Pegel Maxau als Vorbote für Pfalz
Achtung Hochwasser! Die Gefahren des Rheins

Das Bild wurde im Juni 2013 aufgenommen. Es zeigt ein Stück vom Rhein in Höhe Frankenthal, Blickrichtung Ludwigshafen. Damals stand der Rhein bis an den Deich.
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  • Das Bild wurde im Juni 2013 aufgenommen. Es zeigt ein Stück vom Rhein in Höhe Frankenthal, Blickrichtung Ludwigshafen. Damals stand der Rhein bis an den Deich.
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Rhein. Von Karlsruhe bis Worms: Für viele Menschen ist der Rhein ein Ausflugsziel. Hier kann man genüsslich spazieren gehen, man kann mit einem Sportboot entlangfahren oder eben in einem Altrheinarm schwimmen gehen. Doch der Rhein ist gefährlich, zumindest wenn es um das Thema hoher Pegelstand geht. Die Rheinbegradigung durch Tulla hat hier einen Nachteil geschaffen. Denn durch die Begradigung wurde dem Rhein sein natürlicher Lauf genommen, die ehemaligen Überflutungsflächen sind besiedelt oder werden wirtschaftlich genutzt. Ein Rheinpegel-Stand – wie im Jahr 1882 – wäre fatal: Überflutete Wohnungen und Industriegebiete, Wasser auf Feldern, gesperrte Straßen und vieles mehr wäre die Folge.
„Ein hoher Wasserstand am Oberrhein entsteht in der Regel durch länger anhaltenden, großräumig auftretenden Regen oder eine starke Schneeschmelze oder, was besonders kritisch ist, durch eine Kombination von beidem. Dagegen haben Unwetter, wie Gewitter, Starkregen, Sturm und Hagel, kaum Einfluss auf Hochwasserereignisse am Oberrhein“, berichtet Milan Sell, Stabsstelle Planung und Information des Landesamt für Umwelt in Rheinland-Pfalz. Für die Schifffahrt ist deshalb insbesondere der Pegel Maxau besonders wichtig, wenn der Rhein-Pegel höhere Werte erreicht. Ob Boot, Rheinfähre oder Transport- oder Passagier-Schiff: Der aktuelle Pegelstand in Maxau wird häufig gegoogelt.
In den letzten zehn Jahren gab es am Oberrhein zwei größere Hochwasserereignisse und zwar im Juni 2013 und im Januar 2018. Das 2013er-Ereignis ist als 10 - 20-jährliches Hochwasser einzuordnen, das 2018er-Ereignis als 5 - 10-jährliches Ereignis. „Ein Trend lässt sich für die vergangenen zehn Jahre daraus nicht eindeutig ableiten. Ohne die Rückhaltemaßnahmen am Oberrhein wären die Wasserstände der letzten Hochwasserereignisse der Jahre 2013 und 2018 aber deutlich höher gewesen“, so Sabine Riewenherm, Präsidentin des Landesamtes für Umwelt.

Fördert Klimawandel Hochwasser-Ereignisse?

Auf die Frage, ob ein 100-jährliches Hochwasser erwartet werde, antwortete Milan Sell: „Seit dem Ausbau des Oberrheins beziehungsweise im gesamten 20. Jahrhundert gab es kein hundertjährliches Hochwasser am Rhein. Das letzte Extremhochwasser trat im Jahr 1882 am Oberrhein auf. Der Wasserstand am Pegel Worms betrug damals ca. 822 cm, womit der Pegelwert 22 cm über dem Wert für ein 100-jährliches Hochwasser lag. Dieser Hochwasserstand führte auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz zu zwölf Deichbrüchen mit teils katastrophalen Folgen, auch im Bereich zwischen Germersheim und Worms. Die morphologischen Spuren einiger Deichbrüche sind heute noch im Gelände erkennbar. Der Hochwassermeldedienst kann vor allem für die nächsten zwei Wochen relativ verlässliche Aussagen treffen. Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass in dieser Zeit ein 100-jährliches Hochwasser auftritt. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich noch in diesem Frühjahr eine Wettersituation entwickeln könnte, die zu einem 100-jährlichen Hochwasser führen würde. Prinzipiell kann sich jederzeit über mehrere Wochen hinweg eine Wetterlage entwickeln, die zu einem 100-jährlichen Hochwasser führt. Studien zum Klimawandel prognostizieren einen allgemeinen Anstieg der Winterniederschläge, wodurch kleinere Hochwasser häufiger und früher auftreten können. Der Hintergrund dafür ist, dass der Niederschlag in den Wintermonaten bei steigenden Lufttemperaturen vermehrt als Regen und weniger als Schnee fällt. Das Wasser wird somit nicht bis in den Sommer hinein als Schnee zurückgehalten“.

Rund 55 Millionen Euro investiert

Um die Schäden eines Hochwassers zu schmälern, hat man in den vergangenen Jahren sehr viel in den Hochwasserschutz investiert. Die SGD Süd informierte auf Anfrage, dass seit 1990 im Bereich zwischen Germersheim (ab Gefahrengemeinschaft nördlich Stadtgebiet beginnend, ohne Insel Grün) bis südliches Worms (inklusive Deichrückverlegung Bürgerweide) bisher rund 55 Millionen Euro investiert wurden. Dabei wurden Deiche verlegt, in Schöpfwerke in Speyer und am Rehbach investiert oder eine Hochwasserrückhaltung in Flotzgrün, Mechtersheim, Kollerinsel und Worms-Mittlerer Busch entwickelt. Weitere zwei zusätzliche Reserveräume befinden sich in Planung.

Bürgerinitiative fordert Übung

Grundsätzlich klingt es sehr gut, was in den letzten Jahren alles investiert wurde. Natürlich hofft jeder, dass es nicht zu einem 100-jährlichen Hochwasser kommt. Aber: die Gefahr ist da. Das weiß auch die BürgerInitiative Hochwasser- und Naturschutz Altrip e. V. In einem offenen Brief haben diese sich nun an Landrat Clemens Körner, Rhein-Pfalz-Kreis, gewendet. Sie fordern eine groß angelegte Katastrophenschutz- und Evakuierungsübung für die Gemeinde Altrip. Die Initiative hat große Sorge vor einem Deichbruch. Für die Gemeinde und die angrenzenden sei – nach wissenschaftlichen Erkenntnissen – bei einem Deichbruch (durch Hochwasser) stark betroffen. „Innerhalb kürzester Zeit (würde die Gemeinde) 2 bis 5 Meter unter Wasser stehen“, so in ihrem offenen Brief an den Landrat im Dezember 2020. Ein solch hoher Wasserstand führe automatisch zu einer Evakuierung der Anwohner. Die größte Sorge: Zeit! „Es wird deutlich, dass im Katastrophenfall extrem schnell und gut organisiert reagiert werden muss, um die Bevölkerung in Sicherheit zu bringen.“ schreibt die Initiative in ihrem Brief. „Dabei ist der Zeitfaktor das größte Problem: von der Alarmierung bis zur Sicherstellung der vollständigen Evakuierung bleibt, je nach Deichbruchstelle, weniger als ein Tag“. Dies am Beispiel Altrip. Aber auch für Speyer, Ludwigshafen und Frankenthal würde ein zu hoher Pegel des Rheins Gefahren bringen. Umso wichtiger ist ein gut funktionierender Katastrophenschutz, gute Deichschutzkonzepte und ein gutes Hochwassermeldesystem.

Der Rheinpegel Maxau

Auf der Internetseite von ELWIS sind die aktuellen Wasserstände und Vorhersagen zu finden. Hier gibt es tagesaktuelle Prognosen der Pegel, inklusive der Information, wann die Hochwassermarke I und Hochwassermarke II überschritten wird. Ab einer gewissen Hochwassermarke wird die Rheinschifffahrt gesperrt. Dies hat natürlich auch negativen Einfluss auf die Wirtschaft, schließlich ist der Rhein die wichtigste Wasserstraße Europas. Sowohl die gemessenen Pegel von Flüssen Baden-Württembergs (Rhein, Donau etc.) als auch aus Rheinland-Pfalz (Beispiel Mosel oder Neckar) werden hier erfasst. Neben Maxau (Vorort von Karlsruhe) sind auch die Pegelstände in Speyer, Mannheim, Worms, Koblenz (und weitere) abrufbar. Wer sich über mehrere Tage einen Überblick verschafft, der kann anhand steigender oder fallender Zahlen erkennen, wie der Fluss sich in den kommenden Tagen entwickelt, weil die Pegel-Höhe vergangener Tage am oberen Rhein (Messung durch die Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg) eine Tendenz für eine eventuelle Hochwasserwelle aufzeigen. Die Zahl im Klammer zeigt mit einem + oder - auch an, ob das Wasser im Fluss steigt oder sinkt.
Neben dieser Seite informiert aber auch der Deutsche Wetterdienst über den Wasser-Pegel am Rhein.

Aktueller Pegel Maxau, Vorhersagen und vergangene Rhein-Hochwasser

Informationen zu den letzten Hochwassern am Oberrhein gibt es bei www.hochwasser-rlp.de
(Link führt auf die Internetseite des Hochwassermeldezentrums Rhein, Pegelstand Karlsruhe-Maxau).
Pegel Maxau und weitere Wasserstände auch bei der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale (HVZ) des Landes Baden-Württemberg:
www.hvz.baden-wuerttemberg.de

Mehr über die Geschichte des Rheins

In einem anderen Artikel haben wir bereits über die Geschichte des Rheins informiert

Die Geschichte des Rheins

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Das Bild wurde im Juni 2013 aufgenommen. Es zeigt ein Stück vom Rhein in Höhe Frankenthal, Blickrichtung Ludwigshafen. Damals stand der Rhein bis an den Deich.
Das Bild wurde im Juni 2013 aufgenommen. Bei "normalem" Wasserstand ist hier noch ein Feld zu erkennen. Im Sommer 2013 hat der Rhein das ganze Gebiet überschwemmt und Stand bis zum Deich.
Autor:

Gisela Böhmer aus Frankenthal

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