Protest in Sindelfingen: Mercedes-Beschäftigte machen Druck

Tausende protestieren gegen den Sparkurs bei Mercedes-Benz. | Foto: Bernd Weißbrod/dpa
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Sindelfingen. Für viele Beschäftigte bei Mercedes-Benz in Baden-Württemberg spitzt sich der Streit um Sparpläne, Arbeitszeit und Sonderzahlung zu. In Sindelfingen haben am Freitag tausende Mitarbeiter gegen den ausgeweiteten Sparkurs des Autobauers protestiert.

Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich rund 20.000 Beschäftigte an der Kundgebung. Ein Unternehmenssprecher sprach von 10.000 Teilnehmern. Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali sagte, die Beschäftigten seien mit den Plänen des Vorstands und mit dem „Abbau des Sozialstaats“ nicht einverstanden. Hart erkämpfte Errungenschaften würden in Frage gestellt.

Proteste an mehreren Standorten

Laut IG Metall waren auch Aktionen in Untertürkheim in Stuttgart sowie in Rastatt, Kuppenheim, Bremen, Berlin, Hamburg und Germersheim geplant. Der Protest bei Mercedes-Benz gilt nach Angaben der Gewerkschaft als Auftakt für weitere bundesweite Aktionen.

Für Mittwoch, 9. Juli, ist in Stuttgart ein Autokorso von Beschäftigten der Autoindustrie angekündigt. Die IG Metall erklärte vorab, Hersteller und Zulieferer wollten weiteren Druck auf die Unternehmensleitungen aufbauen, solange diese auf Stellenabbau und Verlagerung setzten.

Was Mercedes den Beschäftigten mitgeteilt hat

Der Vorstand hatte die Beschäftigten in Deutschland Ende vergangener Woche in einem Schreiben über weitere Sparschritte informiert. Darin hieß es, die Kosten müssten weiter mit Hochdruck gesenkt werden, um bei den Produktpreisen wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Lage in Deutschland sei „dramatisch“.

Nach Unternehmensangaben erhalten etwa 90.000 der rund 108.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland im Juli nicht wie erwartet die tarifliche Sonderzahlung. Die Zahlung soll auf das kommende Jahr verschoben werden. Dabei geht es um den jährlichen „Transformationsbaustein“. Er beträgt 18,4 Prozent des regelmäßigen individuellen Monatsentgelts.

Außerdem will das Management nach eigenen Angaben in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sprechen. Derzeit gilt laut Tarifvertrag für die Beschäftigten die 35 Stunden Woche.

Warum die 35 Stunden Woche besonders umkämpft ist

Die 35 Stunden Woche gilt in der Metall und Elektroindustrie als historisch hart erkämpft. Um sie wurde in den 1980er Jahren über Wochen gestritten. Nach mehreren Stufen war sie in den westlichen Bundesländern im Oktober 1995 erreicht.

IG Metall Bezirksleiterin Barbara Resch hatte den Sparkurs im Vorfeld scharf kritisiert. Die Beschäftigten hätten Mercedes groß gemacht und sollten nun nicht für Fehlentscheidungen im Vorstand zahlen. Zukunftssicherheit entstehe aus ihrer Sicht durch Investitionen, gute Produkte und Respekt vor der Leistung der Belegschaft. dpa/red

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Cornelia Bauer aus Speyer

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