Gedenken am Bahnhof Mannheim: DB stärkt Schutz
- Am Mannheimer Hauptbahnhof richtet die Deutsche Bahn eine Gedenktafel für Serkan Çalar ein. Zugleich erweitert sie Maßnahmen wie Bodycams, Schulungen und ein Alkoholkonsum-Verbot an Bahnhöfen.
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Mannheim. Am Mannheimer Hauptbahnhof erinnert die Deutsche Bahn am Freitag, 18. September, an den getöteten Mitarbeiter Serkan Çalar und kündigt weitere Sicherheitsmaßnahmen an, die Reisende in Bahnhöfen und Zügen künftig stärker bemerken können.
Rund sieben Monate nach dem tödlichen Angriff in einem Regionalzug kommen Familie, Freunde und DB-Mitarbeitende am „Tag des Respekts" zusammen. In der Nähe seiner Arbeitsstätte am Mannheimer Hauptbahnhof wird eine Gedenktafel eingerichtet. Erwartet werden nach Angaben der Bahn auch Bahnchefin Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger.
DB-Personalvorstand Martin Seiler sagte laut Mitteilung: „Die Nachricht vom Tod Serkans hat uns alle tief erschüttert. Sein Tod darf nicht vergessen werden." Der Fall verpflichte das Unternehmen, Mitarbeitende und Fahrgäste bestmöglich zu schützen. Viele Beschäftigte hätten deutlich gemacht, wie sehr sie der Angriff bewegt habe.
Was sich für Reisende ändern kann
Wie die Deutsche Bahn mitteilt, hat sie mehrere Maßnahmen zum Schutz von Mitarbeitenden mit Kundenkontakt ausgeweitet. Für Fahrgäste bedeutet das vor allem mehr sichtbare Sicherheitstechnik, mehr geschulte Beschäftigte und neue Regeln an Bahnhöfen.
- Bodycams: Alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt können eine Bodycam tragen. Bei DB Regio hätten mehr als 90 Prozent der Beschäftigten eine Schulung erhalten.
- Tonaufzeichnungen: DB Regio Mitte testet ab Montag, 5. Oktober, Tonaufnahmen bei Bodycams. Ziel ist ein zeitnaher konzernweiter Einsatz.
- Schulungen: Deeskalation ist für Mitarbeitende mit Kundenkontakt verpflichtend. Ergänzend gibt es Trainings für Selbstbehauptung im Zug und Selbstschutz.
Mehr Schutz im Regionalverkehr
DB Regio erprobt bis Ende Dezember auf ausgewählten Strecken zusätzliche Besetzungen. Dazu zählen Doppelbesetzungen von Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuern sowie Teams aus Kundenbetreuung und Sicherheitskraft. Außerdem werden Prüfgruppen getestet, bei denen sechs bis acht Beschäftigte gemeinsam Vollkontrollen in Zügen vornehmen.
DB Sicherheit testet bis Ende Dezember auch Schutzhelme bei der Mobilen Unterstützungsgruppe. Diese Teams unterstützen bei besonderen Sicherheitslagen in Bahnhöfen und Zügen. Seit Juli testen Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer bei DB Regio zudem stichhemmende Westen unter der Unternehmensbekleidung.
Alkoholkonsum-Verbot an 5.400 Bahnhöfen
Ein weiterer Baustein ist ein bundesweites Alkoholkonsum-Verbot an Bahnhöfen der DB. Die Regel soll schrittweise bis Donnerstag, 15. Oktober, an 5.400 Bahnhöfen umgesetzt werden. Modellprojekte hätten laut Bahn gezeigt, dass ein solches Verbot Gewaltkriminalität, Konflikte und Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss verringern kann.
Für Reisende kann das bedeuten, dass an Bahnhöfen häufiger auf die neue Regel hingewiesen wird. Ziel der Bahn ist ein ruhigeres Umfeld auf Bahnsteigen, in Empfangsgebäuden und im direkten Umfeld des Bahnverkehrs.
Digitale Hilfe und Videozugriff
Die Bahn plant außerdem eine Video-Security-Cloud. Die Bundespolizei soll dadurch bundesweit einheitlichen digitalen Zugriff auf Livebilder und aufgezeichnete Videodaten aus ausgewählten Zügen von DB Regio erhalten. Das soll die Beweissicherung und schnelle Strafverfolgung unterstützen.
Neu ist auch die GemeinsamSicher-App. DB-Mitarbeitende können ab Freitag, 18. September, freiwillig Kolleginnen und Kollegen in Zügen von DB Regio unterstützen, bis Hilfe von DB Sicherheit oder Polizei eintrifft. Der Einsatz im Fernverkehr ist nach Bahnangaben in Vorbereitung.
Warum Mannheim im Fokus steht
Der Mannheimer Hauptbahnhof ist ein wichtiger Knotenpunkt für Pendler, Fernreisende und den Regionalverkehr in der Metropolregion Rhein-Neckar. Dass die Gedenktafel dort eingerichtet wird, macht den Fall für viele Beschäftigte und Fahrgäste in der Region besonders sichtbar.
Die DB verweist zudem auf die bundesweite Respektkampagne „#mehrachtung" von Bundesverkehrsministerium, Verkehrsverbänden und Bahn. Außerdem unterstützt das Unternehmen einen Gesetzentwurf, der den strafrechtlichen Schutz für Mitarbeitende im öffentlichen Personenverkehr stärken soll.
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |