FCK-Legende
Norbert Thines feiert Geburtstag

Norbert Thines kurz vor seinem 75. Geburtstag im Jahr 2015
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Anlässlich seines 79. Geburtstages veröffentlichen wir online noch einmal den Artikel zu Norberts 75.

Norbert Thines wird 75 und die Fangemeinde hebt das Glas mit ihrem Jubilar. Zum Geburtstag des Altpräsidenten am heutigen Mittwoch hat Wochenblatt-Redakteur Jens Vollmer mit dem „Vater der FCK-Familie“ gesprochen.

Er ist das soziale Gesicht der Stadt Kaiserslautern und ein Helfer in der Not. Als ehrenamtlicher Vereinspräsident formte er den Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern zu einer großen Familie, in der sich gerade auch ausländische Spieler sofort heimisch fühlten und in der Pfalz zu Legenden wurden.

Am Mittwoch dieser Woche feiert Norbert Thines seinen 75. Geburtstag und gleichzeitig das Erscheinen eines Buches über sein Lebenswerk. Über „Mensch Thines“ und sein Leben unterhielt sich das Wochenblatt mit dem Jubilar.

Norbert Thines ist ein bescheidener Mensch. Bodenständig und hilfsbereit wirkte er sowohl beim FCK als auch bei vielen Hilfsorganisationen. Dabei waren ihm Auszeichnungen nie wichtig.

Das Bundesverdienstkreuz schlug er beim ersten Mal sogar aus, der goldene Ehrenring des FCK hat zwar seinen Ehrenplatz, aber getragen hat er ihn noch nie.

Berührt hat ihn jedoch die Choreographie der Fans im Jahr 2013 im Fritz-Walter-Stadion. „Dir geht es nie ums Geld – nur um die Menschen... und den geilsten Club der Welt“, bestätigten ihm die Fans mit einem Transparent über die gesamte Westkurve. „Mir lief es eiskalt den Buckel hinunter“, schwärmt Thines über den Moment, als die Choreographie sich über 40 Meter in der Westkurve ausrollte. „Dass junge Leute immer noch mein Wirken zu schätzen wissen und sich an mich erinnern, macht mich stolz. Das war eigentlich die höchste Ehre“, gesteht er mit ergriffener Stimme. 1.500 Stunden werkelten die Ultras ehrenamtlich an der Thines-Choreo. Die Überraschung war damals gelungen: Das ganze Stadion wusste Bescheid, nur der Geehrte nicht.

Unangepasst

Politisch vor einen Karren spannen ließ sich Thines nie. „Bei den Roten war ich der Schwarze und bei den Schwarzen der Rote. Ich habe mich nie angepasst“, betont er. Mit seinem Freund Kurt Beck heulte er beim damaligen Abstieg, Helmut Kohl machte er zum Ehrenmitglied des FCK. „Ohne Kohls Hilfe hätten wir bei der Einführung der Bundesliga keine Chance gehabt, Saarbrücken war uns damals voraus“, erinnert Thines an die Verdienste des Altkanzlers. Generell kommt aber der Ur-Lautrer mit jedem gut aus, „sowohl mit den Großkopferten als auch dem Allerkleinsten“.

Buch „Mensch Thines“

Nun schrieb Michael Dittrich, Journalist des SWR, das Buch „Mensch Thines – Ein Leben rund um den Betzenberg“ über den ehemaligen FCK-Präsidenten. „Ein Dreivierteljahr hat er mich gelöchert“, erzählt Thines über die Entstehung des Buches. „Fast täglich kamen Nachfragen, oft habe ich gesagt, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich das nun wieder finden soll in über 80 Archivordern. Das Buch ist Dittrichs Sicht auf die Dinge, nicht meine. Dabei hat er sich große Mühe gegeben und ging sehr tief in die Details. Das hatte ich so nicht erwartet. Zudem ist es unterhaltsam geschrieben. Das Buch ist sehr gelungen“, lobt Thines die Akribie und die Recherchearbeit des Autors.

Dass Norbert Thines selbst nichts an dem Buch verdient, ist typisch für ihn und selbstverständlich. Sein Anteil am Buch wird gespendet. Auch bei seiner Geburtstagsfeier bittet er von Geschenken abzusehen und für den guten Zweck zu spenden. Diese Hilfsbereitschaft ist natürlich auch im Buch ein Thema.

Hilfsaktionen

Schon 1981 begann Thines mit der Flüchtlingshilfe und der Hilfe an Orten, wo Thines – gerade auch im Rahmen der internationalen Spiele des FCK – Bedarf sah. Die vielen Hilfskonvois, unter anderem nach Weißrussland, waren schon einmal Thema in einem eigenen Bericht vor zwei Jahren im Wochenblatt.

Auf die derzeitig umgreifende Fremdenfeindlichkeit angesprochen antwortet der Helfer, der schon zu Zeiten des Kalten Krieges keine Grenzen kannte, nur: „Die Menschen sind leider egoistischer geworden.“ Dass ihm das in der Seele wehtut, ist ihm anzusehen. „Nach dem Krieg hatten wir nichts gehabt, mein Vater war im Krieg gefallen. Dass es uns heute gut geht, erfüllt mich mit Dankbarkeit und das möchte ich nach wie vor zurückgeben“, erläutert er die Triebfeder seines humanitären Handelns, ganz im Sinne von Adolph Kolping.

Das „Quietschbuch“

Mit leuchtenden Augen erzählt Thines von den Zeiten, als er unglaubliche Geschichten und immer wieder neue Freundschaften auf internationaler Ebene erlebte. „Fußball verbindet – das war unser Leitmotto, wir wollten uns immer freundschaftlich gegenüber stehen“, erzählt Thines und präsentiert ein Kleinod, das legendäre „Quietschbuch“. Beim Öffnen knarrt der massive Holzdeckel und gibt den Blick frei auf zehn Jahre internationale Spiele des FCK während der Präsidentenzeit von Norbert Thines.

Alle Vereinspräsidenten der Gegner haben sich eingetragen, meist versehen mit Visitenkarte und einer persönlichen Widmung. „Damals gab es nix Falsches“, schaut Thines wehmütig zurück auf die gute alte Zeit. „Überall waren wir Freunde und haben zusammen gefeiert.“ Auch Pele und Elton John konnte er damals kennenlernen. „Ein feiner Kerl, mit dem hab ich mich gut verstanden“, erinnert sich Thines an den Starsänger und damaligen Präsidenten des englischen Fußballclubs FC Watford. 1983 traten die Hornissen in der ersten Runde des UEFA-Cup gegen die Roten Teufel an. Nur eine im „Quietschbuch“ vertretene Person hat Thines in schlechter Erinnerung. Doch mit seiner Meinung über Sepp Blatter ist er heutzutage längst nicht mehr alleine.

Schwere ZeitenVergeben, aber nicht vergessen, kann der Expräsident die schwere Zeit, als man eine „professionelle“ Vereinsführung etablieren wollte. Thines trat damals zurück, betont aber heute: „Ich habe den Verein mit 13 Millionen Mark auf dem Konto übergeben, schuldenfrei und mit eigenem Stadion. Wenige Jahre später war von all dem nichts mehr da.“

Mittlerweile konzentriert sich Norbert Thines auf Hilfsaktionen in der Region, die Altersarmut ist zentrales Thema und mit dem Verein „alt arm allein“ konnte er zusammen mit seinen Mitstreitern schon 4,5 Millionen für hilfsbedürftige Senioren einsammeln. Vom jährlichen Weihnachtsessen im Restaurant Julien schwärmt er: „Wenn Leute, die normalerweise sehr trübe Gedanken haben, singen und feiern, ist das eine tolle Sache.“ Der plötzliche Tod von Peter-Jochen Degen vor drei Jahren stimmt ihn heute noch traurig: „Wir waren ein Dream-Team – er war immer der Antreiber mit vielen Ideen und ich habe schön mitgemacht“, schmunzelt er. „Generell habe ich immer Glück gehabt, gute Leute an meiner Seite zu haben.“

Dittrichs Buch über Thines enthält neben all den FCK-Storys, wie Pokalsieg, Meisterschaft, Lutz Eigendorf, auch Details über den schmerzhaften Abstieg sowie viel Persönliches über den Menschen Thines. Von einem kleinen pfälzischen Wörterbuch über Liedtexte und Thines´ Auszeichnungen bis hin zum Buttermilchkuchen-Rezept seiner Frau Trixi sind viele Details enthalten.

Mit dem Autor ist Thines schon lange verbunden. Als zu Zeiten der Meisterschaft das Haus rot-weiß bemalt wurde, war der Journalist mit Kamerateam vor Ort.

Solch ein Buch zum 75. Geburtstag ist sicherlich auch ein Resümee des Lebenswerkes, wenngleich der Rentner noch immer gerne unterwegs und Hans Dampf - zumindest in fast allen - Gassen ist. Die naheliegende Frage beantwortet der Jubilar ohne nachzudenken: „Ich würde alles noch mal genauso machen.“

Schön, wenn man das nach 75 Jahren sagen kann – Herzlichen Glückwunsch, Norbert Thines!


Kommentar:


Ehrenbürger
Dass der Stadtrat zwei Tage vor seinem Geburtstag entschied, Norbert Thines zum Ehrenbürger der Stadt zu ernennen, ist die richtige Geste zur rechten Zeit. Gerade auch bei jungen Leuten wird der ehemalige FCK-Präsident sehr geschätzt, weil er Werte vertritt, die aktuell leider immer weiter in den Hintergrund treten. Die heutige Ellenbogengesellschaft ist geprägt von Egoismus. Thines dagegen steht für selbstlose Hilfsbereitschaft - ein Attribut, das gerade dieser Tage viele Probleme lösen könnte, wenn nur mehr Menschen es wieder für sich entdecken würden.

Autor:

Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern

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