Festakt zum 50-jährigen Jubiläum „Kreisfreie Stadt Neustadt“
Geheilte Wunden

Ein schmissiges Rahmenprogramm mit Tanzdarbietungen der Neustadter Jugend rundete den Festakt in der Stiftskirche ab.
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Von Markus Pacher

Neustadt. Nein, die „99 Luftballons“ der „Tanzmanufaktur“ durften am Ende der Tanzdarbietung im Altarraum der Stiftskirche nicht in den Himmel steigen, denn der große Festakt zum 50-jährigen Jubiläum „Kreisfreie Stadt Neustadt“ musste aufgrund der starken Regenfälle vom Marktplatz ins Kirchenschiff verlegt werden.Ein trostloser Anblick draußen mit wenig Menschen, derweil man drinnen dreieineinhalb Stunden im gemütlichen Trockenem saß. So lange nämlich dauerte der Ökumenische Gottesdienst mit anschließendem offiziellen Festakt unter Anwesenheit hoher Prominenz, allen voran Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Ministerpräsident a. D. Dr. Bernhard Vogel.
„Das ganze Land schaute damals aufmerksam nach Neustadt, denn nirgendwo sonst im Lande fanden soviele Eingemeindungen statt“, erinnerte sich Vogel und erzählte auch von den zum Teil heftigen Widerständen seitens der einzelnen Weindörfern. „Heute wage ich zu sagen: Nach 50 Jahren sind die Wunden geheilt und die Erfolge nicht übersehbar.“
„Es wurde Vieles getan, um gut miteinander zusammenzuwachsen“, resümierte Oberbürgermeister Marc Weigel, der, um lange Reden zu vermeiden, auf sein mittlerweile schon mehrfach bewährtes Konzept mit kurzen Interviews, diesmal in Gestalt von Zeitzeugenbefragungen, setzte.
Zu den Zeitzeugen zählte zwar nicht die aktuelle Ministerpräsidentin, die 1969 gerade mal acht Jahre alt war, wohl aber der damals frisch zum Kultusminister gewählte Dr. Bernhard Vogel. Wie die Stimmung damals denn so war, wollte Weigel wissen. „Als Kohl 1969 Ministerpräsident wurde, standen nötige Gebiets- und Verwaltungsreformen an - es wurde heftig geschimpft, aber Kohl wusste was er wollte und hat sein Konzept durchgesetzt. Und nirgendwo waren die Auseinandersetzungen größer als in Neustadt“, so Vogel, der sich, seiner Kollegin Dreyer zugewandt, parteienübergreifend sehr lobend über ihre politische Arbeit äußerte, gleichzeitig mit einem Augenzwinkern vermerkte: „Ich möchte keinesfalls, dass die SPD untergeht, aber sie muss ja nicht gleich so stark werden wie die CDU.“
Patriotisch mit unserer Heimat verbunden zeigte sich Dreyer in Erinnerung an ihre schöne Jugend in Neustadt bzw. später in Lachen-Speyerdorf. „Neustadt hat sich seit 1969 sehr gut entwickelt. Hätten wir z. B. ohne die Weindörfer heute einen Weincampus? Viele Fördermittel vom Land für die Kernstadt und die Dörfer sind seitdem geflossen und haben Neustadt zu einem wichtigen Bildungs- und touristischen Standort gemacht“, betonte die Ministerpräsidentin.
Mut zur zentralen Frage zeigte Marc Weigel: „Bleibt Neustadt eine kreisfreie Stadt?“ Die Antwort von Dreyer: „Bleiben sie ganz entspannt! Es gibt keine politischen Festlegungen, es gibt nur Gutachten“. Ein entschiedeneres Plädoyer für den Erhalt Neustadts als kreisfreie Stadt formulierte Vogel: „Vor 50 Jahren ist Neustadt und das Hambacher Schloss wach geküsst worden. Das Wort Heimat gehört in die Kommunen. Das muss eine eventuelle Gebietsreform klar erkennen.“
In Gestalt kurzer Interviews setzte sich die spannende Zeitreise durch die letzen 50 Jahre fort. Für die Befragten eine schöne Gelegenheit mit interessanten Anekdoten aufzuwarten, angefangen mit Edmund Fahrnschon, dem damaligen Ortsvorsteher von Königbach, der sich daran erinnerte, dass seine Gemeinde die Reform sehr positiv aufgenommen habe. Welche Konsequenzen in der Praxis die Reform nach sich zog, erläuterte Wilma Weber aus der Sicht als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung: „Da es keine doppelten Straßennamen geben durfte, mussten alleine in Diedesfeld fünf Straßen umbenannt werden“.
Erinnert wurden auch an die tragischen Momente in der jüngeren Geschichte der Weinmetropole wie der Saalbau-Brand 1980, dargestellt aus der Schicht des damaligen Feuerwehr-Chefs Gerd Winkelmann. Zu Wort kamen außerdem Gustav-Adolf Bähr, der Motor des Kulturtempels „Herrenhof“, und Volker Münch, damaliger Baudirektor während der Brix-Ära in den 70er-Jahren, als in einem unglaublich engen Takt ein Bauprojekt nach dem anderen aus dem Boden gestampft wurde. Den stark verschuldeten Haushalt, Neustadt belegte in Sachen Verschuldung zeitweise Platz 10 unter den 12 kreisfreien Städten in Rheinland-Pfalz, mussten dann die beiden Nachfolger Dr. Dieter Ohnesorge und Dr. Jürgen Weiler wieder in Ordnung bringen, wie beide im Gespräch mit Weigel erklärten. Insbesondere Weiler verteidigte im Nachhinein die seinerzeit stark kritisierte Zurückhaltung der Stadt bezüglich der Finanzierung der fünf Freibäder- und lobte gleichzeitig das ehrenamtliche Engagement der Neustadter Bürger. „Die Gründung der Fördervereine entpuppte sich als ein Riesenerfolg der Bevölkerung - die Stadt konnte damals eine halbe Million pro Jahr einsparen“.

Autor:

Markus Pacher aus Neustadt/Weinstraße

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