Rüstungsgeschäft bei Mercedes in Stuttgart: Chef zeigt sich offen
- Projekte in der Rüstungsproduktion müssten «wirtschaftlich sinnvoll» sein, sagt der Mercedes-Chef. (Archivbild)
- Foto: Bernd Weißbrod/dpa
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Stuttgart. Der Autobauer Mercedes-Benz prüft eine stärkere Rolle im Verteidigungsbereich. Konzernchef Ola Källenius hält einen Ausbau des Rüstungsgeschäfts für möglich, wenn er wirtschaftlich sinnvoll ist.
„Die Welt ist unberechenbarer geworden, und ich denke, es ist absolut klar, dass Europa sein Verteidigungsprofil stärken muss“, sagte Källenius dem „Wall Street Journal“. Sollte Mercedes dabei eine positive Rolle spielen können, sei der Konzern dazu bereit.
Nach Einschätzung des Vorstandschefs könnten die Stärken des Unternehmens als Großserienhersteller auch im militärischen Bereich genutzt werden. Automobilhersteller seien besonders gut darin, hochwertige Präzisionsmaschinen in großen Stückzahlen zu produzieren. Genau diese Fähigkeit könne auch bei militärischer Ausrüstung eine Rolle spielen.
Rüstung bleibt wohl kleiner Teil des Geschäfts
Källenius geht allerdings davon aus, dass das Verteidigungsgeschäft im Vergleich zu Pkw und Transportern nur einen kleinen Anteil am Gesamtgeschäft haben würde. Gleichzeitig könne sich daraus eine wachsende Nische entwickeln, die zu den Ergebnissen des Unternehmens beiträgt.
Mercedes-Benz betont auf Anfrage, dass der Konzern grundsätzlich zivile Fahrzeuge entwickelt und produziert. Aktivitäten im Sicherheits und Verteidigungsbereich würden jedoch als strategisches Entwicklungsfeld betrachtet und gemeinsam mit Partnern weiterentwickelt.
Autoindustrie blickt stärker auf Verteidigungsbranche
Nach Angaben des Unternehmens liefert Mercedes seit Jahrzehnten Fahrzeuge und Fahrgestelle für Sicherheits und Verteidigungszwecke. Spezialisierte Firmen bauen diese anschließend für militärische Anwendungen aus und vermarkten sie unter eigener Marke.
Auch andere Unternehmen der deutschen Autoindustrie prüfen derzeit einen Einstieg in die Rüstungsbranche. Hintergrund sind schwächere Absätze im klassischen Autogeschäft und der teure Wandel zur Elektromobilität. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach militärischer Ausrüstung wegen internationaler Konflikte deutlich.
Experten sehen vor allem Chancen für Autozulieferer. Mögliche Einsatzfelder liegen unter anderem in folgenden Bereichen:
- Karosserieteile für Militärfahrzeuge
- Antriebskomponenten
- Fahrzeug und Assistenzsysteme
Die Rüstungsindustrie gilt damit für Teile der Branche als mögliche Diversifizierungsstrategie in einer Phase großer Umbrüche in der Automobilwirtschaft. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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