Frühjahrsmüdigkeit oder Depression: Woran sich der Unterschied zeigt
- Wochenlang antriebslos, erschöpft und freudlos? Geht es einem so, sollte man eher an eine Depression als an Frühjahrsmüdigkeit denken. (zu dpa: «Ist das bloß Frühjahrsmüdigkeit - oder eine Depression?»)
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Mannheim/Ludwigshafen. Die Tage werden heller, die Temperaturen steigen, trotzdem fühlen sich viele Menschen erschöpft und antriebslos. Der Text ordnet ein, wann Müdigkeit im Frühling harmlos ist und wann hinter den Symptomen eine Depression stecken kann.
Gerade zum Wechsel der Jahreszeiten berichten viele über sogenannte Frühjahrsmüdigkeit. Gemeint ist eine Phase mit erhöhter Erschöpfung, Konzentrationsproblemen oder Schwindel, die meist nur wenige Wochen anhält und sich von selbst legt.
Warum der Körper im Frühling aus dem Takt geraten kann
Eine verbreitete Erklärung setzt beim Hormonhaushalt an. Weniger Tageslicht im Winter beeinflusst die Produktion bestimmter Hormone. Nimmt das Licht im Frühling wieder zu, stellt sich der Körper um. Diese Anpassung kann vorübergehend müde machen.
Auch steigende Temperaturen gelten als möglicher Faktor. Weiten sich die Blutgefäße, sinkt der Blutdruck leicht. Das kann kurzfristig zu Müdigkeit oder Benommenheit führen.
Wissenschaftlich ist das Phänomen jedoch umstritten. Eine Studie aus der Schweiz, veröffentlicht im «Journal of Sleep Research», fand keine messbaren Hinweise auf eine allgemeine Erschöpfung zum Jahreszeitenwechsel. Die Forschenden aus Basel vermuten, dass Erwartungen eine Rolle spielen. Wer mit Müdigkeit rechnet, deutet Körpersignale eher als Folge des Frühlings.
Wann Erschöpfung ein Warnsignal sein kann
Conrad von Heydendorff, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beschreibt Anzeichen, bei denen eine Depression in Betracht gezogen werden sollte. Entscheidend ist vor allem die Dauer. Während sich Frühjahrsmüdigkeit meist nach zwei bis vier Wochen bessert, halten depressive Symptome deutlich länger an.
Typisch können außerdem sein:
- fehlende Freude an Dingen, die früher als angenehm erlebt wurden, verbunden mit innerer Leere.
- ein ausgeprägtes Morgentief mit besonders schwerem Start in den Tag und leichter Besserung am Abend.
- Trotz großer Müdigkeit kein erholsamer Schlaf.
- wiederkehrende Ängste, starke Selbstzweifel oder Schuldgefühle.
In solchen Fällen gilt es als sinnvoll, ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat einzuholen. Depressionen gelten als gut behandelbar, besonders wenn sie früh erkannt werden.
Was den Übergang in den Frühling erleichtern kann
Fachleute raten eher zu Aktivität als zu Rückzug. Regelmäßige Bewegung im Freien, etwa ein täglicher Spaziergang von rund 30 Minuten, kann den Kreislauf stabilisieren und den Schlaf unterstützen. Auch Wechselduschen werden häufig genannt, um den Körper in Schwung zu bringen.
Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung wird ebenfalls als unterstützend eingeordnet. Insgesamt gilt: Kurzzeitige Müdigkeit im Frühling ist meist unproblematisch. Hält sie an oder geht mit deutlichen seelischen Belastungen einher, lohnt eine genauere Abklärung. dpa
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |