Warnung aus Walldorf: SAP-Chef sieht Kanzlerwechsel kritisch
- SAP-Chef Christian Klein: «Harte Entscheidungen treffen.» (Archivbild)
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Berlin. Für Beschäftigte, Anleger und Unternehmen in Deutschland geht es bei der Reformdebatte um Bürokratie, Wachstum und die Sicherheit der Sozialsysteme: In Berlin hat SAP-Chef Christian Klein einen Kanzlerwechsel als Lösung der Koalitionsprobleme zurückgewiesen. „Ich glaube nicht, dass die Probleme in der Koalition durch Veränderung an der Spitze verschwinden würden“, sagte Klein der Deutschen Presse-Agentur.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sei in keiner einfachen Lage, sagte der Vorstandschef des Walldorfer Softwarekonzerns. Er sehe bei Merz aber die Erkenntnis und die Klarheit, zu handeln. Viele Reformen seien überfällig und schwer zu vermitteln.
Entscheidend sei aus Kleins Sicht, dass die Koalition die Bürgerinnen und Bürger mitnimmt. Wenn bereits angestoßene Reformen wieder infrage gestellt würden, drohe der Bundesregierung insgesamt ein Glaubwürdigkeitsproblem. „Wenn die Regierung ein klares Bild zeichnet, wo es hingehen soll, damit es allen besser geht, dann steigt auch die Bereitschaft, kurzfristig harte Einschnitte hinzunehmen“, sagte Klein.
Was Klein für Deutschland fordert
Nach Einschätzung des SAP-Chefs muss Deutschland vor allem schneller und flexibler werden. Er nannte mehrere Punkte, die aus Sicht der Wirtschaft wichtig sind:
- Bürokratie: Verfahren müssten schlanker und effizienter werden.
- Digitalisierung: Verwaltung und Wirtschaft bräuchten mehr Tempo.
- Einwanderung: Deutschland brauche Zuwanderung, aber eine klare Vision dafür.
- Wachstum: Ohne mehr Wirtschaftswachstum lasse sich das Sozialsystem auf Dauer nicht halten.
Klein sprach sich auch für mehr Flexibilität beim Kündigungsschutz aus. Dieser sei ein hohes Gut. Für Beschäftigte, die weit überdurchschnittlich verdienen, könne er aber möglicherweise etwas flexibler gestaltet werden. Auch die Bundesregierung will den Kündigungsschutz für Hochverdiener lockern.
Vergleich mit dem Umbau bei SAP
Klein zog einen Vergleich zur Transformation im eigenen Konzern. Eine Strategie könne überzeugend sein, sagte er. Sie greife aber nicht, wenn Beschäftigte und Investoren nicht mitgenommen würden. In seiner Rolle müsse er ebenfalls harte Entscheidungen treffen. „Hierfür gewinnt man nicht immer einen Beliebtheitspreis“, sagte Klein.
Im Gesundheitswesen und im Sozialsystem seien Reformen nötig, sagte Klein. Zugleich warnte er davor, die Stärken Deutschlands aus dem Blick zu verlieren. „Wir tun gut daran, wieder die Stärken unseres Landes hervorzuheben“, sagte er. Die deutschen Systeme seien viel wert.
Investoren sehen Nachteile am Standort Deutschland
Klein verwies auf Rückmeldungen von Investoren. Diese sagten SAP, die Bewertung des Konzerns läge um 15 Prozent höher, wenn der Stammsitz in den USA wäre. Dort könne SAP aus Sicht der Investoren schneller wachsen. Klein folgert daraus, dass Deutschland und Europa ein gesundes Maß aus Schutz, Tempo und Flexibilität finden müssten. Dann könne auch wieder mehr Kapital nach Deutschland fließen.
SAP zählt zu den wertvollsten Dax-Konzernen. Klein ist seit 1999 bei dem Unternehmen und seit 2019 Vorstandsvorsitzender. Er richtet den Konzern derzeit stark auf neue Geschäfte mit KI-Produkten aus. Zuvor hatte er die Verlagerung des Geschäfts in die Cloud vorangetrieben. Zuletzt stieg der Erlös dank des starken Wachstums bei Cloudsoftware um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 7,5 Milliarden Euro. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |