Niedrigwasser am Rhein in Baden: IHK meldet hohe Mehrkosten
- Das Niedrigwasser hat Folgen für die Industrie in Südbaden.
- Foto: Thomas Riedel/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Baden. Das Niedrigwasser am Rhein verteuert für viele Unternehmen in Baden Transport und Produktion deutlich. Nach einer Umfrage der IHK Südlicher Oberrhein melden 78 Prozent von 170 befragten Betrieben entlang des Flusses höhere Kosten.
Seit dem letzten extremen Niedrigwasser im Jahr 2018 sei aus Sicht der IHK zu wenig passiert. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Alwin Wagner forderte, Flachstellen im Rhein unverzüglich zu vertiefen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass wir in naher Zukunft wieder in die gleiche Situation geraten.“
Viele Betriebe spüren die Folgen direkt
Fast jedes dritte Unternehmen schränkt laut IHK bereits die Produktion ein. Sechs Prozent haben Produktionsprozesse ganz gestoppt. 13 Prozent sehen den Standort nach IHK-Angaben sogar in seiner Existenz gefährdet. Bei gut der Hälfte der Unternehmen stiegen die Logistikkosten demnach um mindestens 25 Prozent. Bei knapp einem Drittel lagen sie um 50 Prozent oder mehr über dem üblichen Niveau.
Stahlwerke, Hafen und EnBW betroffen
Besonders stark trifft das Niedrigwasser rohstoffintensive Unternehmen am südlichen Oberrhein. Die Badischen Stahlwerke teilten mit, dass ihre logistische Versorgung bedroht sei. Rund 60 Prozent der Rohstoffe und 50 Prozent der Produkte würden über den Rhein transportiert. Das entspreche mehr als 200.000 Tonnen im Monat. Ein Ausweichen auf Straße oder Schiene sei kaum möglich und treibe die Kosten stark nach oben.
Auch im Hafen Kehl sind die Folgen spürbar. Schiffe können den Hafen laut Hafendirektor Volker Molz nur noch mit stark verminderter Ladung anlaufen. Der Umschlag wichtiger Güter staut sich dadurch im Hafenbecken.
Der Energiekonzern EnBW beziffert die Einbußen bei Laufwasserkraftwerken nach Angaben von Finanzvorstand Thomas Kusterer auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Auch Kohleschiffe für die Kraftwerke in Karlsruhe und im neckarnahen Altbach transportieren derzeit weniger Ladung als üblich. Aktuell sei die Versorgung noch gesichert. Beide Standorte könnten bei Bedarf auf die Bahn ausweichen.
Trockenheit belastet auch die Landwirtschaft
Die anhaltende Trockenheit trifft zudem die Landwirtschaft in der Region. Ein Landwirt aus Stutensee im Landkreis Karlsruhe berichtete von einer schwächeren Getreide- und Rapsernte nach einem trockenen, kalten Frühjahr und der Hitze seit Juni. Den Maisbestand könne er nicht mehr retten, weil Wasser fehle. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |