist bunt gemischt. Ein US Soldat der Air Force aus Ramstein reist regelmäßig zum Training an. Harvey Brandon aus Las Vegas hat seine Ausrüstung größtenteils selbst gebaut.
„Ich mag Geschichte. Ich mag Dinge herstellen. Und ich kämpfe gerne“, sagt der 32 Jährige. Auf die Schule wurde er aufmerksam, als er das Amphitheater besuchte.
Auch andere Teilnehmer kommen aus sehr unterschiedlichen Berufen. Ein promovierter Mathematiker trainiert mit Speer. Ein Schreiner kämpft mit gebogener Klinge und trägt den Kampfnamen „Scorpio“.
Für Kajetan „Leo“ Weiß hat der Kampf fast meditativen Charakter. „Ich bin dann nur im Hier und Jetzt. Da ist nur der Moment“, sagt er.
Verletzungen gehören dazu
Ganz ohne Risiko ist das Training nicht. Die Schwerter aus Stahl sind stumpf. Trotzdem kommt es immer wieder zu Verletzungen.
Schulleiter Wagner zählt mehrere eigene Brüche auf. Darunter Mittelhandknochen, Rippen und eine ausgerenkte Kniescheibe. Am schwierigsten seien für ihn jedoch die Trainingspausen gewesen.
In Deutschland gibt es größere Gladiatorenschulen auch in Köln und Berlin. Die Trierer Gruppe hat jedoch einen besonderen Vorteil. Sie trainiert regelmäßig in einer originalen römischen Arena.
Wagner plant bereits die Zukunft der Schule. Sein Ziel sind rund 150 Teilnehmer. So soll das Wissen über den historischen Kampfsport auch für kommende Generationen erhalten bleiben.
Eine Voraussetzung für neue Schüler nennt er ebenfalls. „Man muss Spaß daran haben, an seine Grenzen zu gehen. Und vielleicht auch eine kleine Portion Wahnsinn mitbringen.“ dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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