Niedrigwasser am Rhein: Unternehmen zahlen mehr für Transporte
- Entscheidend für die Schifffahrt ist nach Angaben der IHK Pfalz vor allem der Pegel Kaub am Mittelrhein. (Archivbild)
- Foto: Thomas Frey/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Rheinland-Pfalz. Das anhaltende Niedrigwasser am Rhein verteuert Transporte und kann Lieferketten in Rheinland-Pfalz und im Saarland belasten.
Nach Einschätzung mehrerer Industrie- und Handelskammern trifft das vor allem Unternehmen, die auf die Binnenschifffahrt angewiesen sind. Besonders betroffen seien die Chemieindustrie mit BASF, die Energieversorgung, die Baustoffwirtschaft sowie Hafen- und Logistikunternehmen.
Weil Schiffe bei sinkenden Pegeln weniger Ladung aufnehmen können, steigen die Kosten pro Transport. Das kann dazu führen, dass Vorprodukte später bei anderen Industriebetrieben ankommen und Produktionen gedrosselt werden müssen.
Pegel Kaub bleibt der Engpass
Entscheidend für die Schifffahrt ist nach Angaben der IHK Pfalz der Pegel Kaub am Mittelrhein. Er gilt als zentraler Engpass auf der wichtigen deutschen Wasserstraße. Mit sinkendem Wasserstand müssen Schiffe ihre Ladung schrittweise verringern. Dadurch wird zusätzlicher Schiffsraum benötigt, der mit fallenden Pegeln immer teurer wird.
Unter einem Pegelstand von 40 Zentimetern ist eine wirtschaftlich sinnvolle Binnenschifffahrt nach IHK-Angaben praktisch nicht mehr möglich. Dieser Wert wird seit knapp zwei Wochen unterschritten. Aktuell liegt der Pegelstand in Kaub nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Rhein bei 24 Zentimetern. Am Morgen des Vortags waren es 19 Zentimeter. Am Mittwochabend, 5. August, lag der Wert sogar nur bei 17 Zentimetern. Damit wurde in Kaub der niedrigste Pegelstand seit Messbeginn erreicht. Der bisherige Tiefstwert hatte bei 25 Zentimetern im Jahr 2018 gelegen.
Ein Pegelstand ist eine relative Wasserhöhe, die von einem festgelegten Punkt aus gemessen wird. Er zeigt deshalb nicht die tatsächliche Wassertiefe bis zum Flussboden.
So reagieren betroffene Unternehmen
Im Saarland sind laut IHK vor allem einzelne Unternehmen betroffen, die Massengüter oder besonders große Produkte per Schiff transportieren. Dazu gehören etwa Teile der Stahlindustrie sowie Hersteller großer Maschinen und Apparate.
Wegen des Niedrigwassers werden Transporte teilweise auf Lastwagen verlagert. Das verursacht nach IHK-Angaben erhebliche Mehrkosten. Größere wirtschaftliche Schäden in der Breite der saarländischen Wirtschaft seien bislang aber nicht zu erkennen. Wie stark die Folgen ausfallen, hängt nach Einschätzung der Kammern vor allem von der Dauer der Niedrigwasserphase ab.
Unternehmen haben nach Angaben der IHK Pfalz aus früheren Niedrigwasserperioden reagiert. Einige investierten in spezielle Niedrigwasserschiffe. BASF setzt bei Niedrigwasser seit 2023 auf das Tankschiff „Stolt Ludwigshafen“. Das Schiff kann bei einem Kaub-Pegelstand von 30 Zentimetern noch 800 Tonnen transportieren.
Alternativ setzen Unternehmen verstärkt auf kombinierte Transporte per Schiff, Schiene und Lastwagen. Diese Möglichkeiten sind laut IHK jedoch begrenzt und mit hohen Kosten verbunden. Auch für das Klima spielt das eine Rolle: Ein Binnenschiff ersetzt etwa 100 Lastkraftwagen.
Das fordern die Kammern
Die IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz fordert deshalb, den seit Jahren geplanten Ausbau der Fahrrinne am Mittelrhein voranzutreiben. Die sogenannte Abladeoptimierung bei Kaub würde nach Angaben der Kammern die Transportkapazität erhöhen, Lieferketten stabilisieren und Straße sowie Schiene entlasten. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |