Nachgefragt beim Karlsruher Stadtrat Tom Høyem, dem ehemaligen dänischen Grönlandminister
„Trump hat die Königin beleidigt“

Badisch-dänischer Kosmopolit: Tom Høyem hatte als Grönland-Minister Dänemarks rund 10.000 Beamte unter sich.  Foto: Knopf
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Karlsruhe. Es klang wie ein Scherz. Offensichtlich hatte US-Präsident Trump tatsächlich vor, Grönland von Dänemark zu kaufen. Nach einem kategorischen „Nein“ aus Kopenhagen kam nun die Absage des amerikanischen Staatsbesuchs in Dänemark. Tom Høyem ist Karlsruher Stadtrat, war von 1982 bis 1987 Grönlandminister Dänemarks, ehe die von Inuit bewohnte Insel im Nordatlantik in Teilautonomie entlassen wurde.
Volker Knopf befragte für das „Wochenblatt“ Høyem, der schon lange in Baden lebt und zuletzt Direktor der Europäischen Schule war, zu den Kapriolen.

???: Herr Høyem, was dachten Sie, als Sie von den Kaufplänen Trumps hörten?
Høyem: Dazu kann man nur folgendes sagen. Die Idee ist völlig absurd. Es ist schon eigenartig, wie der US-Präsident Agendasetting betreibt.

???: Wäre es denn rechtlich überhaupt möglich gewesen?
Høyem: Nein, absolut unmöglich. Im damaligen Vertrag steht geschrieben, dass Grönland für immer zu Dänemark gehört.

???: Was sind die Hintergründe für die bizarr scheinende Idee – der Kampf um Rohstoffe und Bodenschätze in der Arktis?
Høyem: Auch. Aber in erster Linie hat das sicherheitspolitische Aspekte. Man denke nur an die strategisch wichtige US-Militärbase Thule in Grönland. Deutschland und Europa haben nicht verstanden, dass die Arktis geostrategisch unglaublich bedeutend ist. Dänemark ist aufgrund Grönlands eine kleine arktische Weltmacht. China und Russland haben das längst verstanden. Putin ist dort mit Militär und Schiffen vertreten. 2015 war in der Artkis ein Manöver Russlands mit 80.000 Soldaten. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und die Situation ernst nehmen.

???: Sieht sich Trump in einer Tradition von US-Präsidenten, die große Landkäufe tätigten, wie beispielsweise den „Louisiana Purchase“ von 1803?
Høyem: US-Präsident Wilson hat Dänemark 1917 die Westindischen Inseln für 25 Millionen Dollar abgekauft. Viele hielten Grönland damals für wertlos. Von großer Bedeutung war auch der Verkauf Alaskas von Russland an die USA 1867. Aber die Zeit der großen Landkäufe ist vorbei.

???: Was sagen Sie zur plötzlichen Absage des Staatsbesuchs in Dänemark?
Høyem: Das ist eine Beleidigung der Königin. Einen Besuch bei der Königin sagt man nicht so einfach ab. Seine Strategie war von Anfang an, Unsicherheit zu verbreiten. Er sagte ja zunächst, er komme wahrscheinlich. Quasi nach dem Motto: Wenn die Zeit reicht, schaue ich mal kurz in Dänemark vorbei. Trotz dieser Konfusion ist es wichtig, gute Beziehungen zu den USA zu unterhalten. Dänemark und die Vereinigten Staaten sind ja seit jeher eng alliiert.

Autor:

Wochenblatt Redaktion aus Ludwigshafen

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