Gedenktafel in Mannheim: Bahn erinnert an getöteten Zugbegleiter
- Minister Bilger (l, CDU) und Bahnchefin Palla verneigen sich im ehrenden Gedenken.
- Foto: Hannes P. Albert/dpa
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Mannheim. Bahnreisende und Beschäftigte sollen am Mannheimer Hauptbahnhof künftig dauerhaft an mehr Respekt im Zugverkehr erinnert werden: Auf Gleis 1 ist eine Gedenktafel für den getöteten Zugbegleiter Serkan Calar freigegeben worden. Bei einer Schweigeminute wurde es dort kurz still, wo sonst Koffer rollen und Durchsagen den nächsten Zug ankündigen.
Calar war 36 Jahre alt und arbeitete am Dienstort Mannheim. Anfang Februar wurde er in einem Regionalexpress in der Pfalz während einer Fahrscheinkontrolle angegriffen. Wenige Tage später starb der Mann aus Ludwigshafen an einer Hirnblutung.
Familie, Freunde und Bahnkollegen nehmen Abschied
Zur Freigabe des Gedenkortes kamen Angehörige, Freunde sowie frühere Kolleginnen und Kollegen zusammen. Auch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger von der CDU und Bahnchefin Evelyn Palla nahmen an dem Gedenken teil. Nach der Schweigeminute wurden Blumen niedergelegt.
Auf der Tafel steht Calars Name. Die Deutsche Bahn würdigt ihn darauf als Mitarbeiter, der sich „mit großem Engagement“ für Reisende sowie Kolleginnen und Kollegen eingesetzt habe. Die Inschrift erinnert „in Dankbarkeit und Respekt“ an ihn. Sein Tod mahne zu Rücksichtnahme und respektvollem Miteinander.
„Serkan, deine Spuren bleiben“
Calar hinterließ zwei minderjährige Söhne. Für die Familie ist die Gedenktafel mehr als ein Zeichen am Bahnsteig. Sie solle an Serkan Calar erinnern und zugleich daran, dass jeder Mensch wertvoll sei und Respekt verdiene, heißt es aus der Familie. „Serkan, du bist gegangen, aber deine Spuren bleiben.“
Der 26 Jahre alte Täter wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der Angriff löste Entsetzen aus und führte zu einer breiten Debatte über Sicherheit im öffentlichen Verkehr.
Was sich bei der Bahn nach dem Angriff geändert hat
Die Deutsche Bahn hat nach dem Tod des Zugbegleiters mehrere Sicherheitsmaßnahmen ausgeweitet. Bodycams gehören inzwischen für viele Beschäftigte mit Kundenkontakt zum Alltag. Außerdem laufen Pilotprojekte, bei denen Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer zu zweit, gemeinsam mit Sicherheitskräften oder in größeren Gruppen unterwegs sind.
Nach Angaben der Bahn zeigen diese Projekte bereits positive Ergebnisse. Gefährliche Situationen ließen sich besser deeskalieren. Zusätzlich setzt das Unternehmen auf digitale Hilfe: Eine Video Security Cloud soll die Strafverfolgung erleichtern. Eine App soll mitreisende Kolleginnen und Kollegen im Fall eines Übergriffs alarmieren.
Übergriffe auf Bahnbeschäftigte bleiben ein Problem
Die Zahlen zeigen, warum das Thema für Beschäftigte und Fahrgäste weiter relevant bleibt. Im vergangenen Jahr registrierte die Bahn konzernweit 3.264 körperliche Übergriffe auf Beschäftigte. Rund 70 Prozent betrafen Zugbegleitpersonal. Bei DB Regio wurden 1.659 Fälle gezählt.
Im ersten Halbjahr kamen bei DB Regio bereits 989 körperliche Übergriffe hinzu, darunter 22 schwere Körperverletzungen. Die Bundesregierung plant eine Gesetzesinitiative, die unter anderem härtere Strafen bei Übergriffen in Aussicht stellt. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |