Waldenser und Hugenotten – Geschichte zum Anfassen
Palmbach zeigt „Wurzeln schlagen – Menschen und Pflanzen im Exil“

- Willkommen bei der Ausstellung "Wurzeln schlagen. Menschen und Pflanzen im Exil"
- Foto: Waldenserverein Palmbach e. V.
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„Wurzeln schlagen“ – Palmbach erinnert an die kulinarischen und kulturellen Spuren der Glaubensflüchtlinge -
Karlsruhe-Palmbach. Mit einer stimmungsvollen Eröffnungsfeier wurde am vergangenen Freitag (22.08.2025) die internationale Wanderausstellung „Wurzeln schlagen – Menschen und Pflanzen im Exil“ in der Waldenserkirche Palmbach eröffnet. Zahlreiche Gäste, darunter auch Besucher aus den Waldenser- und Hugenottengemeinden Mutschelbach, Welschneureut und Friedrichstal, sowie Vertreter der umliegenden Gemeinden und Ehrengäste nahmen an der Premiere teil, die Vergangenheit und Gegenwart der Waldenser- und Hugenottenkultur lebendig werden ließ.
Ein Verein mit Vision und Geschichte
Für den erst im vergangenen Jahr gegründeten Waldenserverein Palmbach e. V. ist es die erste große Ausstellung – und gleich ein Volltreffer. „Wenn Menschen fliehen, nehmen sie ihre Rezepte und ihr Wissen mit“, sagte Vereinsvorsitzender Roland Jourdan in seiner Begrüßungsrede. Er hob hervor, wie sehr die Flüchtlinge vor über 300 Jahren das kulturelle Leben der Region bereicherten – durch neue Pflanzen, Nahrungsmittel und Kochtechniken, die bis heute in Gärten und Küchen Spuren hinterlassen.

- Vorsitzender des Waldenservereins, Roland Jourdan bei seiner Begrüßung.
- Foto: Waldenserverein Palmbach e. V.
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Historie zum Anfassen
Die Einführung übernahm Dr. Renate Buchenauer vom Verein Hugenotten- und Waldenserpfad e. V., der die Wanderausstellung konzipiert hat. Sie nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise ins späte 17. Jahrhundert. Unter Ludwig XIV. wurden Hugenotten und Waldenser wegen ihres reformierten Glaubens verfolgt, verloren ihre Bürgerrechte und flohen in großer Zahl nach Deutschland, in die Schweiz und bis nach Nordhessen. Palmbach selbst entstand 1702, als ein Jahr zuvor 28 waldenserische Familien nach Grünwettersbach kamen und hier eine neue Siedlung gründeten.
Die Wanderausstellung betrachtet den deutschen Teil des 2.500 Kilometer langen europäischen Kultur-Fernwanderwegs „Hugenotten- und Waldenserpfad“, der von Südfrankreich über die Schweiz bis nach Nordhessen führt und die historischen Fluchtwege der Glaubensflüchtlinge nachzeichnet. Der Verein Hugenotten- und Waldenserpfad e. V. betreut den rund 1.000 Kilometer langen deutschen Abschnitt des Wanderwegs.
Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, welches kulinarische und gärtnerische Wissen die Glaubensflüchtlinge nach Deutschland mitbrachten – von Rezepten und Herstellungstechniken bis hin zu Pflanzensamen. Präsentiert werden unter anderem Kartoffeln, Zwieback, Nudeln, Tabak, Bier, Spargel und Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht. Fotowände dokumentieren das bäuerliche Leben jener Zeit. Großfiguren, historische Tafeln und Kistchen mit Exponaten veranschaulichen technische Erfindungen wie Francois Achards Zuckerproduktion oder Denis Papins Dampfdrucktopf. Für Kinder gibt es ein Spielheft, das altersgerechte Einblicke vermittelt.

- Die Waldenser und die Kartoffeln.
- Foto: Waldenserverein Palmbach e. V.
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Spuren bis heute sichtbar
Auch lokale Aspekte kommen nicht zu kurz: So erinnert das beliebte Waldenserbrot der Bäckerei Nussbaumer – ein herzhaftes Kartoffelbrot nach historischem Rezept – an das kulinarische Erbe der Glaubensflüchtlinge. Familiennamen wie Piston, Raviol, Jourdan, Tron, Granget oder Konstandin erzählen bis heute von den damaligen Ansiedlern.
„Es ist faszinierend zu sehen, wie stark die Hugenotten und Waldenser bis heute das Dorfleben prägen – von der Sprache bis zur Esskultur“, bemerkte der aus der Hugenottengemeinde Friedrichstal angereiste Ortsvorsteher Lutz Schönthal. Ein besonderer Dank ging an Pfarrerin Maria Götz von der Gemeinde Bergdörfer, für die Bereitstellung der Waldenserkirche als Ausstellungsraum. Ebenso wurden Stadträtin Rahsan Dogan – zugleich Autorin des Romans „Der Fluch der Waldenser“ – sowie die Wettersbacher Ortschaftsräte Gundula Lüchtrath-Klöckner und Stephan Becker begrüßt. Eine besondere Freude war zudem die Anwesenheit des Künstlerehepaars Barbara Jäger und OMI Riesterer, die 2015 nach einem Künstlerwettbewerb das Palmbacher Waldenserdenkmal „Tor des Ankommens“ geschaffen haben.

- Dr. Renate Buchenauer bei ihrer Ansprache.
- Foto: Waldenserverein Palmbach e. V.
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Rahmenprogramm und Termine
Die Ausstellung ist noch bis 14. September 2025 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Begleitend zur Ausstellung bietet der Waldenserverein mehrere Führungen an: am 30. August und 6. September jeweils um 16 Uhr sowie am 12. September um 18 Uhr.
Am Sonntag, 14. September, dem Tag des offenen Denkmals, wird die Ausstellung mit einem Gottesdienst (10 Uhr) und einer Führung auf dem Waldenserweg (14 Uhr) feierlich abgeschlossen. An diesem Tag ist die Waldenserkirche sogar bis 20 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Weitere Informationen finden Besucher unter www.waldenserweg.de
Autor:Roland Jourdan aus Karlsruhe |
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