Täuschungsvorwurf nach Übernahme: Curevac steht vor dem Aus

In Tübingen ist die Sorge groß vor einem Kahlschlag. (Archivbild) | Foto: Christoph Schmidt/dpa
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Tübingen. Für hunderte Beschäftigte in der Biotechbranche im Südwesten droht ein tiefer Einschnitt. Nach der Übernahme von Curevac plant Biontech die Schließung des Standorts in Tübingen. Curevac‑Gründer Ingmar Hoerr wirft dem Mainzer Unternehmen nun Täuschung vor.

Hoerr sagte der Deutschen Presse Agentur, die Übernahme sei im Vertrauen erfolgt, dass ein gemeinsames starkes Unternehmen entstehen sollte. „Ich finde es total unlauter. Das ist fast schon Trickserei“, erklärte der Gründer.

„Übernahme hätte nie erfolgen dürfen“

Nach Darstellung Hoerrs sei ursprünglich vereinbart gewesen, beide Unternehmen enger zusammenzuführen und voneinander zu profitieren. Diese Pläne seien inzwischen aufgegeben worden. „Dadurch sind alle nachweislich getäuscht worden. Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen“, sagte Hoerr.

Er vermutet hinter dem Vorgehen auch strategische Gründe im Zusammenhang mit früheren Patentstreitigkeiten zwischen beiden Firmen. Investoren seien mit Versprechen überzeugt worden. Möglicherweise sei dies von Anfang an Teil der Strategie gewesen.

Schließungen und Stellenabbau geplant

Biontech hatte angekündigt, mehrere Standorte zu schließen. Betroffen sind auch frühere Curevac‑Einrichtungen.

  • Der Standort Tübingen soll bis Ende 2027 aufgegeben werden.
  • Rund 820 frühere Curevac‑Beschäftigte könnten betroffen sein.
  • Weitere Schließungen betreffen Produktionsstätten in Idar Oberstein, Marburg und Singapur.
  • Insgesamt könnten bis zu 1860 Stellen wegfallen.

Die Unternehmensführung begründet die Maßnahmen mit Überkapazitäten, geringer Auslastung und dem Ziel, Kosten zu senken.

Gewerkschaft kritisiert Pläne scharf

Auch die Gewerkschaft IGBCE übt deutliche Kritik. Landesbezirksleiter Roland Strasser sprach von gesellschaftlicher Verantwortungslosigkeit und einem Frontalangriff auf die Beschäftigten.

Nach Ansicht der Gewerkschaft werde Produktionskapazität aus kurzfristigem finanziellen Kalkül abgebaut. Das schade langfristig dem Pharma und Biotechstandort Deutschland.

Für die Belegschaft in Tübingen kommt die Entscheidung zu einer ohnehin schwierigen Zeit. Curevac hatte bereits in den vergangenen Jahren mehrere Programme zum Stellenabbau umgesetzt.

mRNA Forschung im Wettbewerb

Biontech und Curevac gehören zu den Pionieren der mRNA Technologie. Während Biontech mit seinem Corona Impfstoff weltweit erfolgreich war und Milliarden umsetzte, scheiterte Curevac mit seinem ersten Impfstoffkandidaten an einer zu geringen Wirksamkeit.

Das Unternehmen aus Tübingen zog den Kandidaten aus dem Zulassungsverfahren zurück und konzentrierte sich danach stärker auf Forschung. Gleichzeitig kam es zu Patentstreitigkeiten mit Biontech.

Die Gewerkschaft kritisiert zudem, dass Biontech parallel ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm plant. Für viele Beschäftigte wirke das wie ein widersprüchliches Signal. dpa/red

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Cornelia Bauer aus Speyer

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