Virtuelle Wiedergeburt eines verschwundenen Schlosses: Friedrichsbühl wird digital erlebbar
- Heute findet sich vor Ort das rekonstruierte Eingangstor des Schlosses
- Foto: Heike Schwitalla (bearbeitet)
- hochgeladen von Heike Schwitalla
Bellheim. Im Bellheimer Wald nimmt ein Schloss Gestalt an, das seit rund 500 Jahren nicht mehr existiert – zumindest virtuell wird es jetzt wieder zum Leben erweckt. Vertreter der Regionalagentur KOBRA informierten sich jetzt vor Ort über das Projekt „Rekonstruktion des ehemaligen Jagdschlosses Friedrichsbühl“, bei dem Geschichte, Handwerk und digitale Technik auf ungewöhnliche Weise zusammenfinden.
Martin Tielmann von der Regionalagentur KOBRA, zuständig für die LEADER-Region „Vom Rhein zum Wein“, ließ sich von Kilian Kunz (Marketingagentur K2, Bellheim) und Sebastian Kraus (1. Beigeordneter der Gemeinde Bellheim und Inhaber der Schreinerei Kraus) die Umsetzung erläutern. Beide haben das Projekt über Jahre hinweg maßgeblich vorangetrieben – mit sichtbarer Begeisterung für das Ergebnis.
Schloss im virtuellen Raum - Tor im Wald bei Bellheim
Im Mittelpunkt steht nicht nur die Rekonstruktion des historischen Schlosstores, sondern vor allem die digitale Wiedererschaffung des gesamten Jagd- und Lustschlosses aus dem 16. Jahrhundert. Ideengeber und treibende Kraft ist Kilian Kunz, der alle Projektphasen begleitete: vom Förderantrag über das präzise Abscannen des originalen Sandstein-Tores – das heute im Foyer des Historischen Museums der Pfalz in Speyer steht – bis hin zur virtuellen Rekonstruktion des gesamten Bauwerks mittels Augmented Reality (AR).
Zunächst wurde das Originaltor technisch erfasst: Maße und Oberflächenstruktur wurden digital gescannt. Diese Daten dienten als Grundlage für die Fertigung eines leicht verkleinerten Holztores, das in der Schreinerei Kraus mithilfe einer CNC-Fräsmaschine detailgetreu nachgebildet wurde. Im Januar wurden die einzelnen Bauteile am historischen Standort im Bellheimer Wald montiert. Das rekonstruierte Tor vermittelt nun erstmals wieder einen Eindruck von der einstigen Pracht des Renaissancebaus, den Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz errichten ließ – und ist bereits jetzt ein beliebtes Fotomotiv entlang des Friedrichsbühl-Rundwanderwegs.
Seine eigentliche Wirkung entfaltet das Projekt jedoch im digitalen Raum. Kunz hat das vollständig zerstörte Schloss am Computer virtuell neu aufgebaut. Historische Quellen und architektonische Details wurden sorgfältig zusammengetragen, um dem ursprünglichen Erscheinungsbild möglichst nahe zu kommen. Über QR-Codes vor Ort soll die Animation künftig abrufbar sein. Ergänzt wird sie durch eine Tonspur, die die wechselvolle Geschichte des Schlosses erzählt. Einen ersten Eindruck bietet die Website www.friedrichsbühl.de
- Hier stand Schloss Friedrichsbühl - bis jetzt erinnerte nur ein Gedenkstein an den Standort
- Foto: Heike Schwitalla
- hochgeladen von Heike Schwitalla
Im März: Termin zur Einweihung des Tores steht fest
Bis zur endgültigen Fertigstellung letzter Details wird noch etwas Zeit benötigt. Doch das Schloss, seit Jahrhunderten verschwunden, hat nun zumindest virtuell eine neue Zukunft. Die Einweihung des rekonstruierten Tores findet am 28. März 2026 im Rahmen der offiziellen Eröffnung der Wandersaison in der Verbandsgemeinde Bellheim statt. Ab 10.30 Uhr treffen sich Gäste, Würdenträger und Wanderfreunde am Schützenhaus Bellheim. Nach einem kurzen Festakt besteht die Möglichkeit, an einer geführten Wanderung auf dem rund sechs Kilometer langen, ebenen Friedrichsbühl-Rundwanderweg teilzunehmen. Am ehemaligen Schlossstandort wird Bürgermeister Paul Gärtner das Tor offiziell der Öffentlichkeit übergeben. Kilian Kunz und Sebastian Kraus stehen an diesem Tag für Fragen zur handwerklichen Umsetzung und zur digitalen Technik zur Verfügung. Die Teilnahme an der geführten Wanderung ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich.
Anmeldung und Info
Südpfalz-Tourismus VG Bellheim e.V.
Schuberstr. 18, 76756 Bellheim
Tourismus@vg-bellheim.de
Tel (07272) 7008-160
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Autor:Heike Schwitalla aus Germersheim |
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