Veränderungen in Germersheim: Modernisierungspläne von Stadt, Sparkasse und Kreisverwaltung
- das Gebäude aus den 1950er Jahren
- Foto: KV GER/aj
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Germersheim. Die Kreisverwaltung Germersheim steht vor der Herausforderung, ihre Verwaltungsstrukturen und die baulichen Gegebenheiten grundlegend zu modernisieren. Dies umfasst sowohl die Digitalisierung der Verwaltung als auch die Verbesserung der infrastrukturellen Situation. Das Verwaltungsgebäude am Luitpoldplatz, das aus den 1950er-Jahren stammt, befindet sich in einem baulich und technisch schlechten Zustand und ist für eine langfristige Nutzung nicht mehr geeignet. Im September 2025 verschafften sich Mitglieder des Kreistags einen persönlichen Eindruck vom Zustand des Gebäudes und kamen zu dem Schluss, dass eine Sanierung mit sehr hohen Kosten verbunden wäre.
Eine mögliche Alternative zur Sanierung sieht Landrat Martin Brandl im Verkauf des alten Verwaltungsgebäudes und einer Neubewertung der räumlichen Struktur der Kreisverwaltung. In diesem Zusammenhang hat Brandl der Sparkasse Südpfalz angeboten, das Gebäude am Luitpoldplatz zu erwerben, da auch die Sparkasse ihre Standorte modernisieren möchte.
Benjamin Hirsch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Südpfalz, erklärte dazu: „Wir wollen unseren Standort in Germersheim modernisieren und prüfen dazu alle Optionen sorgfältig. Das Gebäude unserer Marktdirektion am Tournuser Platz ist in die Jahre gekommen und Teil unserer strategischen Modernisierungsoffensive. Unser Ziel sind zeitgemäße Standorte, die unseren Kunden und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern optimale Bedingungen bieten. Mit dem möglichen Verkauf des Verwaltungsgebäudes am Luitpoldplatz hat sich im Stadtzentrum eine interessante Option ergeben. Wir lassen diese im Rahmen einer Vorstudie bewerten und erwarten Ergebnisse bis Ende des ersten Quartals 2026. Parallel behalten wir eine Revitalisierung unseres bestehenden Standorts im Blick.“
Hirsch hob hervor, dass ein Neubau am Luitpoldplatz nicht nur für die Sparkasse, sondern für die gesamte Stadtentwicklung von Vorteil sein könnte: „Ein Neubau könnte ein modernes, kundenorientiertes Innenstadtquartier ermöglichen und zugleich Arbeitswelten schaffen, die den Anforderungen moderner Zusammenarbeit entsprechen. Als Sparkasse wollen wir Verantwortung für die Region übernehmen und ein verlässlicher Partner für Menschen und Wirtschaft bleiben.“ Der Verwaltungsrat der Sparkasse Südpfalz wurde bereits über das Angebot und das Projekt informiert und hat es positiv zur Kenntnis genommen.
Neue Achsen im Germersheimer Stadtbild
Auch die Stadt Germersheim verfolgt eine Neugestaltung des gesamten Quartiers entlang der Queich. Ein Neubau der Sparkasse am Luitpoldplatz könnte sich nahtlos in diese städtebauliche Entwicklung einfügen. Bürgermeister Marcus Schaile betonte: „Mit dem Ausbau des Paradeplatzes und der Umwandlung der Stadtkaserne zum Fachmarktzentrum hat die Stadt Germersheim einen bedeutenden Umbau der Innenstadt vollzogen. Die Achse vom Weißenburger Tor über den Parade- und Luitpoldplatz ist als Ensemble zu betrachten. Der gesamte Bereich würde mit der Modernisierung des heutigen Kreishauses und der angrenzenden Flächen einen stimmigen Abschluss bilden. Der Sitz der Kreisverwaltung, aber auch eine sonstige prominente gewerbliche Nutzung, stärken die Funktion der Innenstadt im Mittelzentrum Germersheim und bilden den Kern einer vitalen, gut besuchten neuen Mitte.“
Grundlegende Modernisierung der Kreisverwaltung
Falls die Sparkasse das Grundstück erwerben sollte, müsste die Kreisverwaltung nicht nur das 50er-Jahre-Gebäude am Luitpoldplatz verlassen, sondern auch das denkmalgeschützte Nachbargebäude, da dieses über die Heizungsanlage des alten Verwaltungsgebäudes versorgt wird. Dies könnte zugleich die Gelegenheit bieten, das denkmalgeschützte Gebäude einer technischen Erneuerung zu unterziehen. Etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung müssten für diese Umbaumaßnahmen vorübergehend an andere Standorte ausweichen. Landrat Brandl führt bereits Gespräche mit potenziellen Vermietern, da in der Region derzeit ausreichend geeignete Büroflächen verfügbar sind. Die aktuellen Marktbedingungen bieten dem Landkreis somit ein günstiges Zeitfenster für eine kostengünstige Lösung.
Für die Umzugs- und Sanierungsmaßnahmen sollen im Haushalt der Kreisverwaltung entsprechende Mittel eingeplant werden. Landrat Brandl betonte dabei, dass es ihm nicht nur um eine bauliche Lösung gehe, sondern um einen umfassenden Modernisierungsschub für die gesamte Verwaltung: „Die Büro- und Arbeitsinfrastruktur der Verwaltung soll auf ein Niveau gehoben werden, das dem Standard moderner Unternehmen entspricht. Im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte kann sich eine öffentliche Verwaltung veraltete Rahmenbedingungen nicht mehr leisten. Das gilt auch mit Blick auf den neuen Standort der Kreisverwaltung in Kandel, an dem moderne Serviceangebote aufgebaut werden sollen.“
Der Landkreis nutzt die verbleibende Zeit, um ein Zukunftskonzept für den Standort der Kreisverwaltung zu entwickeln. Brandl machte deutlich: „Große Neubauprojekte für die Verwaltung sind aufgrund der finanziellen Lage derzeit nicht möglich. Ziel ist es, vorhandene Immobilien zu stärken, bestehende Strukturen effizient zu nutzen und eine moderne, konkurrenzfähige Verwaltung aufzubauen.“ Der Verkauf des alten Verwaltungsgebäudes und die damit verbundenen Umzüge sollen nun auch in den zuständigen Gremien weiter diskutiert werden. Eine endgültige Entscheidung im Kreistag ist für den 9. März 2026 vorgesehen.
Autor:Heike Schwitalla aus Germersheim |
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