Gerd Steller sammelt Müll im Stadtgebiet ein
Der Saubermachmann

Dort, wo er auftaucht, wird es sauberer: Gerd Steller ist aktuell fast täglich im Stadtpark anzutreffen.  | Foto: Monika Klein
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Von Monika Klein

Kaiserslautern. Gerd Steller ist kein Mann der vielen Worte, vielmehr der Taten. Wenn er mit seinem Fahrrad mit Hänger in Grünflächen und Parkanlagen, auf Bürgersteigen oder in der freien Natur einen Stopp einlegt, verlässt er den Ort mit gefüllten Mülltüten und einem guten Gefühl. Aus Eigeninitiative heraus setzt sich der Rentner für mehr Sauberkeit im Stadtgebiet ein.

Besen und Schaufel, eine Rolle Mülltüten, Handschuhe, Greifarm, eine-Fünf-Liter-Flasche Wasser, Putzschwamm und Essigreiniger gehören zu Stellers Ausrüstung im Fahrradanhänger. Hinzu kommen Pflaster, Desinfektionsmittel und Feuchttücher, die er in den Taschen am Gepäckträger mit sich führt. All diese Utensilien benötigt er, wenn er fünf oder sechs Tage in der Woche zu seinem „Arbeitsplatz“ radelt. „Den suche ich mir selbst aus“, erzählt der gelernte Starkstromelektriker gut gelaunt. Seit dem Pfingstwochenende konzentriert er sich auf den Stadtpark.

Keine Kippe entgeht dem Greifarm. | Foto: Monika Klein

Auf dem Rückweg einer Wanderung ist ihm dort der viele zurückgelassene Müll ins Auge gestochen. „Ich habe gedacht: So kann man das nicht lassen. Das geht doch nicht“, schildert der 67-Jährige seine Gedanken. Zudem seien doch Seniorenheime in unmittelbarer Umgebung, deren Bewohner im Stadtpark mit Rollstuhl und Rollator flanieren. Zwar weiß er, dass die Stadtbildpflege zweimal wöchentlich kommt, aber: „Dazwischen und nach den Wochenenden sind die Mülleimer voll und es liegt Müll herum.“
Seit Juni 2022 wohnt Steller in Kaiserslautern. Doch dieses neue Umfeld war nicht ausschlaggebend für seine Müllsammelleidenschaft. Schon mit etwa 30 Jahren, damals lebte er noch in Rammelsbach im Landkreis Kusel, fiel ihm der Unrat am Wegesrand auf, wenn er mit dem Fahrrad in Richtung Kusel unterwegs war - und konnte den Abfall nicht einfach liegenlassen. „Ich habe dann gemerkt, dass ich damit auch etwas für den Umweltschutz tue und habe schon damals mit dem ,grünen Denken“ begonnen“, blickt er zurück. In Absprache mit der Niederlassung des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Kusel, der heutigen Masterstraßenmeisterei, stellte er die gefüllten Müllsäcke zum Einsammeln am Straßenrand ab.
Diese Freizeitbeschäftigung setzte sich fort, als er später nach Altenglan, dann nach Steinwenden-Weltersbach zog, um näher bei seinem Arbeitsplatz in Ramstein-Miesenbach zu wohnen. Drei Jahre nach seiner Berentung folgte schließlich der Umzug in die Barbarossastadt auf den Bännjerrück. „Ich fühle mich hier sehr, sehr wohl. Mir geht es richtig gut“, lässt er keinen Zweifel daran, dass dieser Entschluss für ihn der richtige war.

Selbst Mülleimer wäscht er außen ab. | Foto: Monika Klein

Seitdem stoppt der rührige Rentner mit seinem Saubermach-Gespann überall dort, wo ihm Zigarettenkippen, Kronkorken, Plastikverpackungen oder leere Glasflaschen ins Auge stechen – und das ist nicht selten der Fall. Zum Beispiel im Wald nahe beim Uni-Wohngebiet, in der Königstraße und Umgebung, auf dem Bännjerrück und in vielen anderen Ecken der Stadt. „Überall, wo die Leute hinkommen, bleibt Müll liegen. Die Arbeit geht mir nicht aus. An jeder Ecke liegt etwas“, weiß er um die Gedankenlosigkeit einiger Mitmenschen, die achtlos Abfälle wegwerfen.
Obwohl Steller nicht zimperlich ist und Greifarm und Handschuhe benutzt, hat er sich doch schon voller Ekel geschüttelt. „Auf dem Kotten habe ich mal einen Sack voll mit benutzten Pampers gefunden, die auch noch mit Regenwasser vollgesogen waren“, erzählt er von einem solchen Erlebnis. Ein anderes früheres Mal sammelte er mit Urin gefüllte Drei-Liter-Flaschen und benutzte Kondom auf einem Lkw-Parkplatz bei Ramstein-Miesenbach ein.
Aber er hatte auch schon Glück, als er einmal zwei im Dickicht versteckte Fahrräder bei Ramstein-Miesenbach fand, die er dem Fundamt meldete. Nachdem sich nach sechs Monaten kein Besitzer gefunden hatte, ging eines davon an ihn über. Nach einem Umbau zum E-Bike durch einen Bekannten und den Kauf eines Anhängers übers Internet ist für sein „Saubermachmobil“ kaum noch ein Weg zu weit oder eine Steigung zu steil. Und dennoch: Einen Bollerwagen würde er sich schon wünschen. „Aber einen richtigen mit vier Reifen, das wäre natürlich besser“, meint er im Hinblick auf den Platzbedarf für die vollen Mülltüten, winkt dann aber lachend ab. „Ich kann mich da so richtig reinsteigern, ich bin halt mit Leib und Seele dabei.“ Doch lange hält sich der tatkräftige Rentner mit diesen Gedanken nicht auf, schließlich gibt es im Stadtpark noch allerhand zu tun. Das bleibt nicht unbemerkt. „Von Passanten kommt immer mal wieder ein Lob“, freut er sich über die Würdigung seines Engagements.

Oft dauert es nicht lange, bis die blauen Säcke voll sind. | Foto: Monika Klein
  • Oft dauert es nicht lange, bis die blauen Säcke voll sind.
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Mit der Stadtbildpflege ist vereinbart, dass er die zugebundenen Müllsäcke beim Toilettenhäuschen des Stadtparks abstellt, von wo sie dann abgeholt werden. Anderes Sammelgut bringt er zum Wertstoffhof, meldet es dem LBM oder dem Bauhof oder er fährt es nach Hause und stellt es neben den Müllcontainern ab. Das sei so mit der Bau AG, seiner Vermieterin, abgesprochen, erzählt er. Findet er Sondermüll, nimmt er auch ihn mit, um ihn dann zum Umweltmobil zu bringen.
Was andere achtlos auf den Boden werfen, ist für den rüstigen Rentner zu einer Lebensaufgabe geworden, nicht nur, weil er so seine freie Zeit sinnvoll nutzen kann und der Tag eine Struktur bekommt. „Ich will nicht überflüssig sein“, meint der Mann, dem das Leben nicht immer freundlich gesinnt war. Er sieht darin eine Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. „Das Müllsammeln macht mich unheimlich zufrieden.“ Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. „Solange ich kann, mache ich weiter. Vielleicht später mit einem Rollator“, schiebt er lachend hinterher. [lmo]

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Monika Klein aus Kaiserslautern

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