Proteste bei Mercedes in Sindelfingen: Aktionen gegen Sparkurs
- Beschäftigte von Mercedes-Benz machen mobil gegen die Sparpläne des Vorstands. (Archivbild)
- Foto: Marijan Murat/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Sindelfingen. Beschäftigte von Mercedes-Benz wollen am Freitag, 3. Juli, bundesweit gegen den verschärften Sparkurs des Autobauers protestieren. Ein Schwerpunkt der Aktionen liegt im Südwesten mit Kundgebungen in Sindelfingen und Untertürkheim bei Stuttgart.
Zu den Protesten vor den Werkstoren hat die IG Metall aufgerufen. Weitere Aktionen sind nach Angaben der Gewerkschaft in Rastatt, Kuppenheim, Bremen, Berlin, Hamburg und Germersheim geplant. In Düsseldorf will IG-Metall-Chefin Christiane Benner sprechen.
Auftakt für weitere Aktionen in der Autobranche
Die Gewerkschaft versteht den Protest bei Mercedes als Beginn weiterer Auseinandersetzungen in der Autoindustrie. Die IG Metall kündigte einen „heißen Sommer und Herbst“ an, falls Unternehmen weiter auf Stellenabbau und Verlagerungen setzten. Nach Gewerkschaftsangaben seien im vergangenen Jahr in der deutschen Automobilindustrie rund 50.000 Arbeitsplätze abgebaut worden.
Mercedes erklärte, mögliche Unsicherheiten und Sorgen der Beschäftigten ernst zu nehmen. Das Unternehmen betonte, Mitarbeitende würden auch bei schwierigen Entscheidungen frühzeitig und transparent informiert. Der Betriebsrat habe den Konzern vorab über die geplanten Proteste informiert.
Sonderzahlung verschoben und Debatte über Arbeitszeit
Auslöser der aktuellen Unruhe ist ein Schreiben des Vorstands an die Beschäftigten in Deutschland von Ende vergangener Woche. Darin heißt es, Mercedes müsse die Kosten weiter mit Hochdruck senken, um bei den Produktpreisen wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Lage in Deutschland sei „dramatisch“.
Nach Unternehmensangaben erhalten etwa 90.000 der rund 108.000 Beschäftigten in Deutschland im Juli nicht wie erwartet die tarifliche Sonderzahlung. Der sogenannte Transformationsbaustein werde auf das kommende Jahr verschoben. Nach Angaben der IG Metall beträgt diese Zahlung 18,4 Prozent des regelmäßigen individuellen Monatsentgelts.
Zugleich will das Management in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sprechen. Derzeit gilt laut Tarifvertrag eine Wochenarbeitszeit von 35 Stunden.
- Proteste sind unter anderem in Sindelfingen, Untertürkheim, Rastatt und Germersheim geplant
- Etwa 90.000 Beschäftigte sollen die Sonderzahlung später erhalten
- Diskutiert wird auch über längere Arbeitszeiten ohne zusätzlichen Lohn
Für viele Beschäftigte geht es damit um Einkommen, Arbeitszeit und die Zukunft der Standorte. Die Aktionen am Freitag dürften deshalb auch über Mercedes hinaus als Signal für die gesamte Branche gewertet werden. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |