Neue Warnung in Baden-Württemberg: Verfassungsschutz sieht „Mincels“
- Eine neue Form der Radikalisierung macht den Sicherheitsbehörden zu schaffen.
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Stuttgart. Für Eltern, Schulen und Sicherheitsbehörden in Baden-Württemberg rückt ein neues Radikalisierungsrisiko im Netz in den Blick: Der Verfassungsschutz warnt vor der sogenannten „Mincel“-Bewegung.
Im aktuellen baden-württembergischen Verfassungsschutzbericht ist von einer „neuen Form der Radikalisierung“ die Rede. Gemeint sind junge muslimische Männer, die sich eine Partnerin wünschen, aber keine Beziehung finden und unfreiwillig enthaltsam leben. Nach Einschätzung der Behörde radikalisieren sich Teile dieser Szene online.
Was hinter dem Begriff steckt
Der Begriff „Mincel“ setzt sich aus „Muslim“ und „Incel“ zusammen. „Incel“ steht für „involuntary celibate“, also unfreiwillig enthaltsam lebende Menschen. Laut Verfassungsschutz werden in solchen Online-Communitys islamistische Inhalte mit Fragen von Sexualität, Männlichkeit und der Rolle der Frau verknüpft.
Dabei verbreiteten sich laut Bericht toxische Männlichkeitsideale, Verschwörungserzählungen und frauenfeindliche Positionen. Genannt werden etwa Behauptungen, Männer hätten ein Grundrecht auf Sex oder Frauen hätten zu große Freiheiten.
Warum die Behörden alarmiert sind
Verfassungsschutzpräsidentin Beate Bube sagt, Influencer nutzten solche Themen, um Propaganda für islamistische und salafistische Weltbilder zu verbreiten. Demnach werde die Rückkehr zu strengen religiösen Vorschriften teils sogar als Mittel dargestellt, um auf Frauen anziehender zu wirken. Zugleich diene der Salafismus in diesen Gruppen als Begründung für eine frauenfeindliche Agenda.
Nach Angaben der Verfassungsschützer liegt die klassische „Incel“-Subkultur eigentlich vor allem im Bereich des Rechtsextremismus. Die Frauenfeindlichkeit wirke jedoch als Brückenerzählung, die auch im Islamismus anschlussfähig sei.
Worin sich „Mincels“ von „Incels“ unterscheiden
Beiden Gruppen gemeinsam ist laut Bericht der Wunsch nach einer romantischen Beziehung mit sexueller Erfüllung. Ein Unterschied besteht nach Darstellung der Behörde darin, dass „Mincels“ möglichst schnell heiraten wollten, um in einer islamkonformen Beziehung zu leben.
Jungfräulichkeit werde in diesem Zusammenhang nicht abgewertet, sondern als Ausdruck religiöser Stärke gedeutet. Der Verfassungsschutz sieht darin ein weiteres Beispiel dafür, wie persönliche Frustrationen im Netz mit extremistischer Ideologie verbunden werden können. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |