Novum in Karlsruhe: kombinierte Anlage für die Dickhäuter - Elefanten und Flusspferde
Hippos wechseln nachts auf das Elefanten-Areal

Blick auf das neue Besucher-Podest vorne - und den Funktionsbaum mit Elefantendusche hinten
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  • Blick auf das neue Besucher-Podest vorne - und den Funktionsbaum mit Elefantendusche hinten
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Karlsruhe. An der Tüftelarbeit im Detail hapere es noch etwas, aber im Grunde wirkt Eva Kaltenbach sehr zufrieden mit dem Fortgang der Arbeiten. Wo die Zoo-Architektin geradezu ins Schwärmen kommt: das ist das modellierte Außengelände, sind die gestalteten Flächen, die den Elefanten des Zoologischen Stadtgartens in Karlsruhe künftig zur Verfügung stehen werden. Auch Revierleiter Robert Scholz, der für Elefanten und Flusspferde zuständige Tierpfleger, lässt einige Vorfreude erkennen.

Neue Anlage im Karlsruher Zoo
Seit gut einem Jahr laufen die Arbeiten. Im Frühjahr soll die neue Elefanten-Anlage im Karlsruher Zoo nun fertig werden. Viel ist schon darüber berichtet worden: von dem neuen Modell der „Altersresidenz“, für betagte Dickhäuter. Bislang wirkten die den von Gewicht und Statur her größten Säugetieren im Karlsruher Tierpark zur Verfügung stehenden Außen-Flächen recht bescheiden: gerade mal 1000 Quadratmeter waren es. Mehr als 2000 Quadratmeter kommen im südlich angrenzenden Areal, umgeben von Wassergräben und dem Kanal der Gondoletta-Boote, künftig hinzu. Auf einen Eröffnungstermin will sich Zoo-Direktor Matthias Reinschmidt derzeit noch nicht festlegen lassen. Aber im ersten Halbjahr wird es sein, so viel steht derzeit fest.

Anlage für Dickhäuter
Das besondere Novum: erstmals in einem Tierpark in Deutschland, und in Europa, wird eine Anlage für Dickhäuter – dazu gehören in Karlsruhe die Elefanten und die Flusspferde; anderswo auch noch Nashörner oder Tapir-Schweine – im „Wechsel-Betrieb“ benutzt. „Wenn unsere alten Elefantendamen um 8 Uhr morgens auf die Außenanlage, und um 16 Uhr wieder rein kommen in die Elefantenhalle, dann öffnen sich die Tore der Flusspferdanlage“, erklärt Zoo-Chef Reinschmidt. Diese können dann nachts auf die Anlage. In der freien Natur gehen pflanzenfressende „Hippos“, wie man sie auch nennt, die sich tagsüber meist im Wasser aufhalten, erst ab der Dämmerung an Land, und fangen an Grünzeug zu grasen. So ist es nun auch in Karlsruhe geplant.

Die bislang – laut Zoo-Chef Reinschmidt – „kleinste Flusspferdanlage Deutschlands“ werde damit schlagartig um ein Außengelände von 2000 Quadratmeter vergrößert. Keiner der Beteiligten im Zoo weiß bislang ob das funktionieren wird. „Vielleicht sieht die Anlage nach der ersten Nacht aus wie ein von Wildschweinen durchwühlter Wald“, lacht Robert Scholz. „So ein Zusammenspiel gibt es bislang nirgends“, sagt er. Gespannt ist er zudem, wie die zwei Karlsruher Flusspferde das Areal mit Schwanz und Urin markieren – und wie die Elefanten tags darauf auf die „Duftmarken“ reagieren.

Schon jetzt haben er und seine Kollegen im Pflegerteam begonnen, die Flußpferde mit neuen Signaltönen zu konditionieren. Auch eine Schiffsglocke kommt zum Einsatz. Anders als bei den Elefanten wird es zwischen den Pflegern und den „Hippos“ keinen direkten Kontakt geben. Die Flusspferde werden behandelt wie Raubtiere. „Die beiden Tiere im Karlsruher Zoo werden erstmals Rasen unter den Füßen haben, bislang sind sie entweder im Wasser oder auf mit Sand aufgeschüttetem Beton“, erklärt Scholz. Die beiden Flusspferde „konnten bislang auch noch nie eine Strecke rennen“, sagt er.

Auch die zur „Altersresidenz“ aus- und umgebaute Elefanten-Anlage wird weithin einzigartig sein. Dabei werde das Konzept „hands on“ beibehalten, der Tierpfleger bleibe im direkten Kontakt mit den Elefanten. „Bei extrem pflegeintensiven Elefanten muss man direkt an das Tier heran kommen“, weiß der Revierleiter. Noch sehr präsent im Bewusstsein des Zoo-Teams ist der Tod der Elefantendame „Rani“, die am 23.Februar mit 63 Jahren im Zoo an Herzversagen verstarb. Rani war die letzte Elefantenkuh eines Quartetts, das seit 1960 im Zoologischen Stadtgarten zusammen lebte. Bereits im Dezember 2016 wurde Elefantendame „Shanti“ eingeschläfert – sie war damals 60 Jahre alt. Derzeit leben noch mit Jenny, geboren 1983, und Nanda, geboren 1967, zwei Elefantenkühe im Karlsruher Zoo. Letztere ist beinahe blind.

Auch für diese beiden Bewohnerinnen, und künftig bis zu fünf zu beherbergende Elefanten, wird auf dem neuen Außen-Gelände einiges geboten sein: an einer Art Funktionsturm – erbaut an der Stelle, wo früher im Südamerikahaus unter anderem die Papageien lebten – wird es einen permanenten Wasserfall, eine „Elefantendusche“, geben. Und eine Lkw-Waage vis-à-vis der Besuchertribüne, begehbar für die Elefanten, soll stets vor Augen führen, welche Kolosse Karlsruhes Zoo beherbergt.„Die neue Anlage wird geprägt sein von Bäumen, einem Gelände mit wechselndem Niveau, und dem gänzlich anderen Untergrund als bisher“, sagt Zoo-Architektin Eva Kaltenbach. Und was ihr wichtig erscheint: es entstünden ganz neue Blick-Achsen. (Stefan Jehle)

Infos: www.karlsruhe.de/zoo

Entwicklungskonzept: Der Zoo in Karlsruhe soll neu aufgestellt werden. Zu diesem Zweck wurde Ende 2014 der Prozess „Entwicklungskonzept Zoologischer Stadtgarten“ angestoßen. Mit dem Abschlussbericht 2016 stand fest: einige der Tiergehege müssen neu gestaltet – oder gar neu gebaut werden. Bei der Elefantenanlage kommen die Anforderungen des Säugetiergutachtens, und Vorgaben an die Tierhaltung, hinzu.

Karlsruher Altersresidenz: Beim Neubau von Elefantenanlagen, besonders bei Jung- und Herdentieren, sind die Anlagen in der Regel größer als 10.000 Quadratmeter. Weil in Karlsruhe (schon) bislang überwiegend alte Elefanten zuhause sind, entschied man sich, eine besondere „Altersresidenz“ auszubauen. Die Außenanlage wird erweitert von bislang 1000, auf künftig mehr als 3000 Quadratmeter. In persönlicher Obhut und ständiger Aufsicht der Tierpfleger können bis zu fünf Elefanten eine Bleibe finden.

Doppelnutzung für „Hippos“: Einzigartig ist die Idee, außerdem eine Doppelnutzung für die benachbarten Flusspferde zu ermöglichen. Die „Hippos“ (auch Nilpferd oder Hippopotamus genannt), sind große, pflanzenfressende Säugetiere. Diese können dann nachts auf die Außenanlage der Elefanten. In der freien Natur gehen Flusspferde erst ab der Dämmerung an Land, und grasen Grünzeug. Mit der Umsetzung der Doppelnutzung wird die neue Außenanlage gleichzeitig zur großen Flusspferdanlage.

Autor:

Jo Wagner

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