Geheimnisvolle Heimat
Mariä Himmelfahrt in der Südpfalz: Der Brauch des Würzwisch-Binden mit 77 Kräutern
- Wildkräuter werden zu Mariä Himmelfahrt zu kleinen Sträußen gebunden
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Südpfalz. Am 15. August wird traditionell der Feiertag „Mariä Himmelfahrt“ begangen. Man geht davon aus, dass dieses Fest bereits im 5. Jahrhundert gefeiert wurde. Im Zentrum des Feiertags steht der Glaube, dass Maria, die Mutter Jesu, als „Ersterlöste“ an der Auferstehungsgestalt Christi teilhat und ebenfalls in den Himmel auffährt.
Tradition zu Mariä Himmelfahrt
Eng verbunden mit dem Feiertag „Mariä Himmelfahrt“ ist in vielen Regionen Deutschlands und auch in der Südpfalz der Brauch des „Würzwisch Bindens“. Ein Würzwisch (je nach Region auch Würzbüschel, Weihbüschel, Marienwisch, Würzbürde, Kräuterbüschel oder Sangen genannt) ist ein Strauß aus Kräutern, Wurzeln und Blumen, der in den katholischen Gemeinden anlässlich der traditionellen Kräuterweihe zum Marienfest gebunden wird. Die Kräuterweihe symbolisiert die Kräfte der Natur, die der Mensch sich mit der Hilfe Gottes zu Nutzen macht. Man nimmt an, dass der Brauch auf die Überlieferung des Kirchenvaters Johannes von Damaskus zurück geht. Er berichtete davon, dass aus dem leeren Grab Mariens bei seiner Öffnung ein Wohlgeruch nach Rosen und Kräutern aufgestiegen sein soll. Das Marienfest war früher auch der Tag der Apotheker und Drogisten.
Ein Würzwisch beinhaltete ursprünglich 77 verschiedene Kräuter, darunter Arnika, Beinwell, Kamille, Johanniskraut, Mädesüß, Wegwarte, Zinnkraut, Wilde Möhre, Goldrute und Eisenkraut.
Ein Aberglaube besagt, dass Hexen und Magier so genannte „böse Kräuter“ wie die Alraune mit dem Würzwisch weihen zu lassen.
Ursprung des Würzwisch-Brauchs
Der Brauch geht auf vorchristliche Ernte- und Kräuterrituale zurück. Mit der Christianisierung verband die Kirche diese Tradition mit dem Fest Mariä Himmelfahrt. Die Segnung der Kräuter ist seit dem Mittelalter belegt.
Welche Bedeutung hat der Würzwisch?
Dem gesegneten Kräuterbuschen wurden früher verschiedene Schutzwirkungen zugeschrieben. Er sollte:
- Haus und Hof vor Blitz und Unwettern schützen,
- Krankheiten fernhalten,
- Mensch und Tier Gesundheit bringen,
- Fruchtbarkeit und eine gute Ernte fördern.
Deshalb wurde der Würzwisch oft auf dem Dachboden aufgehängt oder im Herrgottswinkel aufbewahrt. Einzelne Kräuter wurden bei Gewittern verbrannt oder kranken Menschen und Tieren als Tee oder Räucherwerk gegeben.
Der Würzwisch-Brauch in der Pfalz
In der Pfalz ist der Würzwisch bis heute lebendig. Viele katholische Pfarrgemeinden bieten rund um den 15. August Kräuterwanderungen oder gemeinsames Binden der Sträuße an. Häufig übernehmen Landfrauen, Gartenbauvereine oder Kräuterexpertinnen die Gestaltung der Würzwische. Nach der Segnung werden sie mit nach Hause genommen und dort bis zum nächsten Jahr aufbewahrt.
Gerade in ländlichen Regionen der Südpfalz gehört der Würzwisch vielerorts noch fest zum Brauchtum rund um Mariä Himmelfahrt. Auch Würzwisch-Naturführungen werden in der gesamten Südpfalz angeboten.
Naturführung "Würzwisch-Binden" rund um Jockgrim
Termin und Dauer: Samstag, 15.8.2026, 14 Uhr, ca. 2,5 Std.
Treffpunkt: Parkplatz unterhalb der Stadtmauer in Jockgrim
Kosten: 12 €
Leitung: Johanna Thomas-Werling, zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin
Anmeldung: Tel: 06341/6740713 oder Mail: jotho-werl@web.de
Autor:Heike Schwitalla aus Germersheim |
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