Gedenktafel in Mannheim für Serkan Calar: Was sie leisten kann
- Gemeinsam mit der Familie von Calar will die Bahn man einen dauerhaften Mahn- und Gedenkort einrichten. (Archivbild)
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Mannheim. Reisende am Mannheimer Hauptbahnhof werden ab Freitag, 18. September, mit einer Gedenktafel an den getöteten Zugbegleiter Serkan Calar erinnert. Nach Einschätzung des Passauer Soziologen Thorsten Benkel kann ein solches Zeichen das Leid der Hinterbliebenen nur begrenzt lindern. Öffentlich könne die Tafel aber Anteilnahme zeigen und sichtbar machen, dass der Tod des 36-Jährigen als besonderer Einschnitt wahrgenommen wird.
Warum die Tafel in Mannheim hängt
Mannheim war der Dienstort von Calar. Der alleinerziehende Vater hinterließ zwei minderjährige Kinder. Er starb Anfang Februar nach einem Angriff eines Fahrgastes ohne Ticket in einem Regionalexpress nahe Landstuhl in der Westpfalz an einer Hirnblutung. Der 26 Jahre alte Täter wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus und führte zu einer Debatte über Sicherheit in Zügen. Für Angehörige sei ein Tod „aus einem völlig nichtigen Anlass“ wie einer Ticketkontrolle besonders schwer zu verarbeiten, sagte Benkel der Deutschen Presse-Agentur.
Was eine Gedenktafel leisten kann
Solche Tafeln seien in Deutschland nicht sehr häufig, sagte der Wissenschaftler. Er verwies auf den Bahnhof in Passau, wo eine Tafel an zwei 1993 getötete Polizisten erinnert. Auch wenn viele Menschen den Fall dort heute nicht mehr einordnen könnten, halte die Tafel das Vergessen zumindest symbolisch auf.
In Mannheim könne die Tafel Reisenden vermitteln: „Das ist passiert, da ist jemand gestorben.“ Entscheidend sei aus Sicht Benkels, dass Calar nicht eines natürlichen Todes oder bei einem Unfall starb, sondern im Dienst. Damit werde sichtbar, dass die Bahn und andere Beteiligte den Tod als außergewöhnlich wahrnehmen.
Öffentliches Zeichen, begrenzte Wirkung
Benkel erwartet keine nachhaltige gesellschaftliche Wirkung. Die breite Öffentlichkeit nehme solche Fälle vor allem über Medienberichte und Gerichtsprozesse wahr. Die Wirkung einer Tafel sei dagegen „flüchtig“.
Für die Familie könne sie dennoch eine Bedeutung haben. Sie mache deutlich, dass Calar „seine Pflicht getan“ habe. Zugleich teile die Öffentlichkeit damit die Fassungslosigkeit über den Tod. Eine moralische Lehre brauche der Fall laut Benkel kaum: Wer davon höre, werde die Tat als unentschuldbar ansehen. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |