Konzert in der Trauerhalle
Über Mut, Erinnerung und die Kraft der Musik
- Foto: Christian Gaier
- hochgeladen von Markus Rohr
Mit trust & resistance gestaltet die Cellistin Katja Zakotnik einen außergewöhnlichen Solo-Konzertabend, der Musik als Zeugnis von Widerstand, Menschlichkeit und Hoffnung erfahrbar macht. Im Mittelpunkt stehen Werke von Komponistinnen und Komponisten, die unter Diktaturen litten, verfolgt wurden oder deren Lebensrealität bis heute von politischer Unterdrückung geprägt ist.
Dabei entsteht weit mehr als ein klassischer Konzertabend: trust & resistance ist eine bewegende Hommage an Künstlerinnen und Künstler, die selbst unter schlimmsten Bedingungen ihre Stimme nicht verloren haben. Ihre Musik erzählt von Mut, innerer Stärke und der ungebrochenen Kraft des Ausdrucks.
Zu hören sind überwiegend tonale und unmittelbar zugängliche Werke, deren emotionale Tiefe das Publikum unmittelbar erreicht. Besonders eindrucksvoll ist etwa das „Wiegala“ von Ilse Weber, die im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde, nachdem sie dort Kinder betreut hatte. Das Lied steht beispielhaft für die erschütternde Verbindung von Musik und Menschlichkeit in Zeiten größter Grausamkeit.
Auch das Werk „Chonguri“ des georgischen Komponisten Sulkhan Tsintsadze verweist auf gesellschaftliche Spannungen und politische Umbrüche. Gerade angesichts der aktuellen Protestbewegungen in Georgien erhält die Musik eine neue, unmittelbare Aktualität.
Darüber hinaus kommen Stimmen aus unterschiedlichen kulturellen Räumen zu Wort: Eine Komponistin aus Indien begegnet einer Tonkünstlerin aus dem Iran – Perspektiven, die zeigen, wie universell der Wunsch nach Freiheit, Würde und künstlerischer Selbstbestimmung ist. Bemerkenswert dabei: Mehr als drei Viertel der an diesem Abend erklingenden Musik stammen aus weiblicher Feder.
Katja Zakotnik führt selbst durch das Programm und verbindet die Musik mit historischen Hintergründen und persönlichen Geschichten. Dadurch entsteht eine intensive dramaturgische Reise, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft und das Publikum emotional wie gedanklich berührt.
trust & resistance macht im außergewöhnlichen Ambiente der Trauerhalle des Hauptfriedhof Mannheim hörbar, wie Kunst selbst unter Unterdrückung überleben kann – und wie Musik Trost, Erinnerung und Widerstand zugleich sein kann. Am Ende bleibt nicht Verzweiflung, sondern Resilienz: die Erfahrung, dass Menschlichkeit und Kreativität stärker sein können als Angst und Gewalt.
Gefördert wird das von Kultur-Events Rhein-Neckar präsentierte Projekt von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Tickets gibt es unter anderem auf Rausgegangen: https://rausgegangen.de/events/trust-resistance-0/
Autor:Markus Rohr aus Edingen-Neckarhausen |
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