Deutsch-griechischer Schüleraustausch der Berufsbildenden Schule I – Technik
„Einheit in Vielfalt“ – wie aus Fremden Freunde wurden

Die deutsch-griechische Schülergruppe in Zakynthos  FOTO: BBS I

Kaiserslautern. „Einheit in Vielfalt“: So lautet das Motto der Europäischen Union, so wie sie sich derzeit darstellt. Wie schnell dieses Ideal zu einer lebendigen, begeisternden Erfahrung werden kann, das durfte eine Schülergruppe der BBS I – Technik nun in Griechenland erleben. Eine Woche lang war man im Dezember an der Partnerschule der BBS I, dem Technischen Lyzeum in Lechena, zu Gast, um sich gemeinsam im Rahmen des deutsch-griechischen Schülerprojekts „Misfits: Diversity Uncovered“ mit den NS-Verbrechen an der griechischen Zivilbevölkerung während der deutschen Besatzung 1941-44 auseinanderzusetzen.
Los ging es am ersten Tag mit einem historischen Workshop auf der Insel Zakynthos, wo die „Misfits“-Gruppe vom Bürgermeister der Stadt Zakynthos empfangen wurde, der die Kooperation zweier beruflicher Schulen und die im griechischen Raum noch recht ungewöhnliche, aber weitgehend begrüßte Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit lobte. Er zeigte sich sehr erfreut über die Grußbotschaft und das Gastgeschenk von Oberbürgermeister Klaus Weichel, das die Gruppe im Gepäck hatte. Gleiches gilt für die offizielle Begrüßung in Lechena durch den Schulleiter des Lyzeums, Panagiotis Vatsis, den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt sowie Vertreter des Bezirksschulamtes. Zentralthema war die Auseinandersetzung mit dem Massaker, das die Wehrmacht am 13. Dezember 1943 an der Zivilbevölkerung der in den Bergen gelegenen Kleinstadt Kalavryta verübte, wobei über 700 Männer und Jugendliche über 14 Jahren brutal hingerichtet wurden und die Frauen und Kinder in letzter Minute aus der Schule entkommen konnten, in die sie eingesperrt worden waren, ehe die rund 600 Häuser in Brand gesetzt wurden.
Die eigentlich geplante Teilnahme an der 75. Gedenkfeier des Massakers vor Ort in Kalavryta, wo die Gruppe auch den griechischen Staatspräsidenten, Prokopis Pavlopoulos, sowie den deutschen Botschafter in Griechenland, Jens Plötner, hätte treffen sollen, musste jedoch leider entfallen. Ein plötzlicher Wintereinbruch mit Schnee und Glatteis beendete das Unterfangen ungefähr 35 Kilometer vor Kalavryta.
Nach einem Ausflug in die Hafenstadt Patras stand zum Abschluss noch eine Tour ins antike Olympia auf dem Programm, wo die deutsch-griechische Gruppe einen Workshop zu den olympischen Idealen des gegenseitigen Respekts und des friedlichen Zusammenwirkens durchführte.
Die vielen positiven Erfahrungen, die unbeschreiblich großzügige und herzliche Gastfreundschaft und das Gestalten echter Gemeinschaft haben die Projektwoche für die Lautrer Schüler zum unvergesslichen Erlebnis gemacht.
Über all den zahlreichen Kompetenzen, die die Jugendlichen während der Woche erwarben, vertieften und verfeinerten, steht als Fazit, dass sie in all ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt zur Einheit zusammengewachsen sind. Oder, mit dem Schulleiter des Lyzeums Lechena gesprochen: Sie trafen sich als Fremde und wurden binnen einer Woche zu Freunden und schließlich eine Familie. Der Gegenbesuch der griechischen Familienmitglieder in Kaiserslautern ist für den Zeitraum 26. Januar bis 2. Februar 2019 geplant. ps

Autor:

Stephanie Walter aus Wochenblatt Landstuhl

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