Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz
Helfer aus der Südwestpfalz vor Ort

Das Ausmaß völliger Zerstörung in Altenahr
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Pirmasens/Zweibrücken. Die Kraft der Bilder ist erdrückend: Eingestürzte Häuser, völlig zerstörte Ortschaften, brauner Schlamm und Trümmer auf den Straßen. Welche Naturkatastrophe sich am vergangenen Wochenende in der Eifel und in Nordrhein-Westfalen ereignet hat, ist mit Worten schwer zu beschreiben.

Von Tim Altschuck

In diesen dunklen Stunden ist es zumindest ein kleiner Trost, welche Hilfsbereitschaft und Solidarität die Betroffenen erfahren. Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, aber auch zahlreiche weitere Helfer, leisten eine Arbeit an der Grenze des physisch und psychisch Machbaren. Der Schock sitzt immer noch tief über die Naturgewalt und deren Auswirkungen, mit denen keiner gerechnet hat. Auch aus der Südwestpfalz waren Helfer vor Ort.

Beklemmende Bilder

Die Bilder, die Bernd Straßel von der Rettungshundestaffel der Feuerwehr Zweibrücken zeigt, sind beklemmend. Er war von Donnerstag bis Freitag im Einsatz. Der Ort Insul – ein Nachbarort der Gemeinde Schuld, deren Bilder weltweit durch die Nachrichten gingen – ist ein Trümmerfeld. Ebenso sieht es am anderen Einsatzort Altenahr aus. An einigen Häusern fehlt die Außenfassade, andere sind durch Schlamm und Unrat völlig verwüstet. Mittendrin steht Straßel mit seinem belgischen Schäferhund Kito.

 „Sie müssen sich das mal vorstellen, die Infrastruktur war völlig weg“, erzählt der in Trulben wohnende Straßel. Die Bevölkerung sei froh gewesen, dass Hilfe kam. „Die Schule in Insul war als wir ankamen halbwegs intakt. Dort haben wir dann eine Art Schaltzentrale eingerichtet, wo es Trinkwasser gab, wo man Vermisstenmeldungen aufgeben konnte und von wo aus wir den Einsatz etwas koordinieren konnten“, sagt Bernd Straßel. Der Ort sei schließlich in der Nacht zum Freitag noch evakuiert worden, zu unsicher sei die Gemengelage gewesen.

Plötzlich ist die Straße weg

Was dann folgte, war erst die eigentliche Arbeit: Die Bewohner wurden befragt, ob sie ihre Nachbarn gesehen hätten oder ob es Vermisste gebe. Häuser mussten gesperrt werden, falls sie instabil waren. Und das nicht nur in Insul. Auch in anderen Orten kam die Rettungshundestaffel zum Einsatz, nämlich im völlig zerstörten Altenahr.

„Das war nachts dann auch so eine Sache: Du kennst dich nicht aus, fährst nach dem Navi und plötzlich ist die Straße vor dir weg. Stellenweise mussten riesige Umwege gefahren werden“, beschreibt er die Situation. Der Ausfall von Telefon, Handy und sogar dem Funk habe die Koordination nicht gerade einfacher gemacht. „Digital ist eben doch nicht alles“, findet Straßel im Rückblick.

Kontaktaufnahme mit altem Funkgerät

Weil die Brücke weggeschwemmt wurde, war der Ortsteil von Insul auf der anderen Seite der Ahr abgeschnitten. Zuerst habe man die Bewohner mithilfe einer Drohne gesehen, dann gelang auch die Kontaktaufnahme: „Am Ende konnten wir einen Bewohner mithilfe eines alten Funkgerätes tatsächlich erreichen und uns somit sicher sein, dass es den Bewohnern dort den Umständen entsprechend gut geht.“

Technik wird angepasst

Der Einheitsführer der Rettungshundestaffel Zweibrücken, Rainer Wittmer aus Clausen, konnte bei diesem Großeinsatz nicht dabei sein. Sein Hund ist zwar ein Personenspürhund, aber kein Trümmerspürhund. Dennoch haben auch ihn die furchtbaren Bilder und Erzählungen seiner Kameraden sehr betroffen gemacht. „Ich habe Bilder gesehen, das war der Wahnsinn“, sagt er. Er denkt und hofft, dass die technische Ausrüstung von Feuerwehren und Hundestaffeln künftig angepasst wird.

Flächendeckender Rettungshunde-Einsatz

„Rheinland-Pfalz ist das einzige Bundesland, das flächendeckend Rettungshunde einsetzen kann“, erklärt er und ergänzt: „Anders aber als zum Beispiel in den Alpen, war es bei uns zum einen noch nicht nötig, zum anderen finanziell nicht machbar, die Hunde in Verbindung mit einem Rettungshubschrauber einzusetzen.“ Jetzt aber gebe es diese Schadenslage, dass auch solche Rettungsvarianten umgesetzt werden sollten. „Viele Einheiten der Feuerwehr konnte man ja nicht spontan irgendwo einsetzen, weil die Straßen weg waren. Dann musste erst einmal der Bergepanzer von der Bundeswehr anrücken“, sagt er.

Um zu verdeutlichen, was er damit eigentlich meint, erzählt Wittmer von einigen Geräten der Rettungshundestaffel: Drei Einheiten seien inzwischen mit Drohnen ausgerüstet. Außerdem gebe es drei sogenannte „Searchcams“, das sei ein langer Stab mit einer Kamera und Licht, um damit eingestürzte Häuser zu durchsuchen. Außerdem gebe es Horchgeräte, die man an Wände und Böden halten kann, um dahinter Geräusche verschütteter Personen wahrzunehmen. „All diese Geräte waren bis zum letzten Wochenende gerade ein paar Mal im Inland im Einsatz, doch sie werden künftig wohl leider häufiger gebraucht. Auch die Feuerwehren werden sich wohl anpassen müssen, zum Beispiel mit geländegängigeren Fahrzeugen“, findet der Einheitsführer.

Viele Orte abgeschnitten

Eigentlich hätten seine Einheiten auch schon viel früher zurück sein sollen, doch die Einsatzleitungen vor Ort brauchten Zeit, um einen Gesamtüberblick zu haben. „Es gab mehrere Orte, da war noch niemand, weil es ja keine Straßen mehr gab. Dann musste vieles fußläufig erreicht werden“, erzählt er.

Feuerwehr und SEG aus Pirmasens vor Ort

Auch die Pirmasenser Feuerwehr und die Schnelleinsatzgruppe rückten am vergangenen Freitag aus, um im Katastrophengebiet zu helfen. Insgesamt 15 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr sowie zwei Mitglieder der Schnelleinsatzgruppe machten sich auf den Weg zur zentralen Anlaufstelle nach Emmelshausen im Rein-Hunsrück-Kreis. Von dort aus wurden ihre Einsätze koordiniert.

Mit fünf Fahrzeugen und zwei Anhängern, darunter ein Wechselladerfahrzeug sowie ein Gerätewagen, waren die Helfer ausgerückt. Im Hof der Feuerwache in der Gasstraße wurden vormittags noch die entsprechenden Vorbereitungen getroffen, Fahrzeuge aufgerüstet und Material verladen. Im Gepäck hatten die Männer 14 Großpumpen mit Stromerzeugern und Zubehör sowie 1.000 Sandsäcke.

„Das war ein breites Betätigungsfeld, was unsere Wehrleute dort übernahmen“, sagt Karl-Heinz Bär, der Stadtfeuerwehrinspekteur von Pirmasens. Erkunden, Suchen, Unterstützung für die ausgelaugten Kameraden vor Ort und sogar Hilfe für die Kripo. Es hätten sich katastrophale Bilder geboten.

Heute geht's noch einmal hoch

Gemeinsam mit der Zweibrücker Feuerwehr rückten die Pirmasenser Wehrleute und die Schnelleinsatzgruppe heute noch einmal aus.

Spendenbereitschaft ungebrochen hoch

Die Spendenbereitschaft der Pirmasenser für die Opfer der Hochwasserkatastrophe sei nach wie vor ungebrochen hoch, teilte die Pressestelle der Stadt am Montagmittag mit. „Viele private Initiativen in Pirmasens haben sich gebildet und sammeln Sachspenden in Form von Kleidung, Lebensmitteln oder auch Spielzeug“, so die Pressestelle. Bereits jetzt seien alle größeren und kleineren Lager im Katastrophengebiet gefüllt. Die vielen ehrenamtlichen Helfer seien damit beschäftigt, die eingegangenen Spenden zu sortieren und die Weiterverteilung vorzubereiten.

Die Feuerwehr Pirmasens stehe weiterhin in engem Kontakt mit den Stellen vor Ort im Katastrophengebiet. Auch von dort werde rückgemeldet, dass derzeit nur schwer weitere Spenden angenommen und weiterverteilt werden können. Sobald die Kapazitäten für weitere Spenden geschaffen sind und eine koordinierte Weiterverteilung möglich ist, wird eine zentrale Sammel- und Transportaktion der Stadt Pirmasens eingeleitet.

Über den genauen Ort und die Zeit der Sammelaktion in Pirmasens wird die Verwaltung nach Abstimmung mit den Hilfsdiensten gesondert informieren, um eine zielgerichtete Hilfe sicherzustellen und zu gewährleisten, dass die gespendeten Hilfsgüter auch genau dort ankommen, wo sie am Dringendsten benötigt werden.

Spendenkonto:
Die Hilfsdienste vor Ort setzen derzeit in erster Linie auf Geldspenden. Diese sind weiterhin beispielsweise über das Innenministerium Rheinland-Pfalz möglich:

Kennwort: Katastrophenhilfe Hochwasser
Empfänger: Landeshauptkasse Mainz
IBAN: DE78 5505 0120 0200 3006 06
BIC: MALADE51MNZ

Autor:

Tim Altschuck aus Kaiserslautern

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