Wirtschaftsvereinigung Stahl: Branche bleibt unter Druck
- Ein Stahlkocher bei der Arbeit, hier in einem Werk der Salzgitter AG in Niedersachsen.
- Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Berlin. Für Beschäftigte, Zulieferer und energieintensive Industrien ist die Lage der deutschen Stahlbranche weiter unsicher. In Berlin hat die Wirtschaftsvereinigung Stahl mitgeteilt, dass die Rohstahlproduktion im ersten Halbjahr auf rund 18,6 Millionen Tonnen gestiegen ist. Das sind neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Trotz des Anstiegs sieht der Verband keine nachhaltige Trendwende. Das Niveau des ersten Halbjahres wurde nicht wieder erreicht. Damals lag die Produktion bei 19,4 Millionen Tonnen. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet käme die Branche 2026 laut Verband auf rund 37 Millionen Tonnen. Für eine wirtschaftlich tragfähige Auslastung wären aber mehr als 40 Millionen Tonnen nötig.
Nachfrage aus Bau, Maschinenbau und Autoindustrie bleibt schwach
Als Hauptproblem gilt weiter die schwache Nachfrage in wichtigen Abnehmerbranchen. Dazu zählen Bau, Maschinenbau und Autoindustrie. Hauptgeschäftsführerin Kerstin Maria Rippel erklärte, eine echte Erholung beginne erst dann, wenn die reale Stahlnachfrage zurückkehre. Die aktuell steigende Produktion dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Stahlindustrie weiter in einer schwierigen Lage befinde.
Nach Einschätzung des Verbands sind die Zuwächse vor allem eine technische Gegenbewegung. Firmenkunden hätten unter anderem ihre Lager wieder aufgefüllt.
EU-Zollregeln und Infrastrukturinvestitionen machen Hoffnung
Hoffnung setzt die Branche auf neue Zollregeln der Europäischen Union, die seit Juli gelten. Unter bestimmten Voraussetzungen wird bei Stahlimporten ein Zusatzzoll fällig. Billigimporte aus Asien erschweren deutschen Herstellern seit längerem das Geschäft. Der Verband wertet das Handelsschutzinstrument deshalb als unverzichtbar für den Stahlstandort in Deutschland und Europa.
Zugleich fordert die Wirtschaftsvereinigung Stahl zusätzliche Nachfrageimpulse aus der Politik. Mit Blick auf die angekündigten Infrastruktur-Investitionen von 500 Milliarden Euro in den kommenden Jahren sagte Rippel, diese Mittel müssten möglichst schnell in der Wirtschaft ankommen. Daraus könne ein entscheidender Konjunkturimpuls entstehen.
Heimische Hersteller verlangen Vorteile bei Vergaben
Die Branche spricht sich außerdem dafür aus, dass heimische Stahlfabrikanten bei öffentlichen Beschaffungen stärker berücksichtigt werden. In Vergabeverfahren sollte nach Ansicht des Verbands ein verbindliches „Made-in-EU-Kriterium“ verankert werden.
Deutschlands Stahlindustrie steht weiter unter Druck. Wegen Überkapazitäten baut Thyssenkrupp Steel Europe Tausende Stellen ab. Hohe Energiekosten belasten die Unternehmen zusätzlich. Positiv aus Sicht der Branche ist, dass Salzgitter seine Prognose für 2026 zuletzt angehoben hat. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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